Sebastian Ströbel

Sebastian Ströbel





"Die deutsche TV-Serie steckt noch in den Kinderschuhen"

1998 gab Schauspieler Sebastian Ströbel sein Debüt in der TV-Serie "Kommisar Rex". Inzwischen ist der 38-Jährige Vater von drei Töchtern zum gut gebuchten Darsteller avanciert: Nach Auftritten in TV-Filmen wie "Gonger - Das Böse vergisst nie" oder der Serie "Countdown - Die Jagd beginnt" hat der gebürtige Karlsruher nun den neuen Chefposten im ZDF-Dauerbrenner "Die Bergretter" (ab Donnerstag, 5. November, 20.15 Uhr) ergattert. Als Markus Kofler muss er sich zunächst mühsam in das eingespielte Rettungsteam hineinarbeiten und beschwört dabei so manchen Konflikt herauf. Für das Gespräch hat er eine kurze Auszeit vom Umzug der Familie (er ist verheiratet und hat drei Töchter) in das neue Hamburger Domizil genommen. Im Interview spricht der Schauspieler über seine neue Rolle, Giftpfeile im Internet und die großen Stärken des deutschen Fernsehens.

teleschau: Herr Ströbel, Sie haben für "Die Bergretter einen Kletter-Crashkurs belegt. Konnten Sie davor auch schon klettern?

Sebastian Ströbel: Nein, damit habe ich für die Reihe angefangen. Das ist ja das Tolle an unserem Beruf, dass wir Dinge machen können, zu denen man sonst nicht so kommt.

teleschau: Sportlich sind Sie ja, aber waren Sie auch immer schon ein Outdoor-Typ?

Ströbel: Ich bin prinzipiell gerne draußen, ich liebe die Natur und mag es, mich in ihr zu bewegen - einfach zum Stressabbau. Ich habe schon immer gerne Sport gemacht, und wenn das draußen stattfindet, ist es mir am allerliebsten.

teleschau: Bei Dreharbeiten in den Bergen mit Wind und Wetter ist das aber wahrscheinlich nicht immer so angenehm, oder?

Ströbel: Ja, wir drehen da manchmal schon unter ziemlichen Gefahren. Letztendlich ist die Natur nicht berechenbar. Man muss sich eben der Risiken bewusst sein und entsprechend überlegt vorgehen, man muss sich vertrauen und auch auf die Partner verlassen können.

teleschau: Wäre denn ein Job bei der Bergwacht ein alternativer Beruf für Sie?

Ströbel: Definitiv. Wenn ich in den Bergen groß geworden wäre, könnte ich mir das echt vorstellen. Bis ich etwa zwölf Jahre alt war, wollte ich ja Arzt werden, daher deckt sich das eigentlich. Die echten Einsätze sind natürlich meistens nicht so spektakulär, wie wir sie zuspitzen, damit man das fernsehtauglich hinbekommt. Aber beruflich zu helfen und sich für andere einzusetzen - das ist schon was Tolles.

teleschau: Wie würden Sie den "Bergretter" Markus Kofler beschreiben?

Ströbel: Er ist sehr impulsiv, ein unglaublicher Bauchmensch, der etwas durchzieht. Er ist in sich gekehrt, macht aber immer mal wieder die Schleuse auf. Dann lässt er Gefühle zu, danach igelt er sich aber wieder ein. Er kommt selbst nicht so sehr mit seinem Leben zurecht, deswegen hat er auch dieses Helfer-Syndrom. Dieser altruistische Gedanke ist schon sehr ausgeprägt bei ihm.

teleschau: Hat Markus im Lauf der siebten Staffel eine Entwicklung durchgemacht?

Ströbel: Ja, aber das war nur Peu à Peu, denn der Schwerpunkt der Reihe liegt auf den Fällen und dem Drama am Berg. Im ersten Drittel der neuen Staffel ist es natürlich auch so, dass er sich erst mal zurechtfinden und behaupten muss im Team. Er muss seinen eigenen Stil finden, sich immer wieder in die Gruppe eingliedern und auch gelegentliche Alleingänge rechtfertigen.

teleschau: Sie haben sowohl Filme als auch Serien gedreht, in denen Sie eine Rolle über einen längeren Zeitraum spielen konnten. Was taugt Ihnen mehr?

Ströbel: Ich finde, das kommt aufs Format an. In einer Serie oder Reihe hat man natürlich viele Möglichkeiten, eine Figur zu entwickeln, aber ich finde, das steckt hier in Deutschland noch sehr in den Kinderschuhen. Es gibt momentan keine Serie, die kontinuierlich über Jahre hinweg eine Figur entwickelt und sie "durch den Fleischwolf dreht", wie das bei amerikanischen Serien wie "Breaking Bad" oder "Californication" der Fall ist. Aber seit man sich hier an amerikanische Serien gewöhnt hat, entwickelt sich auch das Sehverhalten der Zuschauer in eine andere Richtung. Wo sie früher immer abgeschlossene Kapitel erwartet haben, kann man jetzt verstärkt in die horizontale Entwicklung gehen.

teleschau: Verfolgen Sie auch die VoD-Hochglanzproduktionen von Netflix und Co.?

