Harry Blank

Harry Blank





"A guader Mo"

Auf der Bühne "dahoam": Harry Blank (47), seinen treuen Serienfans bestens bekannt als Mike Preissinger aus der BR-Dauerbrennerproduktion "Dahoam is Dahoam" (montags bis donnerstags, 19.45 Uhr, im Bayerischen Fernsehen), führt eine Art Doppelleben. Neben seiner Schauspielerei zieht er auch als Sänger alle Blicke auf sich. Mit der eigenbetitelten Band BLANK startet der aus dem Landkreis Aichach-Friedberg im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben stammende Künstler nun zusammen mit Song-Schreiber und Kreativ-Kopf Andreas Weinek, Geschäftsführer der Fernsehsender History und The Biography Channel, steil durch. Beide "Blank"-Macher haben sich auf "bayerische Chansons", witzige Ansagen und charmante Frotzeleien spezialisiert. Die Arbeit am ersten Album laufen auf Hochtouren.

teleschau: Herr Blank, welcher Traum war größer, als Sie noch ein Junge waren - wollten Sie lieber Rockstar werden oder Schauspieler?

Harry Blank: Ich beantworte das einfach mal wahrheitsgetreu: Schauspieler! Ich weiß gar nicht, ob ich unbedingt ein Rockstar werden möchte. Ich sehe die Musik als etwas, das ich auch auf der Bühne oder vor der Kamera mache: Geschichten erzählen! Das Singen ist gar nicht so weit weg von meinem Beruf als Schauspieler. Ich benutze meine Stimme, um eine Story zu transportieren. Manchmal macht's halt mehr Spaß, wenn Musik dazu kommt. Das ist dann für mich beinahe so, als würde man im Chor sprechen. Ich bin Schauspieler und Musiker mit Leib und Seele.

teleschau: Der Berufsplan stand schon früh fest, oder?

Blank: Fürs Schauspielern? Ein Erweckungserlebnis gab es nicht. Es fing bei mir schon mit 13 oder 14 an, dass ich ein Faible fürs Kino entwickelte. Klar, waren wir mit der Schule in Augsburg im Stadttheater. Aber das waren eher so Nicht-Erweckungserlebnisse. Sehr gut kann ich mich an "Amphytrion" erinnern. Amphytrion brüllte die ganze Zeit und schlug mit so einem Gummi-Schläger auf Sosias herum. Ich hab die Szene noch genau vor meinem Auge - und weiß immer noch nicht, worum es gehen sollte. Ich hab das Stück danach nie wieder gesehen.

teleschau: Vermutlich aus gutem Grund.

Blank: Ich fand's schrecklich. So was wollte ich auf gar keinen Fall machen. Ich kam vom Dorf. Für mich war Kino die große weite Welt. Anderthalb Stunden in diesem kühlen, abgedunkelten Saal - das war mein Ding. Ganz naiv: Das steckt doch in uns Schauspielern drin: Der Wunsch, aus unseren eigenen kleinen Leben auszubrechen. Man schlüpft halt in etwas anderes hinein. Man schaut sich das Leben anderer Leute an - und dann wird das was Echtes. Deswegen muss man nicht schizophren werden.

teleschau: War der Berufswunsch zu Hause schwer durchzusetzen?

Blank: Nein, nie. Meine Eltern haben uns viele Freiheiten gelassen. Selbst als ich dann mit der Idee daherkam, im Ausland zu studieren. Wenn mir mein Sohn plötzlich vorschlagen würde, dass es ihn nach New York drängt, wäre ich sicher deutlich reservierter. Ich zog mit gerade mal 20 Jahren nach New York. Das würde ich meinem Kind niemals erlauben. Das war kein Zuckerschlecken.

teleschau: Mittlerweile sind Sie mit beiden Beinen im Beruf angekommen - sogar in einer täglichen Serie. Eigentlich ein Traum für Schauspieler. Oder haben Sie das Gefühl, Sie gehören dem BR?

Blank: Ich glaube, dass der Job das verlangt. Es gehört dazu, dass man sich einer Sache mit Haut und Haaren verschreibt - wenn man diesen Beruf aushalten möchte. Eine tägliche Serie ist schon sehr vereinnahmend. Das bringt das Produktionsvolumen mit sich, das gilt für alle Dailys. Ich kann aber schon noch andere Sachen nebenher machen. Vielleicht muss man die Frage anders beantworten: Nachdem wir so eine regionale Welle schlagen, die so eng mit der Region und der Sprache zu tun hat, gehöre ich mittlerweile nicht so sehr dem BR, sondern vielleicht schon zum bayerischen Kulturgut.

teleschau: Wie fühlt sich das an?

Blank: Ich gehöre definitiv zum Land-Bild. Deswegen ist es auch besser, sich zu so einem Interview in der Stadt zu treffen als irgendwo draußen.

teleschau: Tatsächlich?

Blank: Ich nenn's immer "Dahoam is Dahoam"-Country. Da kennen mich die Leute. Es ist ja auch okay.

teleschau: Schön?

