The BossHoss

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"Und dafür kriegen wir Geld? Geil!"

Spätestens seit "The Voice of Germany" kennt sie ein Millionenpublikum in Deutschland. Im Herbst 2011 teilten sich Alec Völkel alias Boss Burns und Sascha Vollmer alias Hoss Power zum ersten Mal einen Juryplatz in der Casting-Show. Geschickterweise platzierten The BossHoss zur gleichen Zeit ihre Platte "Liberty Action" in den Charts: In Lichtgeschwindigkeit schoss die Hit-Single "Don't Gimme That" in Deutschland auf Platz acht, in Österreich und Luxemburg sogar auf Platz eins. Vier Jahre später haben sie ihre Stühle bei "The Voice of Germany" abgegeben, doch Musik machen die Cowboys immer noch. Ihr mittlerweile neuntes Album "Dos Bros" erscheint am 25. September, es markiert zugleich das zehnjährige Bandjubiläum. Im Interview verrät Alec Völkel, wie es The BossHoss geschafft haben, sich und ihrem Sound trotz Image-Pflege im Fernsehen treu zu bleiben.

teleschau: Mit Ihrem letzten Album sind Sie, wie Sie selbst sagten, am Zenit angekommen. Wo befinden Sie sich dann jetzt?

Alec Völkel: Drüber! Wir versuchten einiges zumindest anders zu machen. Ich glaube, besser ist immer relativ.

teleschau: Das müssen Sie erklären!

Völkel: Wenn man jetzt sagt: Das Album ist besser als das letzte, ist das so, als würde man sagen, das davor war nicht so gut. Das finden wir aber nicht. Unsere Zielsetzung ist, sich immer zu verändern, weiterzuentwickeln, Songs zu schreiben, die irgendwie anders klingen. Deswegen sind wir für "Dos Bros" auch nach Nashville gefahren. Wir wollten mal raus, ein anderes Lebensgefühl bekommen und schauen, was wir da mitnehmen können.

teleschau: In den Charts und im Mainstream bedienen Sie einen bestimmten, eigenen Sound. Würden Sie den für den kommerziellen Erfolg auch verändern?

Völkel: Nö. Wir haben es geschafft, über neun Platten spannend zu bleiben. Wir bleiben nicht gleich - aber unique. Wenn du jetzt einen Sound bedienst, der in drei Jahren durch ist, bist du auch durch. Also entwickeln wir uns klar weiter. Aber wir müssen jetzt nicht die Synthesizer auspacken, nur weil es modern ist.

teleschau: Wenn es einen Punkt geben wird, an dem Sie feststellen, dass Sie Ihr Potenzial ausgeschöpft haben, würden Sie dann mit der Musik aufhören?

Völkel: Schwer zu beantworten, weil ich in der Phase gerade nicht stecke. Aber grundsätzlich haben wir Bock, Musik zu machen, und das bleibt auch so. Aber ich wage zu bezweifeln, dass das, was wir jetzt machen, noch jemand hören möchte, wenn wir Mitte 50 sind. Ich glaube, dann nimmt es uns keiner mehr ab. Ich will auch nicht als Oldie-Band enden. Gott bewahre mich davor! Deswegen machen wir jetzt noch ganz schnell zwei bis drei Platten, dann muss ich nicht mehr arbeiten (lacht). Allerdings: Als ich 25 war, dachte ich, mit 40 ist das Leben zu Ende. Jetzt bin ich 43 und denke mir, wieso steht Peter Maffay mit 65 noch auf der Bühne? Wahrscheinlich denke ich mir mit 65: "Alter, warum nicht, macht mir ja Spaß."

teleschau: Sie haben einmal gesagt, dass Sie bei keiner anderen Casting-Show mitmachen würden als bei "The Voice of Germany". Weswegen?

Völkel: Es ist ja immer das Gesamtpaket. Natürlich war das Format ein entscheidender Faktor. Ganz wichtig war aber auch, wer noch mit uns in der Jury sitzt. Wir hatten nicht das Gefühl, da sitzen kleine C-Promi-Nasen, die sich profilieren wollen. Es wurden Musiker ausgewählt, die alle hochqualifiziert sind, vor denen wir selbst hohen Respekt haben und bei denen wir dachten: "Oh krass, wir sitzen mit denen auf einer Bank." Dass man auf Augenhöhe war, hat die Chemie ausgemacht. Und auch, dass es von Senderseite immer gewünscht war, dass wir uns so geben, wie wir sind. Das war das Totschlag-Argument schlechthin, weil wir dachten: "Echt? Und dafür kriegen wir Geld? Geil!"

teleschau: Innerhalb der Jury neckten Sie sich gegenseitig ...

