Tina Ruland

Tina Ruland





Spielen und leben nach dem Lustprinzip

Anfang der 1990er-Jahre kannte fast jeder Deutsche Tina Ruland. Als sexy Blondine an der Seite von Til Schweiger hatte sie in "Manta, Manta" ihren großen Durchbruch. Danach folgten zahlreiche Rollen in TV-Serien, die ihr das Auskommen als alleinerziehende Mutter möglich machten. Mit über 40 traf sie ihren heutigen Lebensgefährten, mit dem Tina Ruland ihren zweiten Sohn bekam. Privat sei sie nun endlich "angekommen", versichert die gebürtige Kölnerin, die seit einigen Jahren in Berlin lebt. Im Fernsehen ist die 49-jährige Schauspielerin nun in der neuen ARD-Serie "Matterns Revier" (ab Dienstag, 17. November, 18.50 Uhr) als Hausärztin mit Herz zu sehen. Was das Besondere an dem Format ist, mit welchen finanziellen Schwierigkeiten Schauspieler zu kämpfen haben und ob es eine Fortsetzung von "Manta, Manta" geben wird, verrät Ruland im Interview.

teleschau: Frau Ruland, es gibt bereits zahllose Krimiformate im TV. Was ist das Besondere an "Matterns Revier"?

Tina Ruland: Die Serie ist sehr liebenswert und sympathisch und betrachtet die Figuren und ihren Alltag mit einem Augenzwinkern. Sie hat komödiantische Anteile und gleichzeitig kleine Kriminalfälle, die in der Nachbarschaft passieren. Es gibt viele Krimis à la "Tatort", aber so eine Farbe wie "Matterns Revier" gibt es derzeit nicht im Fernsehen. Ich mache immer gerne Sachen, die nicht die zehnte Wiederholung von irgendetwas sind.

teleschau: Was hat Sie speziell an Ihrer Rolle gereizt?

Ruland: Ich spiele eine Ärztin, die das Herz am rechten Fleck hat. Sie ist noch eine richtige Hausärztin, die um die Ecke wohnt. So was kennen wir alle noch und lieben es, aber das gibt es fast nicht mehr - weder in der Realität noch im Fernsehen. Außerdem bin ich neben der Kriminalkommissarin die einzige Frau in dieser Truppe von Kerlen.

teleschau: Die Serie ist also ein bisschen Sehnsuchtsfernsehen, das eine idyllische Nachbarschaftsgemeinschaft zeigt, in der jeder jeden kennt - ein Gegenstück zur anonymen Großstadt?

Ruland: Genau! Es gibt diese Sehnsucht nach einer heilen Welt, die bei Pilcher und dem Traumschiff in fernen Ländern gezeigt und gestillt wird. Bei uns findet das im Ruhrpott statt. Es sind echte Geschichten aus dem Leben. Man kann beim Zusehen denken: "Ja, das könnte bei uns auch passieren. Unsere Familie ist auch so durchgeknallt." Den Plot vom "Tatort" will man hingegen nicht in seiner eigenen Familie oder Nachbarschaft haben (lacht). Bei "Matterns Revier" wird niemand umgebracht, und es gibt nur Kleinkriminelle.

teleschau: Sehen Sie sich denn gerne Krimis wie den "Tatort" an?

Ruland: Nein. Ich spiele gerne in Krimis mit, aber sehe sie nicht gerne. Bei den ständigen Morden denke ich immer: Oh Gott, auf was für fürchterliche Arten kann man heutzutage zu Tode kommen? Schrecklich! Dann eher einen gut gemachten Actionthriller. Wenn ich den ganzen Tag gearbeitet habe und nach Hause komme, dann will ich nicht sehen, wie die Leute umgebracht werden, sondern entspanne mich auf andere Art.

teleschau: Wie denn?

Ruland: Wenn ich mit meiner Familie zu Hause bin, kochen und essen wir in Ruhe. Oder wir sitzen am Kamin und spielen mit unseren Söhnen.

teleschau: Ihr privates Glück kam erst mit über 40: Sie sind noch mal Mutter geworden und haben Ihren jetzigen Partner kennengelernt ...

Ruland: Es kommt wie es kommt. Mit den Männern, mit denen ich in jungen Jahren zusammen war, hatte ich nie das Bedürfnis, eine Familie zu gründen. Hätte ich meinen heutigen Mann zehn Jahre eher kennengelernt, hätten wir jetzt wahrscheinlich vier oder fünf Kinder.

teleschau: Als Schauspielerin muss man im Gespräch bleiben und darf nicht zu lange von der Bildfläche verschwinden. Haben Sie sich dennoch bewusst für eine längere Babypause entschieden, oder gab es einfach wenige Rollenangebote?

