Landraub

Landraub





Die Ausbeutung im Supermarktregal

Ackerbau, Viehzucht, Bauernleben: Landwirtschaft ist keineswegs ein vergangenes Phänomen. Vor allem in der Dritten Welt bewirtschaften noch immer Millionen Menschen ihre Felder. Sie ernähren sich davon, leben vom verkauften Ertrag. Jedoch: Weltweit werden Kleinbauern in großem Stil verdrängt. Der Kapitalismus macht auch vor den entlegendsten Gegenden der Welt keinen Halt, wie Kurt Langbeins informative Dokumentation "Landraub" zeigt. Großkonzerne kaufen riesige Flächen in Afrika und Südostasien, um dort unter widrigen Arbeitsbedingungen billig für den Nahrungsmarkt der westlichen Welt produzieren zu lassen. Eindrücklich zeigt die Doku, wie Ausbeutung und Klassengesellschaft heutzutage funktionieren - und lässt dabei trotz eindeutiger Positionierung klugerweise alle Protagonisten zu Wort kommen.

"Landraub" - das funktionierte bereits im Europa des 19. Jahrhunderts ähnlich: Regional wirtschaftenden Bauern wurde ihr Land einfach weggenommen, wehren konnten sie sich nur in den seltensten Fällen. Schließlich arbeiteten Staat und Kapital eng zusammen, wenn es darum ging, großen Kapitalbesitzern einen "legalen" Besitz riesiger Landgüter zu ermöglichen. Dass diese eigentlich seit Jahrhunderten den Bewohnern der umliegenden Dörfer und Höfe gehörten, war herzlich egal. Die Folge: Kleinbauern flohen in Massen in die industrialisierten Großstädte, um dort als Proletariat in den Fabriken zu verelenden.

Nicht anders funktioniert es heute in Äthiopien, in Indonesien, aber auch in Rumänien. Vor allem in Folge der Finanzkrise kaufen die großen Player der Agrarindustrie Millionen Hektar billigstes Land, das sie schließlich einebnen und im großen Stil mit Dünger und Chemikalien bearbeiten. Vertrieben werden dabei die Bauern und ihre Familien in der Umgebung. Es wird ihnen keine Wahl gelassen, als ihre Lebensgrundlage aufzugeben. Denn während die Investoren auf den großen Profit aus sind, wittern auch die Regierungen der jeweiligen Staaten ein gutes Geschäft. Auf der Strecke bleiben die, die keine Stimme haben.

Der österreichische Regisseur Kurt Langbein bebildert die moderne Form des weltweiten Landraubs, im Film auch als "neuer Kolonialismus" bezeichnet, eindrucksvoll mit den Geschichten der Opfer, die absurderweise bisweilen als ausgebeutete Arbeiter für jene Investoren schuften, die ihnen zuvor noch ihr Land nahmen. Neben kritischen Experten zum Thema lässt Langbein aber ebenso die Konzerne selbst zu Wort kommen. Diese sehen sich als Retter brachliegenden, nicht wirtschaftlich bearbeiteten Landes, als Sicherer der weltweiten Nahrungsversorgung und Förderer der Wirtschaft der Entwicklungsländer.

Auch wenn der Film andeutet, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse oft komplexer sind, dass einige Kleinbauern für den Verkauf des Landes gar dankbar zu sein schienen, bezieht "Landraub" doch klar Stellung für die Interessen der regionalen Bauern und Dorfbewohner. Bisweilen hat das einen etwas romantisierenden Touch, so werden vor allem die Manager der Konzerne unangenehm stereotyp als kaltherzige Anzugträger von den "ehrlichen" armen Leuten vom Land abgegrenzt. Doch thematisiert Langbein mit "Landraub" einen wesentlichen Aspekt des globalen Kapitalismus, über den man viel zu wenig weiß. Schließlich befindet sich alles, was wir davon mitbekommen, schmackhaft sortiert im Supermarkt-Regal.

Quelle: teleschau - der mediendienst