Provinz und Flucht: Dok Leipzig ehrt Gewinnerfilme

Provinz und Flucht: Dok Leipzig ehrt Gewinnerfilme





Das wichtigste deutsche Dokumentarfilmfestival geht mit einem Zuschauerrekord zu Ende: 48.000 Besucher zählte die 58. Ausgabe des Dok Leipzig, rund 4.000 mehr als noch im Vorjahr. Ein Fokus des seit 1955 stattfindenden Wettbewerbs lag in diesem Jahr auf ruhig erzählten, persönlichen Einblicken in prekäre Alltags-Realitäten in der Provinz 25 Jahre nach dem Niedergang des Eisernen Vorhangs. Das spiegeln auch die Gewinnerfilme: Mit "Brothers" erhielt ein polnischer Film die Goldene Taube im Internationalen Wettbewerb. Regisseur Wojciech Staron begleitet zwei alte Brüder, die nach 70 Jahren aus dem auferlegten Exil in Sibirien in ihre Heimat Masuren zurückkehren. Einem ähnlich abgehängten Landstrich widmet sich der Gewinner des Deutschen Wettbewerbs: "Land am Wasser" von Tom Lemke zeigt das karge, aus der Zeit gefallene Leben der letzten verbliebenen Bewohner eines Dorfes in Sachsen-Anhalt, dessen Bevölkerung dem Kohleabbau weichen musste. Im Wettbewerb Next Masters wurde der ungarische Film "Train to Adulthood" mit der Goldenen Taube ausgezeichnet. Klára Trencsényi porträtiert in dem poetischen Stück Teenager und ihre Familien, die inmitten der harten kapitalistischen Realität eine im Sozialismus begründete Tradition leben. Mit dem ebenso aufschlussreichen wie hoffnungsvollen "Café Waldluft" (Defa-Förderpreis) über Flüchtlinge in einer Pension in Berchtesgaden, dem Kurzfilm "Eisen" (Goldene Taube Wettbewerb Kurz) über die Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt und dem griechischen "The Longest Run" (Lobende Erwähnung) über Flüchtlinge im Gefängnis ehrte die Jury zudem Filme, die sich der aktuell brisanten Realität des Flüchtlings-Daseins in Europa widmen.

Quelle: teleschau - der mediendienst