Ströbel: Ich finde, man kann das mittlerweile kaum noch verfolgen. Das ist so viel, die Zeit habe ich gar nicht. Ich habe ja Familie, und eigentlich lese ich lieber. Ich gucke wahnsinnig gerne Serien, aber sich da noch zurechtzufinden ... Prinzipiell begrüße ich es extrem, dass sich im Fernsehen etwas verändert. Diese klassischen 20.15-Uhr-Sendungen brechen weg, es gibt die Mediathek oder andere Kanäle. Das Verhalten der Leute ändert sich. Das ist ein großer Umbruch, da gab es aber auch große Not bei uns Künstlern, das wird jetzt hoffentlich besser. Ich finde es auch nicht gut, wenn deutsche Serien versuchen, das Amerikanische zu kopieren. Man sollte auch einfach mal nur "machen".

teleschau: Was sind Ihrer Meinung nach die großen Stärken des deutschen Fernsehens?

Ströbel: Die Krimis sind ein ganz großes Pfund, und eben auch heimatverbundene Formate. Das schätze ich so extrem an den "Bergrettern", dass wir in Zeiten, in denen alles unsicher und losgelöst ist, einen ganz klaren Fokus haben auf einen Ort. In der Serie versuchen wir, dem Berg Menschen zu entreißen und sie zu retten, und das auf höchst unterschiedliche Art und Weise. Ich glaube, dass man sich wirklich auf deutsche Stoffe konzentrieren muss, denn wir haben alles da: gute Leute, tolle Schauspieler, gute Drehbuchautoren.

teleschau: Auf Facebook posten Sie gerne lustige Videos und Fotos vom "Bergretter"-Set. Geht es da immer so gut gelaunt zu?

Ströbel: Ja, es ist sehr witzig. Wir haben ein ganz tolles Team, in dem alle unglaublich hart arbeiten. Ich glaube, es gibt kaum einen härteren Dreh, was die Bedingungen angeht. Das Format wird oft ein bisschen stiefmütterlich behandelt, was ich ungerecht finde. Es ist ein sehr starkes Format, und dafür kämpfe ich auch. Die Action braucht sich hinter nichts zu verstecken und auch die Emotionalität ist ähnlich stark wie beim "Tatort".

teleschau: Normalerweise leben Sie in Hamburg, für den Dreh waren Sie nun aber sieben Monate in der Steiermark. Als Ehemann und dreifacher Vater ist das sicher nicht einfach ...

Ströbel: Nein, aber das ist der Tribut, den man zahlen muss. Das ist mein Beruf, mein Leben. Meine Frau musste sich entscheiden, ob sie das mitmachen will, als wir zusammenkamen. Aber ich bin auch jemand, der, wenn er zu Hause ist, zu 100 Prozent Papa und Ehemann ist.

teleschau: Sie haben früher mal moniert, dass Sie eine ganze Weile keine so tollen Parts bekommen haben, weil viele dachten Sie würden zwar gut aussehen, könnten aber nicht spielen. Merken Sie das immer noch?

Ströbel: Das wird mich immer begleiten, aber vielleicht habe ich meinen "Frieden" damit gemacht. Ich habe meinem Aussehen viel zu verdanken, aber das kann eben auch ein Fluch sein, weil man gerade in Deutschland gerne abgestempelt wird. Es gibt immer wieder neue Herausforderungen. Im Ausland ist es ja ganz anders, da ist das gar kein Thema.

teleschau: Sie haben kritisiert, dass Kinder und Jugendliche heutzutage auch wegen Facebook & Co. immer mehr in der Öffentlichkeit stehen wollen - stellen Sie das auch bei Ihren Kindern fest?

Ströbel: Ja, das merke ich. Man denkt dann immer, dass man selber so altbacken wird, wie es die eigenen Eltern damals waren. Ich finde, das Internet ist ein extrem feiges Medium, wo alle mit Giftpfeilen um sich schießen. Ich empfinde es auch als ganz tolles Medium, das mir bei meinen Recherchen sehr hilft. Aber alles ist so oberflächlich, man liest nur noch die Schlagzeilen. Ich kaufe mir lieber acht Zeitungen oder Magazine am Kiosk, und das lese ich und bezahle Geld dafür. Aber der Jugendliche von heute ist dazu nicht mehr bereit, und das ist alarmierend. Denn es kostet Geld, Reportagen zu bezahlen, Fotografen und Journalisten, die ihre Sache anständig machen.

teleschau: Sie wollen ein Vorbild für Ihre Kinder sein - wie sieht das bei Ihnen aus?

Ströbel: Ich versuche, so zu sein, wie ich bin. Man darf sich nicht verbiegen oder von äußeren Einflüssen lenken lassen.

Quelle: teleschau - der mediendienst