Macho Man

Macho Man





Einmal Mann mit alles!

Was läuft derzeit gut? Richtig: Multikulti-Komödien. Und was läuft schon immer gut? Natürlich: Mann-Frau-Komödien. Klar, dass die in der Dauerkrise befindliche deutsche Humorfilmbranche ihr Heil irgendwann in der Verknüpfung beider suchen würde. In "Macho Man" verlieben sich ein feministisch erzogener 68er-Spross und die Tochter einer türkischen Großfamilie ineinander. Doch trotz verheißungsvoller Story fällt der lahmen "Germady" selbst zu den schönsten Klischees nur so wenig ein, dass auch ein Christian Ulmen kaum etwas retten kann.

Mit der Hauptrolle in "Macho Man" widmet sich Ulmen, der zuletzt mit seinen Internet-Produktionen "Mann/Frau" und "Who wants to fuck my girlfriend?" für gehörig Gender-Zündstoff sorgte, einmal mehr seinem Lieblingsthema: dem Geschlechterverhältnis. Diesmal spielt er den 30-jährigen Daniel, der als schüchterner Werbeagenturmitarbeiter und Fan des 1. FC Köln bereits gehörig leidgeplagt durchs Leben geht. Zu allem Überfluss erzogen ihn seine toleranten 68er-Eltern auch noch zum Feministen. Fürchterlich, denn im Volksmund heißt das: "Frauenversteher", "Weichei" oder auch, ganz 90er-Jahre-Slang, "Softie". Und als solcher hat man es nicht leicht: Schon gar nicht, wenn man wie Daniel einer Frau nicht mal ins Gesicht blicken kann.

Doch eines Tages, im Türkei-Cluburlaub, ist es soweit: Die schöne Animateurin Aylin (Aylin Tezel) macht ihm heftige Avancen und wohnt unglaublicherweise zudem noch in Köln. Daniel ist verliebt! Wäre da nicht ihre deutsch-türkische Großfamilie, die den plumpen jungenhaften Waschlappen skeptisch beäugt, über seinen laschen Händedruck lästert, ihn als potenziellen Ernährer der Tochter infrage stellt. Nur ein richtiger Mann darf Aylin ehelichen!

Daniel hat keine Wahl: Um seine Angebetete nicht zu verlieren, muss er Schwiegereltern und Schwager zufriedenstellen. Aylins Bruder Cem (Dar Salim) hilft ihm dabei, das türkische Männerbild zu erfüllen. Fortan läuft der vormalig verständnisvolle Kuscheltyp als lederbejackter Macho-Casanova durch die Welt, immer einen lässig-abwertenden Spruch auf den Lippen. Dass er sich auch Aylin gegenüber gelinde gesagt wie ein Arschloch verhält, merkt er dabei gar nicht mehr.

Unter diesen Vorzeichen versucht sich Christof Wahls Comedy als moderner Witz-Hybrid: Wo Migrations- auf Emanzipations-Hintergrund trifft, sollten unterschiedliche Rollenerwartungen und kulturelle Missverständnisse für gehörige Gag-Salven sorgen. Möchte man meinen. Doch zumeist ergeht sich "Macho Man" in leidlichem Slapstik und platten Pennäler-Gags. Dabei gäbe es doch in Sachen Culture-Clash und Männer-Bild so viel Schlaues und Witziges zu beobachten, so viele Klischees auf kluge Weise zu überspitzen und hinterfragen. Stattdessen favorisiert man die langweiligsten Zuschreibungen als Zielscheiben, werden selbst die bisweilen gelungenen satirischen Ansätze sofort zugunsten dümmlicher 90er-Jahre-Gags begraben. Dass das Highlight des Films in einem Cameo-Auftritt des mit WM-Pokal bepackten Lukas Podolski im leergefegten Kölner Stadion besteht, könnte bezeichnender nicht sein.

Quelle: teleschau - der mediendienst