Blank: Ja, auch schön. Als unser Erfolg so krass einsetzte, war's schon wild. Da konnte ich nicht mehr einfach in den Biergarten gehen. Sofort hieß es: "Mei, 'Dahoam is Dahoam'! Da sitzt ja der Mike." Das musste ich erst mal verinnerlichen, dass ich gemeint bin. Und darauf achten, dass ich morgens das richtige Hemd anziehe.

teleschau: Und wie ist das mit den Freunden: Dürfen die Sie Mike nennen? Oder schauen Sie morgens in den Spiegel und kriegen selbst einen Schreck, wenn Sie den Preissinger vor sich sehen?

Blank: Der Schreck hält sich in Grenzen. Aber es hat sich schon viel verändert für mich - und ich mich auch. Ich spreche selbst wieder viel mehr Bairisch. Das hatte ich vorher selten gemacht. Ich besitze jetzt eine Lederhose. Hey!

teleschau: Wie schwer fällt es, abends die Rolle einmal abzugeben - damit Sie bis mindestens mittags am nächsten Tag einmal Ruhe haben vor dem Mike?

Blank: Es ist ja nicht so, dass die Rolle irgendetwas täte, was ich nicht tun würde. Außer dass sie sehr viel stärker Bairisch spricht als ich. Das schon. Aber für so eine Rolle, die man sehr viel, quasi jeden Tag spielt, wäre es sehr schwer, weit von sich wegzugehen. Das kann man machen, wenn man einen Film oder ein Theaterstück spielt, wenn man die Rolle nur drei Monate am Hals hat - weil man sie eben abends oft wirklich schlecht wieder loswird.

teleschau: Das heißt, die "DiD"-Drehbuchautoren nehmen schon Rücksicht auf das Bild, dass Sie sich von Ihnen als Menschen gemacht haben?

Blank: Das würde ich schon sagen. Die Vielfalt der Rollen bei "Dahoam is Dahoam" wurde von den Schauspielern mitentwickelt. Die Besetzung war ja auch nicht total falsch. Und die Macher wissen schon, wer man ist und woran man glaubt. Nach meinem Verständnis musst du als Schauspieler den Glauben an das, was du vor der Kamera tust, immer aus dir selbst schöpfen. Auch wenn du dich vielleicht selbst anders entscheiden würdest, musst du verstehen können, warum deine Rolle auch mal einen anderen Weg wählt. Die Kraft musst du aus deinem Körper nehmen.

teleschau: Ihnen darf der Mike dann auch nicht auf den Wecker gehen?

Blank: Besser nicht. Es gibt schon Sachen, mit denen ich meine Probleme hätte. Wenn ich es ganz schlecht finde, dann spreche ich das an und versuche es zu verändern. Der Mike ist "a guader Mo". Er lügt nicht. Er ist eine ehrliche Haut. Er glaubt an das Gute im Menschen.

teleschau: Wie groß ist Ihre Neugier, wie es mit der Rolle inhaltlich in den nächsten Monaten weitergeht?

Blank: Ich will's eigentlich nicht wissen. Die Autoren haben mich bis jetzt nie enttäuscht. Es gibt Phasen, in denen sie große Geschichten für dich schreiben. Und dann gibt's Zeiten, in denen lassen Sie dich zum Glück ein wenig in Ruhe. Sonst würdest du durchdrehen. Das wird dann schnell extrem anstrengend. Vier bis fünf Drehtage die Woche mit ganz vielen Szenen erfordern viel Kraft. Und es wird schwer, nebenher was anderes zu machen - etwa zum Proben mit der Band zu fahren. Gleichzeitig war im letzten Jahr bei uns mit der Musik viel los. Wenn du nach zehn oder zwölf Stunden noch für drei bis vier Stunden zum Spielen gehst, mergelt dich das schon aus. Und am nächsten Tag stehst du wieder um halb Sieben auf. Und noch mal und noch mal. Und am Samstag steht dann ein Band-Auftritt an. Puh! Das hat mir fast die Schuhe ausgezogen.

teleschau: Wie tief greifen die Vorschriften der Serie denn ins Private ein?

Blank: Vor fünf Jahren wollte ich unbedingt mal einen Schnurrbart haben. Ging nicht. Das war eben nicht drin. Auch wenn ich mir jetzt plötzlich eine Glatze schneiden ließe, wäre niemand beim BR begeistert.

teleschau: Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie auch den "Dahoam is Dahoam"-Titelsong singen konnten?

Blank: Eher zufällig. Ich saß damals mit meinem Executive Producer zusammen, um "meine Frau" für die Serie zu casten: Frau Preissinger. In der Mittagspause ratschten wir damals viel, weil sich das Casting hinzog. Da erzählte ich ihm, dass ich früher viel Musik gemacht hatte. Schon als kleiner Bub hatte ich Instrumente gespielt - zunächst Akkordeon, später Saxophon. Viel Jazz. Und als Teenager auch fast nur Jazz gehört.

teleschau: Also war es ein Comeback, als Sie sich beim "DiD"-Song noch mal austoben konnten?