Völkel: ... Ja klar, das war ja auch das Konzept der Show. Wenn man "Mensch ärgere dich nicht" spielt, wer gönnt dem anderen schon den Sieg?

teleschau: Allgemein konnte man in diversen Shows und Radiosendungen bereits feststellen, dass Sie jeden Scherz mitmachen. Wo hört denn der Spaß bei Ihnen auf?

Völkel: Immer da, wo es verletzend wird. Humor macht das Leben leichter. Aber Spaß geht dann immer nur so weit, wie es auch für den anderen noch witzig ist.

teleschau: Denken Sie auch manchmal daran, wie es sich auf Ihr Image auswirken könnte, wenn Sie in der Öffentlichkeit scherzhaft bloßgestellt werden?

Völkel: Ach wo. Wir sind auch nur zwei Typen, die viel dafür tun, dass sie Spaß im Leben haben. Das Beste, was du machen kannst, ist: Nimm's mit Humor!

teleschau: Im Fernsehen ist es ein offenes Geheimnis, dass viel Show ist, sich Menschen verkaufen wollen und aus Image-Gründen unauthentisch sind. Wie haben Sie das erlebt?

Völkel: Ja, es gibt ganz furchtbar anstrengende Menschen. Jeder versucht, das Beste für sich herauszuholen, und das ist völlig okay. Das muss auch jeder für sich selber wissen. Aber damit identifizieren wir uns nicht. Deswegen suchen wir uns immer Sachen, die zu uns passen. Ich würde etwa nicht ins "Dschungelcamp" gehen. Niemals!

teleschau: War es für Sie schwer, authentisch zu bleiben, als Sie immer präsenter im Fernsehen wurden?

Völkel: Nein, alles andere können wir auch nicht. Und dann würde es auch anfangen, keinen Spaß mehr zu machen. Bei uns trifft der klassische Spruch zu: Hobby zum Beruf gemacht. Und wenn jemand sagen würde, ihr müsst das anders machen, würden wir sagen: "Nee, sorry, geht leider nicht." Da würden wir nicht mitmachen.

teleschau: Heißt das, Sie sind privat genauso Cowboy wie in der Öffentlichkeit?

Völkel: Ja, das ist schon alles eins. Natürlich gibt es eine weiche Abstufung zwischen Bühne und zu Hause "Tatort" gucken. Ich glaube, das, was uns ausmacht, ist, dass wir so sind, wie wir sind. Ansonsten wäre es auch zu anstrengend, weil dann geht man raus und denkt sich: "Puh, schon wieder eine Fassade überziehen." Natürlich will ich nach einer harten Woche auch das Wort "Cowboy" nicht mehr hören. Ich glaube, dass auch jeder Nationalspieler Bock hat, nach der WM die Fußballschuhe zwei Wochen in den Schrank zu legen.

teleschau: Xavier Naidoo hat nach "The Voice" das Fernsehen für sich entdeckt. Jetzt lief gerade die zweite Staffel von "Sing meinen Song". Können Sie sich vorstellen, auch wieder mehr im Fernsehen zu arbeiten?

Völkel: Na klar! Es macht schon Spaß. Wir können uns schon vorstellen, auch wieder Dinge im Fernsehen zu tun, bei denen wir nicht nur als Band auftreten. So etwas wie "The Voice". Oder Moderation. Also, wenn es mit Musik zu tun hat, sind wir immer dabei.

teleschau: Allgemein stellen Sie sich breit auf. Sie waren bei "The Voice", haben mittlerweile neun Platten veröffentlicht. Sie haben einen Echo bekommen, ein Bier herausgebracht und ein Kinderbuch geschrieben. Was fehlt jetzt noch?

Völkel: "Boss Hoss - Der Kinofilm", so was wär' doch geil! (lacht) Nein, ich habe gar nicht so große Ziele. Jetzt kommt die Platte raus, und wir wünschen uns ganz doll, dass sie erfolgreich wird. Ansonsten hoffe ich, dass alles so bleibt. Obwohl: Ich würde gerne mal so eine richtig internationale Tournee machen!

The BossHoss auf Tournee:

31.03.16, Nürnberg, Arena

01.04.16, Stuttgart, Schleyer-Halle

02.04.16, München, Zenith

08.04.16, Leipzig, Arena

09.04.16, Frankfurt, Jahrhunderthalle

10.04.16, Berlin, Max-Schmeling-Halle

15.04.16, Hannover, Swiss Life Hall

16.04.16, Hamburg, Sporthalle

17.04.16, Oberhausen, König-Pilsener-Arena

22.04.16, CH- Winterthur, Eishalle Deutweg

23.04.16, AT- Wien, Stadthalle

Quelle: teleschau - der mediendienst