Alexandra Neldel

Alexandra Neldel





Privat keine Frau für die Mitte

Irgendwo hat man das alles schon mal gehört: Der Psychotherapeut hat selbst einen an der Waffel, manch begabter Schauspieler ist hochgradig schüchtern und die Hochzeitsplanerin? Nun, die ist in Alexandra Neldels neuer ARD-Reihe "Einfach Rosa", die erstmals am Freitag, 30.10., 20.15 Uhr, auf Sendung geht, bindungsscheu und vor allem hochzeitsphobisch. Zumindest wenn es um das eigene Leben geht. Alexandra Neldel stammt aus West-Berlin und arbeitete dort als Zahnarzthelferin. Von einer Casterin zufällig entdeckt stieg die heute 39-Jährige zu einem der größten Soap-Stars Deutschlands auf. "Verliebt in Berlin" machte sie 2005 zum TV-Superstar, der sich mit teilweise spektakulären Publikumserfolgen wie dem SAT.1-Film "Die Wanderhure" (2010) als Publikumsmagnet über die Jahre halten konnte. Ein Gespräch über Hochzeitsklischees und die Angst, im Mittelpunkt zu stehen, übers Älterwerden und den Luxus, sich keine Ziele zu setzen.

teleschau: Ist es heute noch der Traum junger Frauen, im klassisch-prächtigen Sinne Hochzeit zu feiern?

Alexandra Neldel: Ich glaube nicht, dass man pauschal sagen kann, wie Leute heute Hochzeit feiern wollen. Deshalb geht es in den vier Filmen, die wir bisher gedreht haben, auch um sehr unterschiedliche Menschen und Paare, die auch ganz unterschiedlich Hochzeit feiern wollen. Nur weil ich eine Hochzeitsplanerin spiele, heißt das nicht, dass alle unsere Hochzeiten "klassisch" ablaufen sollen.

teleschau: Es ist also nicht so, dass Sie über die Beschäftigung mit dem Thema einen Trend entdeckt haben, der da heißt: Die klassische Hochzeit ist wieder in!

Neldel: Nach dem Motto, dass alle unter 30 in weiß und mit 400 Gästen heiraten? Und je älter man ist, desto weniger klassisch wird es? - Nein, das glaube ich nicht. Aktuell steigt die Zahl der Hochzeiten wieder, habe ich in einer Statistik gelesen. Natürlich sind Hochzeiten immer etwas, über das sich im Film erzählen lässt. Weil da viele Gefühle hochkommen oder hineinprojiziert werden in diesen Tag. Ganz egal, wie die Beteiligten ihn sich vorstellen.

teleschau: Wäre denn Hochzeitsplanerin ein Beruf, der Sie interessieren würde?

Neldel: Nein, ich glaube nicht. Ich wäre nicht selbstlos genug für diesen Job. Man muss die eigenen Vorlieben und Ideen komplett hintenan stellen und quasi das aufsaugen, was das Brautpaar will. Das wäre eher nicht mein Ding. Ich wäre zudem nicht geduldig genug für Rosas Job.

teleschau: Wofür braucht man eigentlich eine Hochzeitsplanerin? Sollte man diesen sehr persönlichen Tag nicht lieber auch selbst planen?

Neldel: Dieser Tag mit all seinen Details ist sehr persönlich. Und weil man bei der Organisation der Feier nicht alles im Kopf behalten kann, gibt man das weiter an Hochzeitsplaner. Sie sorgen bestenfalls dafür, dass das Hochzeitspaar rundum umsorgt und wunschlos glücklich ist. So hat das Paar den Kopf frei, um sich ganz auf sich zu konzentrieren.

teleschau: Erinnern Sie sich an die schönste Hochzeit, auf der Sie bisher gewesen sind?

Neldel: Ach, jede Hochzeit hat etwas Schönes. Es ist einfach ein rührender Moment, dem man da beiwohnt. Ich finde, eine perfekte Hochzeitsfeier ist es immer dann, wenn das Paar richtig glücklich ist. Alles andere ist völlig nebensächlich.

teleschau: Warum muss der Hochzeitstag der schönste im Leben sein?

Neldel: Muss er nicht, ist er aber doch irgendwie automatisch. Und wenn nicht alles nach Plan läuft, ist es auch nicht so schlimm. Denn das macht eine Hochzeit doch erst aus.

teleschau: Wie würden Sie denn heiraten? Oder sagen Sie: Hochzeit, das ist nichts für mich?

Neldel: Ich glaube, ich bin eher für eine schlichtere Feier zu haben.

teleschau: Mögen Sie keine großen Feste?

Neldel: Ich feiere noch nicht mal meinen Geburtstag (lacht). Der findet immer zur Berlinale statt, und da gibt es sowieso lauter tolle Partys. Nein, ich bin nicht der Typ für große Feste. Ich finde es schön, wenn man Freunde zum Essen daheim hat und das richtig schön zelebriert.

teleschau: Kann es sein, dass Sie nicht gerne im Mittelpunkt stehen?