Blank: Mein Produzent fand meine Musikgeschichten interessant. Drei Wochen später klingelte plötzlich am späten Freitagabend das Telefon. Und er fragte mich, ob ich den Titelsong ausprobieren wollte. Da kam ich natürlich ein wenig ins Stottern. Der Song klang ziemlich rockröhrig. Ich verstand mich vorher eher als John Denver. Aber ich werde doch jetzt nicht nein sagen, oder? Beim Einsingen im Studio hatte ich in meiner Stimme einen Sitz gefunden, den ich davor nicht kannte. Und schon hörte ich im Aufnahmeraum durchs Mikro: Passt! Alles im Kasten.

teleschau: Aber kein Sechser im Lotto, was die Gema-Verwertung angeht?

Blank: Ich hab leider keine Gema-Rechte. Die haben nur die Autoren. Ich bin der Interpret. (lacht) Ich hab's auf die CD "Bayerns beste Bayern" geschafft - und kriege da pro Verkauf neun Cent.

teleschau: Ist das der prädestinierte Zugaben-Song, wenn Sie mit Ihrer Band BLANK auftreten?

Blank: Nope. Ich müsste dann auch an die Gema zahlen. Ich denke, Andreas und ich sollten vielleicht eine eigene Version machen - weil die Leute das schon erwarten. (lacht) Aber die müsste dann schon so weit abgeändert sein, dass uns keiner erfolgreich hinterherklagen kann.

teleschau: Wie hat sich der Stellenwert, den die Band in Ihrem Leben einnimmt, entwickelt?

Blank: Ich fand die Lieder, die Andreas geschrieben hat, von Anfang an Wahnsinn. Das habe ich ihm auch immer gesagt: Wäre ich vorher nur auf so ein Talent gestoßen, dann hätte ich für diese Lieder bezahlt. Es kommt gerade so viel Großartiges in meinem Leben zusammen. Ich erinnere mich an Jahre, in denen ich viel schlafen konnte. Jetzt hat unser kreativer Überdruck endlich wieder ein Ventil gefunden. Und ich versuche die Kraft aus den ruhigen Jahren mitzunehmen - ganz wie im Märchen vom "Starken Wanja", der sieben Jahre schläft, bis er endlich stark genug ist, das Dach anzuheben.

teleschau: Wenn man Sie jetzt vorn an der Musikbühne stehen sieht und beobachtet, wie Sie mit der Band und dem Publikum spielen, wirkt das wie der natürliche Ort für Sie.

Blank: Ich war nicht immer eine Rampensau. (lacht) Tendenziell natürlich schon. Auch in der Schule war ich der Lauteste - und der mit den meisten Verweisen. Ich kommuniziere gerne mit Leuten - am liebsten ganz direkt mit dem Publikum. Ich hab das Gefühl, die hören uns gerne zu, das macht Spaß und gibt der Band Kraft. Wenn man viel fürs Fernsehen dreht, ist das schon schön, wenn man die Leute vor der Bühne unmittelbar spürt.

teleschau: Und dazu Bairisch auf der Bühne singt ...

Blank: Moment! Andreas Weinek schreibt ausgeprägt Österreichisch. Das muss ich mir schon er- und umarbeiten. Ich bin zum Glück sehr austrophil, habe auch ein Jahr in Wien gelebt. Wir haben einen gemeinsamen Boden, und ich verstehe, wovon er als Steirer spricht und was er fühlt. Aber ich kann dem noch einen anderen Drall geben.

teleschau: Sie schenken sich nichts auf der Bühne.

Blank: Wir schießen uns gegenseitig hoch. Das ist super - und gehört sich auch so. Ich könnte nicht so frech sein, wenn da nicht Liebe dahintersteckte.

teleschau: Wie wichtig ist es, nach anstrengenden Drehtagen einfach mal Dampf abzulassen?

Blank: Enorm erfüllend. Wir haben vor allem zwei Qualitäten: Das eine ist der bayerische Chanson. Das andere ist der bayerische Punk. Für beides habe ich ein sehr großes Herz.

teleschau: Wie reagieren Ihre "Dahoam"-Fans?

Blank: Ich glaube, Sie sind durchaus überrascht von der hohen Eigenständigkeit und Echtheit unserer Songs. Es gibt den einen oder anderen Schauspieler, der ein bissl Musik macht - ich nenne jetzt keine Namen, aber meistens klingt das eher so nach Kabarett-Musik. Ein wenig lustig, ein bissl unterhaltsam. Unsere Songs stammen von jemanden, der mit einer ganz anderen Wucht schreibt. Mir ist es eine Ehre, dass ich da mitziehen darf. Und die Leute sind meistens ziemlich verblüfft, wie stark das klingt.

(Die Band tritt unter anderem im Rahmen des "Sound of Munich Now 2015"-Festivals am 6. November im Münchner Feierwerk auf. Bereits am Dienstag, 20. Oktober, sind die BLANK-Männer beim "Drei, Vier, Gsunga!"-Liederabend im Giesinger Bäustüberl mit von der Partie.)

Quelle: teleschau - der mediendienst