Ann-Kathrin Kramer

Ann-Kathrin Kramer





"Glück ist eine Frage der Entscheidung"

Keine Lust auf Mord und Totschlag am Sonntagabend? Es gibt eine gefühlvolle Alternative zum ARD-"Tatort", die romantische Geschichten mit großer Schauspielkunst verbindet: die "Herzkino"-Reihe im ZDF. Am 8. November zeigt das Zweite um 20.15 Uhr mit "Katie Fforde: Mein Wunschkind" bereits den 20. Film dieser Reihe. Ann-Kathrin Kramer spielt die New Yorker Verlegerin Ann, die gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Rick (Jean-Yves Berteloot) dem Jugendamt eine heile Familienwelt vorspielt, um sich endlich ihren Lebenstraum zu erfüllen und ein Kind zu adoptieren. "Es ist ein emotionaler Film, der an der sonnigen Ostküste der USA spielt und zum Träumen einlädt", verspricht die Schauspielerin. Gleichwohl ist "Katie Fforde: Mein Wunschkind" keine Schmonzette à la Rosamunde Pilcher, sondern ein ernstzunehmender, moderner TV-Film ohne die üblichen Versatzstücke.

teleschau: Frau Kramer, Sie gehören im ZDF-"Herzkino" nicht gerade zu den Stammkräften. Was gab für Sie den Ausschlag, diese Rolle zu übernehmen?

Ann-Kathrin Kramer: Wir erzählen die Geschichte eines Paares, das sich eigentlich nicht mehr viel zu sagen hat. Erst im Laufe der Charade, welche die beiden für das Jugendamt spielen, finden Ann und Rick wieder zusammen - eine äußerst ungewöhnliche Liebesgeschichte.

teleschau: Der Schauplatz ist New York.

Ann-Kathrin Kramer: New York ist eine einzigartige Stadt, hier findet sich ein Gemisch aus sämtlichen Kulturen der Welt. Denken Sie nur an Chinatown und Little Italy! Und dann gibt es da noch diesen Mythos: Wenn du es in New York schaffst, dann schaffst du es überall.

teleschau: Ann und Rick arbeiten gemeinsam in einem Verlag. Auch Sie und Ihr Ehemann, der Schauspieler Harald Krassnitzer, haben denselben Beruf. Wie ist es, mit ihm gemeinsam vor der Kamera zu stehen?

Ann-Kathrin Kramer: Mein Mann ist ein toller Schauspieler und ein großartiger Kollege. Ich genieße die Arbeit mit ihm sehr, denn auf diese Weise können wir viel Zeit miteinander verbringen und voneinander lernen. Wenn wir gemeinsam drehen, können wir uns sehr schnell auf einen gemeinsamen Ton einigen und freier miteinander umgehen als das vielleicht mit einem anderen Kollegen der Fall wäre.

teleschau: Ihr Sohn Leonard stammt aus Ihrer Beziehung mit Jan Josef Liefers. Wie funktioniert das Leben als Patchworkfamilie?

Ann-Kathrin Kramer: Der Umgang miteinander unterscheidet sich nicht vom Umgang mit Freunden oder Arbeitskollegen. Für mich gilt grundsätzlich: Leben und leben lassen. Man sollte nicht versuchen, seine Mitmenschen zu ändern, sondern sie so wahrnehmen wie sie sind. Jeder Mensch ist anders, man sollte sich deshalb von festen Bildern im Kopf verabschieden und sich locker machen.

teleschau: Welche Prinzipien haben Sie bei der Kindererziehung?

Ann-Kathrin Kramer: Viel Liebe! Das ist das Wichtigste. Aber auch hier gilt: Jedes Kind hat andere Bedürfnisse, freut oder ärgert sich über andere Dinge. Allgemeinplätze helfen da nicht weiter. Man muss jeden Menschen sein lassen, wie er ist. Ich denke, wenn mehr Menschen nach diesem Prinzip handeln würden, würden wir in einer friedlicheren Welt leben. Die Menschen hätten dann nicht dauernd das Gefühl, sich wehren zu müssen.

teleschau: "Katie Fforde: Mein Wunschkind" zeigt auch die Schwierigkeiten und Hürden, die ein Adoptionsverfahren mit sich bringt. Würden Sie sich für eine Lockerung des Adoptionsrechts aussprechen?

Ann-Kathrin Kramer: Die genauen Gesetze und Regeln für Adoptionsverfahren kenne ich nicht, da eine Adoption für mich nie ein Thema war. Aber ich glaube, dass man auch hier nicht alle Menschen über einen Kamm scheren kann und im Einzelfall entscheiden muss. Nur weil jemand über 40 ist, bedeutet das ja nicht automatisch, dass er oder sie kein Kind mehr großziehen kann.

teleschau: Im Film nimmt Ann ein rebellisches Teenie-Mädchen, gespielt von Annika Schrumpf, bei sich auf. Was haben Sie selbst in Ihren Jugendjahren angestellt?

Ann-Kathrin Kramer: Eigentlich war ich ein sehr braves Kind. Nur einmal habe ich einen Mitschüler verprügelt, der immer auf dicke Hose gemacht hat. Er war der Meinung, Jungs seien toller als Mädchen. Ich habe ihm ein Stück aus seinem Hemd gebissen und am nächsten Tag stand seine Mutter im dem zerrissenen Hemd bei uns vor der Tür. Zum Glück konnte meine Mutter über die Geschichte lachen!

teleschau: Sie feiern nächstes Jahr Ihren 50. Geburtstag, sehen aber mindestens zehn Jahre jünger aus. Wie machen Sie das?

Ann-Kathrin Kramer: Ach, ich kann schon auch wie 50 aussehen! Das Äußere ist eben immer ein Spiegel des seelischen Zustands. Wenn ich glücklich bin, strahle ich das auch aus.

teleschau: Haben Sie ein persönliches Glücksrezept?

Ann-Kathrin Kramer: Glück ist eine Frage der Entscheidung. Es gibt doch diese Menschen, für die das berühmte Glas immer halbleer ist und die sich nur wohlfühlen, wenn sie rumnörgeln können. Das halte ich für falsch. Wenn man es schafft, das Leben positiv zu sehen, ist man einen großen Schritt weiter.

teleschau: Sie sind seit 22 Jahren im Geschäft. Gibt es etwas, das Sie als Schauspielerin noch erreichen wollen?

Ann-Kathrin Kramer: Nein. Ich bin froh, dass ich immer noch schöne Rollen angeboten bekomme und meinen Beruf weiter ausüben kann. Ich fühle mich wohl, so kann es weitergehen!

Quelle: teleschau - der mediendienst