Blacktape

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Auf der Suche nach Deutschrap

"Straight Outta Compton" ist gerade verhallt, da kommt schon der nächste HipHop-Film in die Kinos: "Blacktape", eine Deutschrap-Mockumentary mit einigen Propheten der hiesigen Szene. Eigentlich als Dokumentation angestrebt, ändert sich inmitten des Films mit einer kryptischen Message eines gewissen Tigon alles. Wer ist das und wo kommt der plötzlich her? Das beschäftigt den Musikjournalisten und bekennenden Revoluzzer Marcus Staiger, "HipHop-Professor" Falk Schacht sowie Sékou Neblett von der Gruppe Freundeskreis, der gleichzeitig Regie führte. Die Drei begeben sich auf eine Reise durch die deutsche HipHop-Historie. Den mysteriösen Tigon finden sie dabei nur bedingt - dafür eine Menge Nostalgie und ordentlich Streit.

"Blacktape" vereint die zwei kritischsten Geister der deutschen Rapszene: Auf der einen Seite Marcus Staiger, freier Journalist für Vice und Spex, der in Berlin das Untergrundlabel Royal Bunker zu einer Zeit gründete, da Berliner Untergrundrap so gar nicht en vogue war. Von Sido über Kool Savas bis zu K.I.Z - er entdeckte sie alle. Auf der anderen Seite steht Falk Schacht, der früh damit begann, HipHop journalistisch aufzuarbeiten, lange ein HipHop-Format bei Viva und später im Internet präsentierte. Heute erforscht er die Subkultur regelrecht. Es sind zwei Welten, die aufeinanderprallen. Immer wieder sticheln sich Falk und Staiger, während Sékou Neblet versucht zu schlichten.

Markus Staiger scheint sein Faible für Rap allerdings verloren zu haben, will sich lieber um Familie und Job kümmern. "Warum bist du so draußen, Alter?", fragt ihn Falk. Eine mysteriöse Website, gesendet von einem anonymen Facebook-Profil, und ein Tape mit frühem LoFi-Sprechgesang änderen alles. Das Jagdfieber des Trios ist geweckt. Denn Tigon ist zurück, ein Rapper aus den 80-ern, der durch einen Auftritt mit deutschen Raptexten in einer Heidelberger Kaserne eine Massenpanik ausgelöst haben soll. Was dran ist an der Geschichte und wer dahintersteckt, weiß keiner.

Um das Geheimnis zu lüften, geht es im Kleinwagen auf Reisen. Während die Drei mit Sprayerlegende Jaybo Monk Graffitis von Tigon suchen, mit ehemaligen Polizisten und Angehörigen der US-Army sprechen, kommen alte deutsche Raplegenden wie die Stieber Twins und neue Phänomene à la Haftbefehl zu Wort. Sie erzählen von früher. Ohnehin handelt "Blacktape" viel von der Vergangenheit, von den 90-ern mit ihren Jams, von einer Zeit, als HipHop noch etwas junges Wildes anhaftete. Zwischendurch springen die Drei durch Baracken und eine alte Kaserne. Es kommt einem fast so vor, als wollte da jemand ein Stück seiner Jugend zurückholen. Eine zweite Adoleszenz verpackt im Filmformat? Während die Anekdoten so dahin dümpeln, bleibt Tigon ein Phantom.

"Blacktape" ist eine breiige Masse, die sich sehr langsam bewegt. Obwohl der Film eigentlich als Roadmovie aufgezogen ist, fehlt die Geschwindigkeit. Spannend wird es selten. Weder eine nächtliche Verfolgungsjagd mit der Polizei noch der Gegenspieler von Staiger - Universal-A&R Neffi Temur, der Tigon einen Major-Vertrag anbieten will - reißen aus dem Trott. Da können Staigers Ausraster noch so sympathisch sein, da kann noch so viel über deutschen Rap schwadroniert werden - viel Erkenntnis verschafft der Film nicht. Am Ende lebt "Blacktape" nicht von seiner Story, sondern ausschließlich von der Authentizität der Protagonisten. Da ist sie wieder, die vielbeschworene "Realness", die im HipHop so wichtig zu sein scheint. Doch die reicht für einen spannenden Kinofilm leider nicht aus.

Quelle: teleschau - der mediendienst