Crimson Peak

Crimson Peak





Rot wie Blut

"Hüte Dich vor Crimson Peak" - Edith Cushing ist zehn Jahre alt, als sie Besuch vom Geist ihrer toten Mutter erhält. Aber erst als es zu spät ist, versteht sie, inzwischen zur jungen Frau herangewachsen, die Bedeutung der Warnung. Da hat sie Guillermo Del Toro längst dorthin verfrachtet, wo sie niemals hätte sein sollen. "Crimson Peak" heißt der neue Film des Kultregisseurs, der darin eine düstere Liebesgeschichte im Gewand eines gruseligen Gothic Movie erzählt, die leider außer schönen Bildern und schönen Menschen nicht viel zu bieten hat.

Nachdem Guillermo Del Toro ("Hellboy", "Pans Labyrinth", "Pacific Rim") mit der modernen Vampirsaga "The Strain" zuletzt einen Ausflug ins Seriengeschäft wagte, versucht er sich nun an einer klassischen Gothic Romance. In "Crimson Peak" wollte der Mexikaner märchenhafte Düsterheit mit einer melodramatischen Liebe verbinden, der Film sollte der englischsprachige Zwilling von "Pan's Labyrinth" werden. Doch "Crimson Peak" wirkt eher wie ein ungeliebtes Stiefkind.

Im Mittelpunkt der allzu leicht durchschaubaren Story steht die junge Edith (Mia Wasikowska): Die selbstbewusste Frau will Anfang des 20. Jahrhunderts im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ihren Durchbruch als Schriftstellerin schaffen. Nebenbei kümmert sie sich um das Wohlergehen ihres Vaters (Jim Beaver), eines erfolgreichen Geschäftsmannes. Auch den jungen englischen Adligen Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) hat es in die USA verschlagen: Er will Ediths Vater als Investor für eine Bergbauunternehmung gewinnen - blitzt aber ab. In der neuen Welt ist für alte Ideen kein Platz.

Immerhin gewinnt er das Herz der schönen Tochter, die in den Armen des charismatischen Beaus förmlich dahinschmilzt. Dass ihr Thomas schöne Augen macht und ihre literarischen Versuche über den grünen Klee lobt, reicht Edith völlig aus, um ihren Stolz an der Garderobe abzugeben. Ein gemeinsamer Walzer noch und die Widerspenstige ist endgültig gezähmt. Da ahnt man längst, dass Thomas, der auf Schritt und Tritt von seiner mysteriösen Schwester Lucille (Jessica Chastain) begleitet wird, nicht mit offenen Karten spielt und mit seinem Werben andere Ziele verfolgt, als die große Liebe zu finden.

Nach der mysteriösen Ermordung ihres Vaters ehelicht er Edith und nimmt sie mit auf sein Anwesen nach England: Weil Alderdale Hall auf einem Hügel aus blutrotem Lehm gebaut wurde, ist es gemeinhin als "Crimson Peak" bekannt. Dort lebt das junge Paar aber nicht allein. Die Warnung ihrer Mutter hat nichts genutzt, Edith wird nach und nach klar, warum der Besuch aus dem Jenseits einst so besorgt war.

Es ist eine Geistergeschichte, die Guillermo Del Toro erzählen will, eine Geschichte über Geister der Vergangenheit, die uns nicht loslassen und eine Geschichte über Geister der Zukunft, die über uns wachen. Schicht für Schicht arbeitet er sich zum Kern seiner Story vor, die weniger magisch ist, als man es vom Mexikaner kennt. Was sich da in den altehrwürdigen Gemäuern abspielt, ist weder gruselig noch fantasievoll, auch wenn Edith mit immer mehr Geistern Kontakt aufnimmt: Hauptdarstellerin Mia Wasikowska tapst ein wenig hilflos und blass durch den Film, der mit seinen stilvollen Kulissen und den blutroten Akzenten zwar wunderschön anzusehen ist, aber ansonsten vor allem durch gepflegte Langeweile auffällt.

Quelle: teleschau - der mediendienst