Neldel: Auch wenn es sich für eine Schauspielerin seltsam anhört: Ja, ich würde sagen, dass ich nicht gerne im Mittelpunkt stehe.

teleschau: Ist ja keine Schande. Unter Schauspielern gibt es klassische Rampensäue. Aber auch durchaus schüchterne Menschen ...

Neldel: Ich weiß nicht, ob es der Begriff schüchtern bei mir trifft. Ich treffe gerne Menschen und versuche auch, ihnen nahezukommen. Ich empfinde es aber als unschön, wenn alle meinetwegen gekommen sind. Anders ist es, wenn es um einen Film geht. Dann sehe ich den Film im Mittelpunkt, selbst wenn ich die Hauptrolle spiele. Normalerweise gehe ich nur zu Events und Preisverleihungen, wenn ich selbst in ein Projekt involviert bin. Ansonsten sieht man mich bei solchen Filmveranstaltungen nicht.

teleschau: Sie haben in der Vergangenheit Ihr Privatleben stets unter Verschluss gehalten. Hat das auch mit dem Unwillen zu tun, persönlich im Mittelpunkt zu stehen?

Neldel: Das mit dem Privatleben war nicht nur in der Vergangenheit so, sondern das wird auch so bleiben (lacht). Das bin einfach ich. Meinen Wunsch nach Öffentlichkeit lebe ich in meinen Rollen aus. Schauspiel ist mein Beruf. Der Rest ist meins und wird auch von mir beschützt.

teleschau: Sie spielen seit Beginn Ihrer Karriere entweder Komödien oder dramatische Rollen, die man ganz klar ins Unterhaltungsfach wegsortiert. Nervt Sie das?

Neldel: Ich habe durchaus dramatische Rollen gespielt. "Unschuldig" zum Beispiel. Auch in "Die Wanderhure" wurde ich vergewaltigt, ausgepeitscht und so weiter. Beides nicht unbedingt leichte Kost ...

teleschau: Aber es waren Formate, die den Zuschauer vor allem unterhalten sollten.

Neldel: Natürlich, so sehe ich mich auch. Als Schauspielerin ist es meine Aufgabe, Menschen zu unterhalten. Nach dieser Idee suche ich auch meine Drehbücher aus. Wenn ich merke, ein Stoff fesselt mich so, dass ich den Impuls habe, jetzt nicht zum Kühlschrank zu gehen, um mir was zu essen oder zu trinken zu holen, dann ist es ein Stoff, der mich bewegt oder - wenn Sie so wollen - mich unterhält. Dann will ich das gerne machen.

teleschau: Es gibt also nicht diese Sehnsucht, etwas anderes zu spielen, weil Sie sich als Künstlerin in einem neuen Zusammenhang zeigen wollen?

Neldel: Nein, ich habe diese unerfüllte Sehnsucht nicht. Natürlich versuche ich, immer wieder etwas Neues zu machen. Für das ZDF habe ich gerade einen dunklen Krimi gedreht: "Das Mädchen aus dem Moor". Das kommt wohl im Januar. Auch dieser Film ist wieder etwas völlig anderes. Vielleicht sieht man bei mir die Vielfalt der Rollen nicht so, wie sie tatsächlich ist. Aber ich habe tatsächlich schon viele unterschiedlich Sachen gespielt und bin sehr happy damit.

teleschau: Sie werden im kommenden Jahr 40 Jahre alt. Ändern sich damit auch Ihre Rollen?

Neldel: Bis jetzt merke ich noch nicht, dass die Rollen andere werden. Bisher war das immer ein schleichender Prozess. Vor sechs Jahren habe ich schon mal eine Mutter mit drei Kindern gespielt. Da habe dann eher ich drüber nachgedacht, ob das von der gesamten Konstellation der Figuren so überhaupt passt. Jetzt spiele ich Rosa, Ende 30 und kinderlos. Es gibt nicht jene eine Klischeefigur, die ich immer wieder spiele und von der ich nicht loskomme. Ich kann mich echt nicht beklagen.

teleschau: Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre?

Neldel: Wenn alles so bleibt, wie es ist, wäre das schon sehr schön.

teleschau: Haben Sie private Ziele für die neue Zeit ab 40?

Neldel: Ich bin kein Typ, der sich riesengroße Ziele setzt, aber träumen ist erlaubt. Hätte man mich als 16-jährige Zahnarzthelferin gefragt: "Wo willst du mal hin?", dann hätte ich sicher niemals gedacht, dass ich mit knapp 40 in Hamburg sitze und Interviews gebe zu meiner neuen ARD-Filmreihe, in der ich die Hauptrolle spiele.

Quelle: teleschau - der mediendienst