Daniel Craig

Daniel Craig





"Bond ist bereit, wenn es darauf ankommt"

Die Erwartungen an Daniel Craig waren enorm. Schließlich war "Skyfall" (2012) ein überwältigender Erfolg. Über eine Milliarde Dollar wurden eingespielt, die Reaktionen von Fans und Medien waren überwiegend euphorisch. Der 1968 geborene Brite, den viele schon vor seinem ersten Auftritt als 007 im Jahr 2006 ("Casino Royale") abservieren wollten, hauchte der Reihe neues Leben ein. Nach Ende der Dreharbeiten befeuerte der sechste Bond der Geschichte Gerüchte, "Spectre" könnte sein letzter Auftritt im Auftrag ihrer Majestät gewesen sein. Bei der Deutschland-Premiere in Berlin klang das im Interview schon wieder ganz anders.

teleschau: Woher kommt Ihr Gefühl, dass Sie Bond nichts mehr geben können?

Daniel Craig: Das habe ich gar nicht. Das Zitat kam zustande, als ich zwei Tage nach einem acht Monate langen Dreh gefragt wurde, ob ich noch einen Bond drehe. Da sagte ich: Jetzt?!? Ganz sicher nicht. Letztendlich weiß ich es nicht und will darüber momentan nicht nachdenken. Das passiert, wenn das alles rum ist. Ich will erst einmal eine Weile nicht an James Bond denken.

teleschau: Der Film wirkte etwas leichter als Ihre drei eher düsteren Bond-Filme davor ...

Craig: Das haben wir uns verdient! Mein Bond blieb so lange ernst, wie es ging. Wobei wir immer noch recht ernst sind. Wir finden eine gute Balance.

teleschau: Welche der Action-Szenen mochten Sie besonders?

Craig: Die Eröffnungsszene war schon bemerkenswert und ein Zeugnis dessen, was dieses begabte Team leisten kann. Der Fight im Zug ist toll, dabei verletzte ich allerdings mein Knie. Wir haben die Szene über Wochen geprobt, wie einen Tanz, bei dem du dich an die Schritte erinnern musst. Wenn du etwas vergisst, erwischt dich ein Schlag.

teleschau: Gab es Szenen, in denen Sie dachten: Müssen wir das wirklich machen?

Craig: Das ist Arbeit. Wie in jedem Job, gibt es diese Tage. Mal hat man nicht gut geschlafen, aber das gibt sich schnell. Bond ist nicht mit anderen Filmen zu vergleichen. Du könntest in der gleichen Zeit zwei andere Filme drehen. Bond ist etwas ganz anderes - und zwar für alle, die daran beteiligt sind. Du vermisst deine Familie, aber da sitzen alle in einem Boot. Das erträgt das Team zusammen und so entsteht eine Art kleine Familie.

teleschau: Wie war die Zusammenarbeit mit Christoph Waltz?

Craig: Er ist ein außergewöhnlicher Schauspieler! Als es daran ging, die Rolle zu besetzen, haben wir alle gezittert, ob er zusagt. Er ist ein toller Typ.

teleschau: Wie haben Sie sich gemeinsam eingegroovt?

Craig: (lacht) Wir haben miteinander getanzt, Musik gehört ... ich legte ein Aftershave auf. Keine Ahnung, er ist Schauspieler, ich bin auch einer. Wir bringen es auf 60 Jahre Schauspiel-Erfahrung, mindestens. Wir wissen, was abgeht. Aber klar, wenn er ein Set betritt, hebt er die Messlatte an. Es ist eine wundervolle Herausforderung, so gut sein zu wollen, wie er - und umgekehrt treibt ihn das auch an. Die Arbeit mit solchen Kollegen ist großartig! Im Film ist das nicht nur Waltz, sondern auch Fiennes, Monica Bellucci - jeder Einzelne in diesem Film spielt sonst Hauptrollen.

teleschau: Waren Sie nervös in der Szene, in der Sie Bellucci küssten?

Craig: Nein, wir haben das in zwei Einstellungen gedreht.

teleschau: Wie kann ein Macho wie Bond ein Held in unserer modernen Welt sein?

Craig: Er ist nicht nur Macho. Ich hoffe, das konnte ich aufweichen. Mein Bond ist bereit, wenn es darauf ankommt.

teleschau: Früher kämpfte Bond immer alleine. Heute bekommt er immer wieder Unterstützung. Wird er zum Teamplayer?

Craig: Das liegt am Cast, mit Naomie Harris, Ben Whishaw und Ralph Fiennes. Wie könnte ich deren Hilfe zurückweisen? Mit denen zu drehen, macht so viel Spaß, sie bringen so viel ein. Jeder, der mir Arbeit abnimmt, ist willkommen. Wir hatten schließlich 128 Drehtage.

teleschau: Welcher war der erste Bond, den Sie gesehen haben?

Craig: "Liebesgrüße aus Moskau".

teleschau: Woran erinnern Sie sich noch?

Craig: Eigentlich nur an die U-Boot-Szene ...

teleschau: Ist es ein Vorteil, eine Rolle wie Bond, die Sie neu gestaltet haben, wieder zu spielen?

Craig: Es entsteht ein gewisser Komfort für das eigene Spiel. Aber: Es gelten Regeln, wenn man James Bond spielt, die darf man nicht vergessen. Leute diskutieren über die Psychologie des Films, aber erst einmal gilt es, eine gute Geschichte mit guten Figuren zu entwickeln. Dann geht es darum, wie eine Figur auf die anderen reagiert.

teleschau: Wie hat James Bond Ihr Leben verändert?

Craig: Unermesslich. Dank ihm konnte ich Orte sehen, die ich sonst nie gesehen hätte. Da ist so viel Positives. Leute fragen oft nach den Schattenseiten, die gibt es. Sie haben aber deutlich weniger Gewicht.

teleschau: Wie laden Sie auf nach all dem Stress?

Craig: Ich gehe einfach nach Hause, zu meiner Familie. Ich genieße es, in meinem hübschen Zuhause zu sein. Nächstes Jahr will ich mehr produzieren, es gibt immer etwas zu tun. Wieder in der Familie anzukommen ist da schwieriger.

teleschau: Sie sind bei "Spectre" auch Co-Produzent und haben Einfluss auf die Geschichte, die Figur James Bond und auch die Ausstattung Einfluss genommen ...

Craig: Ja, ich tendiere einfach dazu, nicht die Klappe zu halten. Das mache ich schon so, seit wir "Casino Royale" gedreht haben. Unser Produzent Michael G. Wilson war sehr großzügig, was das angeht, und ließ mich an diesen Prozessen teilhaben. Nur wenn ich Einfluss nehmen kann, kann ich die Rolle spielen. Einschalten, Bond spielen und dann wieder nach Hause gehen, das funktioniert für mich nicht. Ich will Teil des Ganzen sein, weil ich weiß, wie es mein Leben beeinflusst.

teleschau: Nächsten Herbst spielen Sie in New York den Intriganten Iago in Shakespeares "Othello". Wie wichtig ist es für Sie, auf die Bühne zurückzukehren?

Craig: Sam Gold ist ein großartiger Regisseur. Ich habe unheimlich viele Stücke von ihm gesehen und wollte unbedingt mit ihm arbeiten. Wir sprechen seit Jahren darüber, ein gemeinsames Projekt umzusetzen und nun ist es Shakespeare.

Quelle: teleschau - der mediendienst