Picknick mit Bären

Picknick mit Bären





Seniorensport am Rande des Abgrunds

Da sag mal einer, es gäbe keine Rollen mehr für ältere Schauspieler. Der auf Komödien spezialisierte amerikanische Film- und TV-Regisseur Ken Kwapis inszenierte mit Robert Redford und Nick Nolte ein witziges Buddymovie mit Niveau. In "Picknick mit Bären" wollen zwei ungleiche Schulfreunde, die sich aus den Augen verloren haben, den gefährlichen Appalachian-Trail bezwingen. Eine Story, die auf den Memoiren des Bestseller-Reiseschriftstellers Bill Bryson beruht.

Als Schriftsteller könne man nicht einfach in den Ruhestand gehen, da ist sich Bill Bryson (Robert Redford) sicher: "Sie trinken sich zu Tode oder jagen sich eine Kugel in den Kopf." Da keine dieser Optionen für den älteren Herrn in Frage zu kommen scheint, beschließt er nochmal auf jung zu machen. Er will einen der schwierigsten Fernwanderwege der Welt bezwingen. Seine Frau (Emma Thompson) recherchiert die Gefahren des 3.500 Kilometer langen Appalachian-Trail: Von Bären über Mörder bis zu gefährlich steilem Gelände ist alles dabei. Unter einer Bedingung erklärt sie sich bereit, ihn gehen zu lassen: Er soll nicht allein wandern.

Die Suche nach einem Mitwanderer führt zu einer unfreiwilligen Kontaktaufnahme mit Katz (nicht wiederzuerkennen: Nick Nolte), einem alten Schulfreund, den Bill aus den Augen verloren hat. Als Katz bei ihm auftaucht, weiß man auch, wieso sie sich entfremdet haben. Zu dick, zu unfit, zu gezeichnet vom Alkohol - Katz sieht man an, dass er in seinem Leben mit seinem Körper nicht gut umgegangen ist. Zudem ist er laut und ungehobelt. Man kann sagen, er ist das Gegenteil des zielstrebigen, disziplinierten Bill, jenem Gentleman in Funktionskleidung.

Apropos Ausrüstung: Die neue Materialschlacht beim Wandern - Kniebundhose war gestern - bietet die richtige Grundlage für jede Menge Witze. Ebenso wie der bedenkliche Fitnesszustand der beiden sowie die Menschen, die auch auf dem Trail unterwegs sind. In Zeiten, in denen Extremsportveranstaltungen wie "Iron Man" Massenzulauf haben, steht das Naturerlebnis hinter dem Aspekt der sportlichen Herausforderung. Da können unsere alten Herren nur staunen wie leichtfüßig die Jungen unterwegs sind.

Manchmal müssen die beiden aber auch selbst die Beine in die Hand nehmen - beispielsweise um eine allein wandernde weibliche Nervensäge mit einem üblen Trick loszuwerden. In diesen Momenten funktioniert der Film sehr gut und die als Team zusammengewachsenen Männer bereiten dem Zuschauer viel Freude. In anderen Szenen wirken sie dagegen befremdlich, zum Beispiel wenn Bill wieder einmal den Oberlehrer herauskehrt: ("Bücher sind TV für schlaue Leute") oder der Waldschrat Katz mit einer fülligen Dame in Flirtkontakt tritt.

Dankenswerterweise lässt der Regisseur seine Helden nicht hochtrabend über die Welt, das Gestern und Heute philosophieren, sondern widmet sich neben den Tücken eines solchen Trips vor allem dem Thema Freundschaft. Die Lust auf Abenteuer statt Langeweile im Alter hat die älteren Herren zusammengebracht. Mitten im Wald finden sie heraus, was Freundschaft eigentlich bedeutet, ob sie wieder mehr als eine Zweckgemeinschaft füreinander sein wollen und können. Sie dabei zu begleiten lohnt sich: Zum einen wegen des bis auf wenige Ausnahmen gelungenen Humors, zum anderen aufgrund zweier Schauspieler, die ihre Figuren am Ende doch noch zu Figuren entwickeln, die man gerne kennen gelernt hat.

Quelle: teleschau - der mediendienst