The Last Witch Hunter

The Last Witch Hunter





Das Herz von Gut und Böse

Es gibt Jobs, die kennen keinen Feierabend: Polizist, Arzt - oder eben Hexenjäger wie Kaulder (Vin Diesel) einer ist. Der 800 Jahre alte Haudegen des Übersinnlichen mit dem Aussehen eines gut gepflegten Mittvierzigers ahnt, dass das Flugzeug, in dem er sitzt, nicht einfach in ein Gewitter geraten ist. Er behaucht das Kabinenfenster und gewahrt das Zeichen magisch wirkender Mächte. Die Ursache ist eine Lappalie: Ein Teenager hat okkulte Ritualgegenstände unsachgemäß aufbewahrt. Meist verlangt Kaulders Job jedoch, nichts Geringeres als den Weltuntergang abzuwenden. Schließlich will "The Last Witch Hunter" jede Sekunde ein in Metamorphosen schwelgendes Fantasy- und Grusel-Spektakel sein.

Schauplatz ist deshalb nicht nur das heutige New York, sondern auch eine apokalyptische Zukunft und eine archaische Vergangenheit. In diese verweist Kaulders Fehde mit der modrigen Hexenkönigin (Julie Engelbrecht). Einst hat sie alle seine Kampfgefährten ausgelöscht und ihm auch Frau und Tochter geraubt. Nur er blieb am Leben - wurde aber mit dem Fluch belegt, nicht sterben zu können.

Im Dienst eines alten Ordens ficht Kaulder gegen die Hexenkönigin als Herrscherin des Bösen. Sein einziger Halt ist ein alter Pater, genannt der 36. Dolan (Michael Caine), der nach seinem plötzlich Tod durch den 37. Dolan (Elijah Wood) ersetzt wird. Doch Kaulder stellt verblüfft fest, dass Nr. 36 gar nicht tot ist, sondern lediglich verflucht. Der erbarmungslose Kampf mit Belial (Ólafur Darri Ólafsson), der ihn in der Feuersbrunst einer Bar umkommen lassen will, bringt Kaulder auf die richtige Spur.

Dank Barbesitzerin und "Traumwandlerin" Chloe (Rose Leslie) gelangt Kaulder zurück in die Vergangenheit. So erfährt er, dass die Hexenkönigin ihr gestohlenes Herz sucht. Um sie daran zu hindern, greift Kaulder tief in die Waffenkammer und holt sein Wunderschwert hervor. Doch was ist mit Chloe, mit der ihn schon ein zartes romantisches Band verknüpft? Kann er ihr vertrauen? Ist sie eine gute oder eine böse Hexe?

"The Last Witch Hunter" reißt den Zuschauer in einen totalen Wirbel der Transzendenz. Die Grenzen der Wirklichkeit fallen, die Fronten des Spirituellen schießen hoch. Fliegen kriechen zu Spionagezwecken durch die Haut des verfluchten Priesters. Kaulders Faust holt nach Belial aus und knallt gegen splitterndes, aber letztlich unerschütterliches Glas. Minispinnen aus Metall beleben gedärmartige Riesenspinnen. New York überwuchert unter dem Fliegenschwarm des Dämonischen endzeitlich mit Gras.

Drei Autoren und hunderte, wenn nicht tausende Trickexperten bastelten an dieser Mythologie der permanenten Verwandlungen - auf dass ein Franchise daraus ihr gedeihen möge. "The Witch Hunter 2" ist bereits in der Entwicklung. Mit Rose Leslie existiert gar ein positives Gegenbild zum negativen Hexenklischee. Der in Motor-Action und Science-Fiction markig-machohaft posierende Vin Diesel muss sich in seinem neuen Genre-Terrain sichtlich daran gewöhnen, teilweise von einer Frau abhängig zu sein.

Auch die Erzählung kommt nicht unbedingt hinterher. Im finalen Drittel geht verloren, worum es eigentlich geht: Wo steckt denn jetzt nun das Herz der Hexenkönigin? Wo ist es verborgen gewesen, wie gelangt es wieder zu ihr? Hat nur ihr schrilles Gefasel durch parasitär besetzte Mittelsmänner davon abgelenkt - oder fehlt dem Film wirklich ein ganzes Stück? Dabei scheint das Herz höchst fortsetzungstauglich für beide Kontrahenten gleichermaßen zu schlagen, für das Gute wie das Böse.

Quelle: teleschau - der mediendienst