Juliane Köhler

Juliane Köhler





"Klamotten aus und ab ins Bett? Nichts für mich!"

Was haben Dieter Bohlen, Leonardo DiCaprio und Franz Müntefering gemeinsam? Richtig, sie alle lieben wesentlich jüngere Frauen. Während es für erfolgreiche Männer völlig normal ist, sich mit jüngeren Partnerinnen zu schmücken, wird der umgekehrte Fall häufig immer noch belächelt oder gar gesellschaftlich abgelehnt. Das TV-Drama "Für eine Nacht ... und immer?", das die ARD am 27. November, um 20.15 Uhr, ausstrahlt, spielt gekonnt mit diesem Tabu und zeigt dabei die Missstände unserer vermeintlich aufgeklärten und toleranten Gesellschaft auf. Juliane Köhler (50, "Aimée und Jaguar", "Nirgendwo in Afrika") schlüpft in die Rolle der Mittvierzigerin Eva, die für ihre Liebe zu dem 21 Jahre jüngeren Tom (Marc Benjamin) alles aufs Spiel setzt. Im Interview spricht die preisgekrönte Charakterdarstellerin offen über Film-Sex, Feminismus und die Frauenquote.

teleschau: Welche Rolle spielt das Alter für die Liebe?

Juliane Köhler: Gar keine, das ist ein Irrtum unserer Gesellschaft. Der Film zeigt sehr schön, wie gut die Beziehung von Eva und Tom trotz des großen Altersunterschieds funktioniert. Die beiden sind durch tiefe Gefühle miteinander verbunden, haben eine gute Zeit zusammen und lassen sich dabei ihre Freiheiten.

teleschau: Trotzdem lehnt Evas Umfeld die Beziehung vehement ab, während der umgekehrte Fall - älterer Mann mit jüngerer Partnerin - gesellschaftlich akzeptiert ist. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Köhler: Ich denke, das liegt am Beuteschema der Männer. Vielleicht ist bei ihnen der Wunsch nach einer jüngeren Partnerin genetisch bedingt und hat etwas mit der Fortpflanzung zu tun. Bei Frauen ist das anders: Sie wünschen sich einen starken, gleichberechtigten Partner, dem sie auf Augenhöhe begegnen können. Dennoch heißt es gleich, wenn eine reifere Frau eine Beziehung mit einem jüngeren Mann hat: "Was will die Alte mit dem jungen Kerl?"

teleschau: Was denken Sie, woher kommt diese Ungerechtigkeit in der unterschiedlichen Bewertung der Beziehungen von Männern und Frauen?

Köhler: Möglicherweise liegt das daran, dass wir an das Beziehungsmodell "älterer Mann mit jüngerer Frau" einfach mehr gewöhnt sind. Daran muss sich etwas ändern! Aber das ist ein Prozess, der seine Zeit brauchen wird. Menschen sind eben Gewohnheitstiere. Irgendwann sind hoffentlich alle Beziehungsformen vollständig akzeptiert - das gilt natürlich auch für schwule und lesbische.

teleschau: Wie waren die Dreharbeiten mit Ihrem jungen Kollegen Marc Benjamin?

Köhler: Wir haben sehr gut zusammengearbeitet, weil wir uns gleich einig waren, dass wir kein Klischee darstellen wollen, sondern eigenständige Menschen. Die Liebesszenen hat unsere Regisseurin Sybille Tafel mit uns zusammen im Vorfeld akribisch geplant. Es war also völlig klar, wer wann welche Geste oder welche Bewegung macht. Das ist natürlich viel einfacher, als wenn ein Regisseur sagt: "Klamotten aus und ab ins Bett!" Das ist nichts für mich.

teleschau: Sie spielen eine erfolgreiche Wissenschaftlerin in den eher männlich dominierten Naturwissenschaften. Wäre eine Frauenquote hilfreich, um mehr Frauen den Aufstieg in eine Führungsposition zu ermöglichen?

Köhler: Es ist zwar ein bisschen unangenehm, und es wäre schöner, wenn es von alleine ginge. Aber wenn das nun mal nicht möglich ist, dann brauchen wir eine Frauenquote. Und zwar für alle männlich dominierten Branchen: Wissenschaften, Management und natürlich auch für den Film. Es wäre wünschenswert, wenn es mehr Regisseurinnen geben würde!

teleschau: Worin liegt für Sie der Vorteil in der Arbeit mit einer Regisseurin?

Köhler: Frauen sind an Frauen interessiert. Sie drehen häufiger Filme über weibliche Figuren. Vielleicht, weil sie sich besser hineinversetzen können. Deshalb brauchen wir mehr Regisseurinnen - nicht zuletzt, damit ich weiterhin tolle Rollen spielen kann (lacht).

teleschau: Wäre es eine Option für Sie, ins Regiefach zu wechseln?

Köhler: Da habe ich mich bisher nicht drangetraut. Ich arbeite zwar gerne mit Anfängern und Schauspielschülern, weil ich glaube, ihnen etwas beibringen zu können. Aber einen ganzen Film zu stemmen, ist etwas anderes.

teleschau: Der Film "Für eine Nacht ... und immer?" passt auch gut zur aktuellen Diskussion um den neuen, jüngeren Feminismus. Wie stehen Sie zu diesem Thema?

Köhler: Die Frauenbewegung hat Vorkämpferinnen wie Alice Schwarzer wirklich gebraucht. Allerdings finde ich ihren Ansatz, dass Frauen und Männer gleich sind, nicht richtig. Im neuen Feminismus geht es eher darum, geschlechtliche Unterschiede zu akzeptieren, sich auf Augenhöhe zu begegnen und zu respektieren. Dazu gehört selbstverständlich auch eine faire, gleichberechtigte Bezahlung von Männern und Frauen.

teleschau: Wie bekommen Sie als berufstätige Mutter Karriere und Familie unter einen Hut?

Köhler: Wir haben uns, wie viele andere Familien auch, einfach so durchgewurstelt. Wenn beide Elternteile arbeiten wollen, ist es wirklich nicht leicht. Dann ist man auf die Hilfe von Großeltern oder Au-pair-Mädchen angewiesen. Jetzt sind meine Kinder groß und können sich auch selbst mal etwas zu essen kochen. Aber die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt natürlich ein wichtiges Thema und muss weiterhin diskutiert werden. Dabei sollte es auch in Ordnung sein, wenn eine Frau erst einmal zu Hause bleiben und später wieder ins Arbeitsleben einsteigen möchte. Eine Frau muss kein Monster-Arbeitstier sein, das nach der sechsten Woche schon wieder am Schreibtisch sitzt.

teleschau: Wie würden Sie reagieren, wenn Ihre Töchter eines Tages mit dem Wunsch zu Ihnen kommen würden, ebenfalls Schauspielerinnen werden zu wollen?

Köhler: Ich freue mich, wenn meine Töchter herausfinden, was sie wirklich machen möchten und dafür kämpfen. Dann können sie von mir aus alles werden!

Quelle: teleschau - der mediendienst