Die Trapp Familie - Ein Leben für die Musik

Die Trapp Familie - Ein Leben für die Musik





Heute schon gesungen?

Ganz am Anfang irritiert "Die Trapp-Familie - Ein Leben für die Musik" sein Publikum. Von der Flucht einer außergewöhnlichen Familie nach Amerika anno 1938 handle der Film, sagt eine Schrifttafel vor dem ersten Bild. Zu sehen ist dann in verschneiten Bergen ein großes Haus, das ziemlich neu wirkt. Und ein Mädchen in Anorak mit sehr zeitgenössischem Rucksack stapft einsam eine vereiste Serpentinenstraße entlang. Doch das gehört zur Rahmenhandlung, die in der Gegenwart spielt und den bieder-sentimentalen Grundton setzt. Zur Vorweihnachtszeit schneit ein Familienfilm in die Kinos, der lieber langweilt als mit einer furchtbaren Vergangenheit zu überfordern.

Papa hat eine neue Frau, sie selbst zählt gar nicht mehr: Der 15-jährigen Kirsty von Trapp (Lauren Canny) platzt ausgerechnet an Weihnachten in Montana der Kragen. Zu Fuß macht sie sich auf zur Bahnstation des nächsten Kaffs. Nicht ihr Vater fährt ihr nach, sondern ihre Großtante Agathe von Trapp (Rosemary Harris). Der auf ihren Zug nach Seattle wartenden Kirsty erzählt Agathe, dass es ihr einmal genauso ging.

Jetzt geht es wirklich zurück in die 1920-er, dann die 1930-er Jahre im österreichischen Salzburg. Die junge Agathe (Eliza Bennett) wächst als älteste Tochter in einer musikbegeisterten, kinderreichen Adelsfamilie in einer riesigen Villa auf. Doch als ihre geliebte Mutter stirbt, will sie nicht mehr singen. Dass ihr Vater, Baron Georg von Trapp (Matthew Macfadyen) ausgerechnet die Kinderfrau Maria Gustl (Yvonne Catterfeld) heiratet, verbittert sie geradezu.

Derweil verdüstert sich der politische Horizont: Reichskanzler Adolf Hitler übt Druck auf Österreich aus. Im Land gärt es. Chauffeur Konrad (Cornelius Orbonya) hat sich längst den Nazis angeschlossen, denen der traditionsbewusste Baron ein Dorn im Auge ist. Agathes Freund Sigi (Johannes Nussbaumer) riskiert sogar sein Leben im Kampf gegen die Braunhemden. Doch in Gestalt der berühmten Sängerin Lotte Lehmann (Annette Dasch) gibt es für Agathe, die ihr Singen wiederentdeckt, neue Hoffnung auf ein anderes Leben.

Eigentlich geschehen schreckliche Dinge: Die Nazis wollen die Salzburger Festspiele sprengen. Sigi wird schwer verprügelt. Agathe haut ab, weil sie ihre Stiefmutter nicht mehr ertragen kann. Der Baron ist von einem Tag auf den anderen finanziell ruiniert. Doch das regt nicht besonders auf. Das honigfarbene Sonnenlicht wie aus der Frühstückswerbung, das die Villa in gemütvolle Behaglichkeit taucht, lässt das Böse als Spuk erscheinen, der vorbeigehen muss. Und als es doch sehr hart wird, hören die Trapps auf ihr aufrichtiges Herz und tun das Richtige. In finsterer Zeit stimmen sie zum Groll der Nazis auf der Bühne das "Ave Maria" an.

In der Zwischenzeit ist Kristys Zug abgefahren. In der Bahnhofsgaststätte lauscht sie Agathes Memoiren und Lebensweisheiten. Die Erinnerungen der historischen Agathe von Trapp, die nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland mit ihrer Familie in den USA eine Musikerkarriere begann, werden sozusagen jungendgerecht erzählt - entschiedener und doch irgendwie weichgespülter Antifaschismus inklusive. "The Sound Of Music", das 50 Jahre alte Hollywood-Musical über die Trapps, erscheint gegen dieses seichte Dahinplätschern wie eine brillante Komödie und ein mitreißender Politthriller zugleich. "Die Trapp-Familie - Ein Leben für die Musik" bietet eben ein Höchstmaß an gefühlsentschleunigender Zerstreuung.

Quelle: teleschau - der mediendienst