Macbeth

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Kalte Herzen im rauen Schottland

Es ist das Jahr des Michael Fassbender. Der Hollywoodstar mit den deutschen Wurzeln zeigt seine schauspielerische Bandbreite in drei sehr unterschiedlichen Filmen: Von dem bereits angelaufenen Arthaus-Western "Slow West" über das Apple-Gründer-Biopic "Jobs" (Start: 12.11.) bis zur nun startenden Shakespeare-Verfilmung "Macbeth". Das Abgründige liegt dem 38-Jährigen. Fassbender und die hervorragende, wenn auch überraschend als Lady Macbeth besetzte Französin Marion Cotillard geben ein faszinierendes Paar, das der Gier nach Macht verfällt.

Die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Königsmörders fasziniert seit Jahrhunderten, auch weil der englische Dramatiker das Wesen der Menschen in ausdrucksstarken Worten erfasste. Die Schönheit der lyrischen Sprache zu erhalten, sie verständlich und zeitgemäß in Szene zu setzen - vor dieser Aufgabe stand Justin Kurzel ("Die Morde von Snowtown"). Der australische Regisseur arbeitet dabei nie gegen die Sprache, sondern macht sie sich als komplexes Werkzeug zur Erzeugung von Spannung zunutze.

Besonders bei den Schlachtenszenen zeigt Kurzel seine meisterliche Fähigkeit zum Inszenieren. Er bleibt mit Wackelkamera nah dran am Kampf Mann gegen Mann, um das Getümmel dann von einem dichten Nebel verschlucken zu lassen. Der Regen prasselt, Körper erstarren im Sprung, in Zeitlupe wird mit schmerzverzerrtem Gesicht und Gebrüll gestorben. Dabei spritzen Dreck und Blut auf den rauen steinigen Boden. Umtost vom Schlachtengewirr befindet sich im Zentrum des Geschehens der Edelmann Macbeth, der mit totem Blick eine folgeschwere Erscheinung hat.

Wer Shakespeare neu verfilmt, muss eine eigene Vision zur Vorlage entwickeln, um sein Publikum zu fesseln. Visuell befindet sich dieser Film auf Augenhöhe mit Hollywood-Produktionen wie "300". Verzichtet wird dabei auf den oft manipulativen satten Klangteppich - stattdessen sorgt der Bruder des Regisseurs mit ungewohnt klingenden Perkussionen für eine interessante musikalische Untermalung. Musik, die zur äußerst lebensfeindlichen und kalten Landschaft passt. Die Sonne geht in "Macbeth" niemals richtig auf.

Bei Justin Kurzel ist Macbeth ein gebrochener Soldat, der unter einem Trauma leidet. Die Erscheinung der drei Hexen, die ihm prophezeien, dass er bald König sein werde, erklärt der Film als Halluzination eines Kriegers, der unter Posttraumatischem Stresssyndrom leidet. Das einsame Paar, das gerade sein Kind verloren hat, muss eine schmerzhafte Lücke in seinem Leben füllen und versteift sich darauf, ein Recht auf die Krone zu haben.

Kurzels "Macbeth" überzeugt mit Hauptfiguren voll von Widersprüchen. Zarteste Gefühlsregungen werden von blutigsten Taten eingeholt, eine Intrigantin erlegt sich selbst die schauerlichste Buße auf. Die Klassikerverfilmung fügt neue Aspekte hinzu, begeistert mit grandiosen Hauptdarstellern und atemberaubenden Bildern, für die sich das Filmteam unter widrigsten Wetterbedingungen größten Strapazen ausgesetzt hat. Sprachlich gibt sich "Macbeth" sehr anspruchsvoll - doch die Mühe lohnt sich.

Quelle: teleschau - der mediendienst