Geschichte und Birkenstocks

Geschichte und Birkenstocks





Warum "Die Tribute von Panem - Mocking Jay Teil 2" in Berlin Weltpremiere feierte

Ausgerechnet Berlin. Es mag manchen überrascht haben, dass die Weltpremiere von "Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2" in der Bundeshauptstadt stattfand und nicht in Hollywood, New York oder London. Aber Berlin ist genau der richtige Ort. Nicht nur, weil ein Teil der Szenen für den zweigeteilten Abschluss der Blockbuster-Reihe hier gedreht wurde. Es ist vor allem die Geschichte der Stadt, die Berlin zum idealen Ort machte, den Film der Weltöffentlichkeit vorzustellen. Die Stadt der Diktaturen steht wie keine andere Metropole für die Barbarei des 20. Jahrhunderts: Hier herrschte erst Hitler, dann die SED. Hier wurden Weltkriege angezettelt und die Freiheit der Menschen beschnitten. Motive, die sich wie ein blutroter Faden durch die Romantrilogie von Suzanne Collins ziehen.

Von der Geschichte der Stadt waren die Stars des Films selbstredend eher unbeeindruckt. Sie waren nach Berlin gekommen, um sich feiern zu lassen: Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence natürlich, Julianne Moore, Donald Sutherland, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Elizabeth Banks, dazu eine ganze Reihe Nebendarsteller, Regisseur Francis Lawrence und das Produzententeam. Gelöste Stimmung allenthalben, nur Jennifer Lawrence gab die Unantastbare und trug bei der Pressekonferenz demonstratives Desinteresse zur Schau.

Das kann man als Diventum werten oder aber als Selbstschutz. "JLaw" hat mit 25 Jahren einen Oscar und zwei Golden Globes gewonnen, sie ist derzeit Hollywoods heißester Star. Wo sie auftaucht, steht sie im Rampenlicht und wird mit Fragen bombardiert, während Kinolegenden wie Donald Sutherland oder die bezaubernde Julianne Moore nicht einmal wahrgenommen werden. Jung und sexy schlägt reif und erfahren - so funktioniert die Allianz aus Showbiz und Medien eben. Dass die "Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2" im Team entstand, ist da von nachrangigem Interesse.

Auch dass sich Donald Sutherland (80) kritisch über Angela Merkel äußert, geht da leicht unter: "Mit Blick auf die deutsche Geschichte, mit den Verträgen von Versailles und der Weimarer Republik, wundert es mich schon, dass Angela Merkel eine strikte Sparpolitik fährt. Immerhin wurde Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg durch Geld, durch den Marshall-Plan, gerettet," analysierte der als Elder Statesman auftretende Kanadier. Sutherland hofft, "dass sich viele junge Leute den Film ansehen. 'Tribute von Panem' enthält ihr Verderben, aber eben auch ihre Möglichkeiten für die Zukunft. Möge der Film wie ein Katalysator wirken und ihnen die Augen öffnen: Die Jugend kann aus der Geschichte lernen und ändern, was immer wieder falsch gelaufen ist."

Geschichte ist das, was Berlin im Überfluss zu bieten hat. Auch wenn man als Außenstehender mehr in die Wahl des Drehortes hineininterpretiert, als es die Filmemacher tun. Die sind nämlich eher pragmatisch an die ganze Sache herangegangen: "Wir wussten, dass wir in den letzten Filmen neue Motive brauchten", erklärte Francis Lawrence. "Berlin bietet die perfekte Architektur, um zum Beispiel das Kapitol zu bebildern. Hier gibt es eine gute Mischung aus Brutalität und Klassizismus", fuhr der Regisseur fort und lud auch gleich zu einer Location-Tour ein.

Dass man dabei vor allem erfuhr, wie super immer alles war - Crew, Locations, Unterstützung, Nachtleben - geschenkt. So etwas muss man sagen, wenn man einen Film, zumal im Rahmen einer Weltpremiere, bewerben will. Zumindest bei den Drehorten war das überschwängliche Lob nicht übertrieben. Die Architektur der Stadt ist einmalig, hier trifft der erwähnte Klassizismus des preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel auf monumentale Nazibauten. Die Gigantonomie am Bau hat Tradition in der Stadt und eignet sich daher perfekt, um das Kapitol - Panems Äquivalent zu Reichshauptstadt Germania - zu bebildern. Wobei natürlich nicht der verschwiegen werden sollte, dass viele Bilder in "Die Tribute von Panem" am Computer entstanden.

Real gedreht wurde zum Beispiel auf dem alten Flughafen Tempelhof. Das war besonders für Julianne Moore eine Reise in die eigene Vergangenheit. "Mein Vater ist in seiner Armeezeit immer dort gelandet. Der Ort hat für mich eine persönliche historische Bedeutung", sagte die Schauspielerin, die lange Zeit in Deutschland lebte und in Frankfurt am Main ihren Highschool-Abschluss machte. Das hielt Moore allerdings nicht davon ab, sich die drehfreie Zeit beim Shopping zu vertreiben. Sogar was sie damals kaufte, wusste sie noch: "Ein Paar Birkenstocks."

Quelle: teleschau - der mediendienst