Ruland: Als mein zweiter Sohn vor viereinhalb Jahren zur Welt kam, habe ich entschieden, weniger zu arbeiten. Ich möchte gerne meine Kinder aufwachsen sehen und nicht ständig weg sein und sie einer Nanny übergeben. Deshalb bin ich beruflich kürzer getreten. Dafür habe ich zwar keine Millionenangebote abgesagt, aber schon einiges, was nicht vereinbar war mit zwei Kindern. Es ist nicht möglich, monatelang in einer anderen Stadt zu arbeiten. Das ist immer das Problem für uns Mütter in diesem Beruf. Den gibt es nicht halbtags und auch nicht immer unbedingt am Wohnort - das ist schwierig, wenn man ein schulpflichtiges Kind hat.

teleschau: Vor über 20 Jahren nach "Manta Manta" waren Sie ein Star in Deutschland. Wie geht man damit um, wenn es auf einmal wieder ruhiger um einen wird?

Ruland: Wie man damit umgeht, wenn man einmal hoch gelobt wurde und dann auf einmal weniger populär ist? Mich halten meine Kinder am Boden. Denen ist es völlig egal, ob ich im Filmbusiness gefeiert werde oder unwichtig bin. Das ist auch gut so. Ich führe ein ganz normales Leben. Das ist wichtig: Schließlich spiele ich Charaktere aus dem ganz normalen Leben - also muss ich auch daran teilnehmen und am Boden der Tatsachen bleiben.

teleschau: Wie hat sich die Branche Ihrer Meinung nach von damals im Vergleich zu heute geändert?

Ruland: Die Branche hat sich sehr verändert und ist nicht unbedingt besser geworden - vor allem für Frauen, die älter werden. Aber ich verweigere mich komplett, darin ein Problem für mich zu sehen, sondern ich sage: Wir werden schon nicht verhungern!

teleschau: Von Existenzängsten also keine Spur?

Ruland: Nein! Ich war schon seit dem Anfang meiner Karriere mit "Manta Manta" sehr sparsam und habe Rücklagen gebildet, von dem was ich verdient habe. Das rettet mich jetzt. Auf den Staat kann ich nicht zählen. Würde ich mich darauf verlassen und meinen Anspruch geltend machen, würde ich durch das soziale Netz fallen, obwohl ich seit 25 Jahren in die Kasse einzahle. Das ist ungerecht, in einen Topf einzahlen zu müssen, aus dem ich gar nichts bekomme. Manch einer, der drei Jahre arbeitet, kriegt mehr Arbeitslosengeld als ich. Was mit uns Schauspielern gemacht wird, ist wirklich absurd, was die Abgaben angeht. An uns hat niemand gedacht, weil wir eine verschwindend kleine Berufsgruppe sind. Eigentlich ist das verfassungswidrig, was mit uns Schauspielern passiert.

teleschau: Haben Sie Ihre Berufswahl je bereut?

Ruland: Nein. Ich lebe immer noch von meinem Beruf und mit meinem Beruf, und das macht mich sehr glücklich. Ich nehme mir auch nach wie vor den Luxus heraus, dass ich nur Sachen drehe, auf die ich Lust habe. Das kann ich nur machen, weil ich immer sparsam war.

teleschau: Es gibt Gerüchte über eine Fortsetzung von "Manta, Manta". Was ist dran?

Ruland: Ja, die gibt es. Fakt ist: Ich würde sofort mitmachen. Ich liebe den Film nach wie vor. Nächstes Jahr ist das 25-Jahre-Jubiläum. Da könnte man viel daraus machen. Es wäre doch total witzig, wenn wir die Figuren zeigen würden, die jetzt 25 Jahre älter geworden sind. Die ganzen Darsteller von damals sind ja alle noch im Geschäft, und ich weiß von einigen, die auch sofort Ja sagen würden. Aber die Rechte liegen bei Constantin Film. Die müssen das entscheiden und gegebenenfalls das Buch in Auftrag geben. Ich fände es toll und bin überzeugt, dass der Film ein Erfolg werden würde.

teleschau: Sind Sie privat angekommen?

Ruland: Ja, definitiv. Meiner Familie und mir geht es hervorragend. Wir sind alle gesund und glücklich miteinander. Wir haben ein Dach über dem Kopf und genug zu essen - was kann ich mir mehr wünschen? Ich finde es ganz furchtbar, wenn die Leute immer nörgeln und unzufrieden sind. Wir müssen uns bewusst machen, wie gut es uns geht.

teleschau: Vor allem in Zeiten der Flüchtlingskrise merkt man einmal mehr, wie gut es uns in Deutschland geht.

Ruland: Und dafür hat unsere Genration nicht viel getan. Wir haben Glück gehabt, im richtigen Land auf die Welt gekommen zu sein. Das muss man sich vor Augen halten.

Quelle: teleschau - der mediendienst