Thomas Hermanns

Thomas Hermanns





"Die haben Bock, die haben Geld, die haben Schwung..."

"Die Vorstellung, die es früher noch gab, dass jemand um 22.30 Uhr vor dem Fernseher auf eine Sendung wartet, ist für Comedy komplett vorbei", ist Comedian Thomas Hermanns überzeugt. Höchste Zeit also, neue Modelle auszuprobieren: Hermanns' legendärer "Quatsch Comedy Club" ist nicht mehr bei ProSieben im Programm, ab 19. November sind die brandneuen Folgen nur noch im Netz, exklusiv beim Video on Demand-Anbieter Watch4, zu sehen.

Nach einer kurzen Startphase bei Premiere, gehörte Hermanns' QCC seit 1996 als fester Bestandteil zum ProSieben-TV-Programm und etablierte sich schnell als Größe in Sachen Stand-up-Comedy. Doch das Fernsehen hat sich seither verändert. Viele sind skeptisch und unsicher, was die Zukunft bringen wird. Mancher bei den privaten Fernsehsendern wünscht sich vermutlich die 1990er Jahre zurück, als man noch alles im Griff hatte. Thomas Hermanns geht mit seinem Wechsel von TV zu VoD mit der Zeit: digital, schnell und ganz nah am Konsumenten.

Und doch geht es für Thomas Hermanns auch "back to the roots" - nicht nur wegen Jochen Kröhne, der bereits 1993 bei Premiere den "Quatsch Comedy Club" mit aus der Taufe gehoben hatte und heute Mitgesellschafter bei Watch4 ist. Insgesamt werden 24 halbstündige Folgen ab 19. November 2015 gezeigt. "Also das hier ist kein Test, sondern ein ganz klares Commitment von Watch4", erklärt Thomas Hermanns. "Es ist nicht so wie beim Fernsehen, wo oft gesagt wird, wir probieren erst mal ein, zwei Folgen. Auch hier sieht man, dass die Risikobereitschaft beim Fernsehen relativ gering geworden ist - besonders beim privatwirtschaftlichen Fernsehen", so der 52-Jährige.

"Mit 24 Folgen à 30 Minuten haben wir damals bei ProSieben angefangen", erzählt der Gründer des "Quatsch Comedy Clubs". Das sind die alten Bedingungen, eben der alte Spaß. Und bei den neuen digitalen Playern herrscht ein bisschen von der Aufbruchsstimmung, die wir damals beim Privatfernsehen in den 1990-ern hatten. Das ist echt lustig. Also wenn man mit denen spricht, dann merkt man die haben Bock, die haben Geld, die haben Schwung, die sind gut gelaunt. Und das freut uns natürlich, dass das jetzt wieder auflebt."

Stand-up-Comedy ist schnell. Aber wenn man nicht in der ersten Reihe eines "Quatsch Comedy Clubs" in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und ab Januar 2016 auch in Stuttgart sitzt, dann braucht ist man auf das passende Medium und Format angewiesen, um diese Live-Energie zu erleben. "Und Stand-up-Comedy eignet sich einfach extrem gut fürs Netz", findet Hermanns. Wir haben keine langen Filme, sondern vier, fünf, sechs Minuten lange Nummern, die hauptsächlich über Gags funktionieren. Ich finde es immer schrecklich, wenn ich jemanden sehe der im Zug 'Herr der Ringe' auf dem Iphone guckt. Aber so eine Stand-up-Nummer kann man auch sehr gut auf kleinen Screens schauen. Stand-up ist für digital eben so passend." Auch andere Comedy-Kollegen bauen laut Hermanns ihre digitalen Kanäle immer weiter aus. "Denn: es ist leicht, es ist direkt am Kunden, und auch das Feedback ist sehr gut."

Doch was ändert sich noch nach 20 Jahren "Quatsch Comedy Club" im Fernsehen - außer dem Medium? Werden die Inhalte auch ans Netz angepasst? "Wir produzieren die Clips direkt aus den Clubs raus", antwortet Thomas Hermanns. "In den Clubs herrscht eine ganz bestimmte Atmosphäre, die wir einfangen und direkt übertragen können. Das heißt, es ist sogar vom Gefühl her etwas anderes als früher bei den großen Fernsehsendern. Jetzt sind wir eher in der Rolle eines Co-Produzenten und können so noch mehr über die Inhalte bestimmen und noch mehr auf das Live-Geschehen eingehen. Auch die Performer sind authentischer und direkter. Durch einen fast dokumentarischen Charakter der Aufnahmen, ist der Zuschauer mitten im Geschehen." Man merkt Hermanns die Euphorie an, wenn er sagt: "Es ist fast so, als ob man mitten im Club sitzt. Wir zeigen andere Bilder, als wir es von der klassischen Fernsehsendung her kennen: wo man immer rauskommt und 'Guten Abend meine Damen und Herren' sagt. Jetzt ist alles noch ein bisschen live-iger, clubiger und alles in 360 Grad."

Thomas Hermanns wird sich als "Pate" des "Quatsch Comedy Clubs", die er wegen der langen Laufzeit liebevoll sein "Cats"-Musical nennt, zurücklehnen und aus der Loge die Shows verfolgen. Die Moderation gibt er an die jüngeren Moderatoren aus den Clubs ab, die näher am Geschehen dran sind. "Man will keine alten Männer mehr sehen, die alte Witze machen. Deshalb dürfen jetzt mal 'meine Kinder' nach vorne und das Moderationsmikro schwingen."

Ganz hat sich Thomas Hermanns jedoch noch nicht vom linearen Fernsehen verabschiedet. Zum Beispiel als künstlerischer Leiter der Goldenen Kamera oder als Moderator der Europäischen Filmawards ist er für TV immer noch zu haben. Denn mit "Live Shows ist Fernsehen wirklich am stärksten und am direktesten und das macht auch richtig Spaß", erklärt er. Auch für Comedians ist das Live Erlebnis sehr wichtig. Keiner darf sich rein auf seine digitale Präsenz verlassen. YouTube-Stars müssen sich Hermanns' Meinung nach immer noch auf der Live-Bühne erproben. "Man muss Comedy immer noch auf der Bühne und im Live-Club lernen. Man muss es vor Publikum machen. Man kann in seinem Kinderzimmer die lustigsten Videos vor der Tapete aufnehmen, aber das nützt einem nur bis zu einem gewissen Grad etwas. Stand-up alleine zu machen, ist völlig sinnlos. Leider muss man vor Publikum üben, auch wenn das oft schmerzhaft ist. Aber anders geht's nicht."

Die Bühne ist und bleibt wohl das wahre Medium für Stand-up-Comedy.

Quelle: teleschau - der mediendienst