Peter Illmann

Peter Illmann





"In den 80-ern war es leichter"

Peter Illmann (56) hat das deutsche Musikfernsehen geprägt. Mit quietschbunten Klamotten und Dauerwelle moderierte er Mitte der 1980er-Jahre die legendäre Musiksendung "Formel Eins". Lange bevor die privaten Sender MTV und VIVA den Markt an sich rissen, bestimmte er, was im TV an Musik zu sehen und zu hören war. Nach zuletzt zwei "Formel Eins"-Comeback-Versuchen ist Illmann nun erneut zurück im Geschehen: "Formel Eins - Die 90er" (ab Donnerstag, 15. Oktober, 20.15 Uhr, RTLNitro) zeigt den Kult-Moderator in seiner einst gewohnten Szenerie. Ein Gespräch über eine andere Zeit und Welt, Nostalgiegefühle, Vor- und Nachteile der Gegenwart und den Umgang mit Ruhm.

teleschau: Peter Illmann, Sie haben einmal gesagt, in den 1980er-Jahren wäre die Welt ein bisschen einfacher zu verstehen gewesen. Haben Sie dafür Beispiele?

Peter Illmann: Das fängt schon an beim damals natürlich noch nicht vorhandenen Internet. Damit haben heute vor allem ältere Menschen doch so ihre Schwierigkeiten, und eigentlich wissen alle nicht so wirklich: Was ist online sicher und was nicht?

teleschau: Das Internet ist vor allem ein Fluch der Zeit?

Illmann: Nein, durch das Internet gibt es natürlich auch neue Möglichkeiten, die ich persönlich nicht mehr missen möchte.

teleschau: Was war sonst noch leichter in den 80-ern?

Illmann: Zum Beispiel die Politik.

teleschau: Inwiefern?

Illmann: Es gab doch eigentlich nur die Guten und die Bösen - und jeder wusste, wen er welcher Gruppe zuordnen musste. Klar, es gab auch damals Terroristen - aber all das konnte man sich doch viel schneller erklären als etwa einen heutigen Nah-Ost-Konflikt.

teleschau: Was ist mit dem damaligen und dem heutigen TV-Unterhaltungsprogramm?

Illmann: Es war in den 80-ern schon mal leichter, sich zwischen drei Programmen zu entscheiden als zwischen 198 Sendern wie heute. Diese enorme Vielfalt ist aktuell natürlich ein großer Fortschritt, sorgt aber auch für eine gewisse Desorientierung.

teleschau: War Ihre persönliche Welt in den 80-ern auch eine einfachere?

Illmann: Zumindest in bestimmten Dingen. Wenn man damals nicht erreichbar sein wollte, war das ja überhaupt kein Problem. Heute ist es für viele schon schlimm, wenn eingegangene E-Mails nach fünf Minuten noch nicht beantwortet werden. Insgesamt überwiegen für mich aber die Vorteile von heute. Ich bin froh über alles, was mir die Gegenwart gibt.

teleschau: Bleiben wir dennoch kurz in der Vergangenheit: Mitte der 80-er begann für Sie eine spannende Zeit: Sie kamen gerade vom Radio zum Fernsehen, machten Karriere. Haben Sie den Erfolg auch ordentlich ausgelebt? Waren Sie sehr wild in den 80-ern?

Illmann: Nein, ich war nicht besonders wild. Ich habe damals das gemacht, was ich heute noch am liebsten mache, nämlich Reisen. Dafür habe ich damals schon das meiste Geld ausgegeben. Was das Weggehen in den 80-ern betrifft, war ich auch gar nicht so sehr dabei. Das lag vor allem an meinem wachsenden Bekanntheitsgrad. Wenn man ausgeht und erkannt wird, ist das zwar ganz schön, auf der anderen Seite aber auch ein wenig anstrengend, weil man nicht mehr so privat sein kann. Ich habe mich deshalb öfter zurückgezogen.

teleschau: Und wenn Sie doch mal weggingen: Eher Pop oder Rock?

