American Ultra

American Ultra





Kiffende Killermaschine

Ist das ernst gemeint oder kann das weg? So richtig schlau wird man nicht aus "American Ultra": Ein ewig zugedröhnter Slacker entpuppt sich als Superagent und zerlegt mit seiner Freundin in Notwehr eine US-Kleinstadt. Eigentlich eine nette, schrullige Idee. Doch ist der Film von Nima Nourizadeh ("Project X") für eine Kifferkomödie nicht lustig genug, für einen echten Agenten-Actionfilm fehlt hingegen die Ernsthaftigkeit. Die Hauptdarsteller Jesse Eisenberg ("The Social Network") und Kristen Stewart ("Twilight"-Saga) müssen sich wohl oder übel durch ein Niemandsland kämpfen - in der einen Hand einen Joint, in der anderen eine Knarre. Der ganz große Wurf mag "American Ultra" nicht sein, ist aber immerhin weitgehend kurzweilig.

Das Drehbuch stammt aus der Feder von Max Landis, der in dem erfrischenden Genre-Mix "Chronicle" (2012) stinknormale Teenager zu Superhelden machte. Auch bei "American Ultra" versuchte er zusammenzubringen, was nicht zusammen gehört: nämlich Agentenaction aus der "Bourne"-Reihe mit den Slacker-Filmen der 90er-Jahre wie "Clerks - Die Ladenhüter".

Wie Jason Bourne ist auch Mike (Eisenberg) ein geheimes CIA-Experiment -nur weiß das der antriebslose Kiffer zunächst nicht. Er hängt in einem Provinznest in West Virginia entweder als Aushilfe in einem kleinen Lebensmittelladen oder mit seiner Freundin Phoebe (Stewart) auf der Couch herum: Die beiden kiffen, vögeln und tun ansonsten nicht viel. Nur einmal wollen sie zu einer Reise nach Hawaii aufbrechen - aber daraus wird nichts, weil Mike unter Flugangst leidet.

Was Mike, der in seiner Freizeit an einem Superaffen-Comic arbeitet, nicht weiß: Diese Flugangst ist ein Sicherungsmechanismus, der ihn an seinen Heimatort fesselt. Denn Mike ist - auch das weiß er nicht - eine tickende Zeitbombe: Die CIA hat ihn irgendwann in einem geheimen Experiment zu einer Killermaschine geformt und dann sein Gedächtnis gelöscht. Seine einstige Ausbilderin (Connie Britton) aktiviert Mikes verborgene Fähigkeiten, als ihn ein ehrgeiziger Agent (Topher Grace) eliminieren will.

Das beschauliche Leben ist mit einem Schlag vorbei: Auf der Flucht vor wildgewordenen CIA-Agenten verwüsten Mike und Phoebe in aller Gründlichkeit die kleine Stadt. Es ist durchaus unterhaltsam, dem trägen Mike dabei zuzusehen, wie er mit seinen gerade entdeckten Fähigkeiten umgeht. Der liebenswerte Trottel weiß nicht, wie ihm geschieht: Er kann drei Angreifer mit einem Suppenlöffel töten! Während sich Mike noch verwundert die Augen reibt, ist Phoebe überhaupt nicht überrascht und sorgt dafür, dass er hin und wieder klar sehen kann.

Witzig ist es nur bedingt, was Regisseur Nima Nourizadeh auf die Leinwand bringt. Dafür umso blutiger. "American Ultra" nimmt sich mit teilweise an Zynismus grenzender Heftigkeit recht ernst. Auch wenn es immer wieder ein paar heitere Momente gibt: Als Parodie taugt die Kifferposse nicht. Eher schon als bittere Abrechnung mit den Methoden selbstherrlicher Geheimdienste.

Quelle: teleschau - der mediendienst