Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2

Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2





Dinge, die im Krieg passieren

Im Krieg und in der Liebe gibt es keine Regeln. "Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2" ist ein Film über den Krieg und über die Liebe. Alles ist erlaubt in diesem barbarischen Finale einer Reihe von Jugendbuchverfilmungen. Von Beginn an (2012) war keine Angst zu spüren, sich den grausamen Wahrheiten über das Wesen der Menschen zu stellen und diese auch zu zeigen. Dass muss man den "Tribute von Panem"-Filmen hoch anrechnen: Sie scheuten sich nicht davor, die Grausamkeiten auch im Bild umzusetzen. Im Gewand eines düsteren Endzeitspektakels verhandelt "Mockingjay 2" sehr zeitgemäße Themen, die im Grunde seit Jahrtausenden aktuell sind. Die Geschichte wiederholt sich, die Kriege wiederholen sich und mit ihnen das unsägliche Leid, dass sich Menschen gegenseitig zufügen. Aber die Menschen stehen immer wieder auf und bringen Opfer für eine bessere Zukunft.

Der zu Teilen in Berlin gedrehte Film setzt genau da ein, wo der erste Teil des Finales aufhörte: Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence), die eigentlich als strahlendes Propaganda-Aushängeschild den Volksaufstand in Panem anführen soll, ist schwer verletzt. Man sieht, dass die Heldin keine Kraft mehr hat: Peeta (Josh Hutcherson) mit dem sie zusammen die Hungerspiele überlebte und den sie liebt, hatte sie fast umgebracht. Vom Kapitol einer Gehirnwäsche unterzogen, lebt Peeta in einer Welt voller Wahnvorstellungen und projiziert seinen Hass und seine Angst auf Katniss.

Im Krieg und in der Liebe gibt es keine Regeln. Das Kapitol wollte Peeta als besonders perfide Waffe einsetzen. Doch Katniss gibt ihn nicht auf. Er ist ihre Hoffnung und sie seine während Panem in Trümmer gebombt wird. Die Menschlichkeit geht allenthalben flöten, auch bei den Rebellen. Was schon in der ersten "Mockingjay"-Hälfte anklang, wird nun Gewissheit: Der Kampf gegen Präsident Snow (Donald Sutherland) ist nur eine Etappe auf dem Weg in die Freiheit. Die nächste Diktatorin steht schon bereit, und ihr ist jedes Mittel recht, um an die Macht zu kommen. Als Revolutionärin verkleidet, spielt Alma Coin (Julianne Moore), die militärische Anführerin des Aufstandes der Distrikte, dasselbe grausame Spiel wie Snow. Der Krieg macht Monster aus allen.

Einer, der das erkannt hat, ist der dem Kapitol abtrünnige Gamemaster Plutarch Heavensbee, der vom 2014 verstorbenen Philip Seymour Hoffman in seiner letzten Rolle gespielt wird. Dankenswerterweise hat das Filmteam auf digitale Tricks verzichtet, um seine fehlenden Szenen zu komplettieren. Das Drehbuch wurde umgeschrieben und seine Dialoge wurden von anderen Figuren übernommen. Heavensbee wusste, dass man sich für die Freiheit engagieren muss und dass ein Krieg immer auch Opfer einfordert: Es gibt diese eine Szene, in der sich Katniss und ihre Schwester Prim (Willow Shields) verabschieden, ehe Katniss heimlich an die Front zurückfliegt. Es ist eine Hochzeit, ein Fest der Fröhlichkeit, dass so unwirklich scheint angesichts des Krieges. Prim und Katniss umarmen sich, die Kamera - und damit die Welt - dreht sich nur noch um sie. Und man weiß, dass die beiden Opfer bringen werden.

Man mag bemängeln, dass "Mockingjay 2" allzu brav den Regeln des Blockbusters folgt und sich ergeben in die dramaturgischen Zwänge des Unterhaltungskinos fügt. Das wird ganz deutlich in einer Reihe von Szenen in der Kanalisation des Kapitols. Dort wollen sich Katniss und ihre Mitstreiter zum Präsidentenpalast vorarbeiten und bekommen es mit einer Horde von Mutanten zu tun. Es folgt ein Hauen und Stechen, wie man es aus Zombiefilmen kennt - dunkel, laut, hektisch. Hier hat Regisseur Francis Lawrence seinen Film ganz deutlich auf Spektakel getrimmt. Aber hinter diesem Spektakel lauern auch immer die Wahrheiten.

Denn, und das ist das Beachtliche, "Mockingjay" holt damit eben auch das Zielpublikum ab. Im Prinzip kann man den Film, eigentlich die ganze Reihe, als didaktisches Mittel sehen, um zu vermitteln, was schwer zu vermitteln ist. Dabei geht es diesmal weniger um Medienkompetenz und Propaganda, es geht um das Wesen des Krieges und die Notwendigkeit von persönlichem Engagement, um die Welt erträglich zu machen. Regisseur Francis Lawrence bringt die Verfilmung der Romantrilogie von Suzanne Collins mit gebotener Drastik zu einem Ende, das keine Sieger kennt. Strahlen kann jedenfalls niemand nach diesem Krieg.

Erst recht Katniss nicht, die den finalen Schuss abfeuern wird. Einen Schuss, den sie selbst setzen muss, um ihre Wut zu besänftigen und Panem zu befreien. Nun mag Rache kein guter Ratgeber sein, aber Katniss hat erkannt, dass es der Geschichte eigen ist, sich selbst zu wiederholen und dass sie die Macht und die Mittel hat, den ewigen Kreislauf zu unterbrechen. Um ihrer Alpträume Herr zu werden, macht sie sich am Ende, so erzählt sie es ihrer Tochter, jeden Tag im Kopf eine Liste mit all den guten Dingen, die sie Menschen hat tun sehen. Eine mühselige Sisyphos-Arbeit, mit der sich die Gespenster des Krieges aber auch nicht vertreiben lassen.

Quelle: teleschau - der mediendienst