Illmann: Ich hatte zwar eine größere Vorliebe für elektronische Geschichten als für harte Gitarren, ich bin aber nicht rumgelaufen wie ein typischer Popper.

teleschau: Was war denn Ihre größte Modesünde?

Illmann: Manchmal war ich ein bisschen zu bunt (lacht). Ich mag zwar Farben, auch heute noch, aber ich würde deshalb nicht mehr quietschgelbe Hosen und genauso knallige rote Hemden dazu anziehen. Damals hat mir das aber nun mal gefallen, und ich schäme mich nicht dafür.

teleschau: Ihre damalige Maskenbildnerin scherzt heute noch gerne über Ihre Dauerwelle ...

Illmann: Dabei war es für sie eigentlich total praktisch: kurz waschen, föhnen, fertig. Meine Frisur war sehr leicht zu handhaben. Für die damalige Zeit eine gute Wahl.

teleschau: Der damalige Bavaria-Intendant prophezeite Ihnen aufgrund Ihres Aussehen und Ihrer Art schnell eine große Karriere, die mit der "Formel Eins" starten sollte. Haben Sie auch sofort daran geglaubt: dass Sie ganz groß rauskommen würden?

Illmann: Nein, erst nach der zweiten, dritten Sendung. Moderator war nicht gerade mein Traumberuf. Eine steile Karriere damit zu starten, hatte ich nicht im Sinn.

teleschau: Genau dazu kam es aber. Und zwar nicht nur bei der "Formel Eins" in der ARD.

Illmann: Auch beim ZDF, das mich dann sehr bald geholt hat. Mit meinem plötzlichen Wechsel habe ich die "Formel Eins"-Macher auch ein wenig vor den Kopf gestoßen. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätte ich das wahrscheinlich noch zehn Jahre machen können.

teleschau: Bis MTV und VIVA den Markt übernahmen.

Illmann: Genau. Durch die privaten Musiksender wurden unsere Quoten schlechter, das Geld knapper. Irgendwann war es ganz vorbei - bis jetzt. Heute sind ja schon wieder die Musiksendungen gefragt, die wir damals gemacht haben, und eben nicht mehr MTV und VIVA.

teleschau: Warum eigentlich?

Illmann: Wir haben in den vergangenen Jahren ja schon zwei neue Staffeln "Formel Eins" produziert, die sich um die 80-er drehten. Jetzt geht es in der dritten neuen Staffel um die 90-er. Was wir machen, sind nicht nur die Videos von damals zu zeigen, sondern auch die Auftritte im Studio, die ja teils schon sehr speziell und unterhaltsam waren.

teleschau: Für Sie eine reine Nostalgieveranstaltung?

Illmann: Ich empfinde schon so eine Art Wiedersehensfreude, ja. Das ist es auch, denke ich, was mit den Zuschauern passiert. Und außerdem erzähle ich ja auch, was die Stars von gestern heute so machen, und wir zeigen die aktuellen deutschen Charts - wie in alten "Formel Eins"-Zeiten.

teleschau: Stellen Sie sich vor, Sie könnten in der Zeit zurückreisen. Würden Sie lieber noch mal die 80er- oder die 90er-Jahre erleben?

Illmann: Das kann ich gar nicht beantworten. Es gab in beiden Jahrzehnten Gutes zu erleben. Musikalisch gesehen gab es in den 90-ern natürlich weniger Bands, die Musik aus sich heraus gemacht haben, und stattdessen schon mehr Produzenten und sogenannte Musikprojekte, man denke etwa an Snap. Die Leute vor der Kamera waren eigentlich austauschbar - und sind es bis heute, wenn man sich zum Beispiel mal die DJ-Kultur anschaut, die es jetzt gibt. Man kann fast sagen: Die 90-er legten den Grundstein für diese Art von Musik heute.

Quelle: teleschau - der mediendienst