Rettet Raffi!

Rettet Raffi!





Kinder-Krimi mit Goldhamster

Die Abenteuergeschichte rund um die Entführung Raffis bietet spannendes Kinderkino. Regisseur Arend Agthe ("Flussfahrt mit Huhn", 1984) bewegt sich damit genau auf Augenhöhe seiner jungen Zuschauer im Grundschulalter. Der putzige Goldhamster sorgt zudem für frischen Wind im Bereich der tierischen Darsteller, während der achtjährige Sammy (Nicolaus von der Recke) zwischen den Polen ängstlich und mutig pendelt und so eine ideale Identifikationsfigur für Gleichaltrige bietet.

Kann sein, dass ein neuer Hamster nur sieben Euro kosten würde. Doch für den achtjährigen Sammy gehört der kleine Raffi zur Familie. Er ist sein bester Freund, dem er sogar das Toreschießen beibrachte. Außerdem tröstet er ihn über die Abwesenheit seines Vaters hinweg. In Sammys Familie herrscht nämlich große Anspannung und Traurigkeit, denn der Papa hat sich als Arzt dazu entschieden, eine Weile in Afghanistan zu arbeiten. Das kleine Tierchen hat indes aber Probleme mit dem Herzen und muss operiert werden. Das kostet viel Geld, zu viel, wie Sammys Schwester, die 14-jährige Molly (Sophie Lindenberg), meint.

Bevor die eigentliche und wirklich spannende Abenteuerhandlung rund um das Verschwinden des Hamsters losgeht, baut "Rettet Raffi" eine unnötige Rahmenhandlung auf. Das ist sehr schade, denn die große Liebe eines Kindes zu dem einen Haustier - und keinem anderen - benötigt keine weitere Erklärung. Und somit beginnt der Film seine Stärken erst ab der unfreiwilligen Entführung des Nagers durch den Kriminellen Rocky (Albert Kitzl) auszuspielen. Dieser wollte eigentlich nur das Familienauto klauen, doch darin befindet sich der Hamsterkäfig samt Raffi. Seine Lebensgefährtin Miranda (Bettina Kupfer) findet Gefallen an dem süßen Tier und auch Rocky beginnt nach einiger Zeit zu erkennen, dass der Kleine für ihn auf der Suche nach seiner Schmuggelware noch sehr nützlich sein kann.

Natürlich setzt Sammy alle Hebel in Bewegung, um seinen Freund wieder zu finden. Dabei bringt er sich auch selbst in Gefahr, wie eine der emotionalsten Szenen auf der Elbe zeigt. Überhaupt erzeugen die optisch attraktiven und sehr passenden Drehorte Hamburg und der Hafen eine interessante Atmosphäre - wie gemacht für ein Abenteuer.

Realistisch und spannend überzeugen die Tierszenen, in denen Raffi auf der Flucht ist vor einer Katze oder mit den Tücken einer Regenrinne zu kämpfen hat. Rocky ist ganz sicher kein netter Kerl, doch seine Missgeschicke verleihen der Figur eine Lächerlichkeit, die ihn weniger gefährlich erscheinen lassen. Warum große Schwestern in Kinderfilmen meist als Mega-Zicken in Szene gesetzt werden, die ihre kleinen Brüder für Volltrottel halten, bleibt das Geheimnis der Drehbuchautoren. Glück für Sammy, dass Molly einen Freund hat, der sich zumindest wie ein netter älterer Bruder verhält und hilft.

Vieles in Arend Aghtes Film ist vorhersehbar und so manche Wendung wirkt sehr konstruiert, was aber die Zielgruppe kaum stören dürfte. Denn die Drehbuchvolten dienen vor allem der Spannung und das schätzen die kleinen Zuschauer, die vor allem mitfiebern wollen. Interessant wirkt die Musik, die sich mit einer eigenartigen, wenig melodiösen Sound-Dramatik gegen übliche Hörgewohnheiten stellt. Manchmal ein wenig zu aufdringlich, aber durchaus gelungen.

Quelle: teleschau - der mediendienst