Pan

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Smells like Kidspirit

Peter Pan wurde von James Matthew Barrie erstmals 1902 in einem Erwachsenenbuch erwähnt. Im Mittelpunkt stand der ewig junge Spitzbub erst etwas später in einem Bühnenstück. Der heute bekannteste Roman über den fliegenden Säbelschwinger, Barries "Peter and Wendy", erschien schließlich 1911. Und auch wenn die Geschichten um den Jungen, der niemals erwachsen wird, multimedial und tausendfach für Kinder aufbereitet wurden - so richtig kindgerecht war die Vorlage nie. Der schottische Autor erzählt von Kämpfen zwischen den im tiefsten Herzen einsamen und mutterlosen Verlorenen Jungs, wilden Indianern und blutrünstigen Piraten. Sein Ton ist zwar meist fröhlich und einlullend, um Themen wie Verlust, Trauer und Tod ist er aber nicht verlegen. "Pan", die neueste Adaption des Klassikers, scheut sich vor einer buchnahen Interpretation. Bei Joe Wrights Kiddie-Abenteuer ist ohnehin alles ein wenig anders.

Da wäre etwa die im hohen Maße verschobene Figurenaufstellung: Todfeind von Peter Pan (Levi Miller) ist nicht etwa Captain James Hook, sondern Blackbeard (Hugh Jackman). Warum die Wahl eines neuen Antipoden? Im Zeitalter, in dem einem Film mindestens zwei Sequels folgen müssen, will man sich den unerbittliche Kampf zwischen den zwei Buch-Protagonisten natürlich noch aufsparen. "Pan" soll so etwas wie die Vorgeschichte sein - zu dem, was bei Erfolg des Films natürlich noch folgen wird.

So ist James Hook nicht etwa ein abartiges Scheusal von Pirat, sondern ein nett dreinschauender und dem weiblichen Publikum zuzwinkender Amerikaner, mit Cowboyhut und letztendlich großem Herzen. Mit Darsteller Garrett Hedlund hat man dafür einen Sonnyboy vor den Herrn gefunden. Hook unterstützt Peter und macht Tiger Lilly (Rooney Mara) schöne Augen. Bevor das alles aber geschehen kann, muss der kleine Peter erst einmal ins Nimmerland verfrachtet werden. Denn zu Beginn des Filmes befindet er sich noch im vom Nazi-Bombenterror bedrohten London in einem Waisenhaus.

Schon dort keinem Abenteuer scheu, bringt er die despotische Mutter Barnabas (eine wahre Freude: Kathy Burke) immer wieder gegen sich auf. Die Mischung aus Dickens-Elend und Lindgren-Lebensfreude funktioniert fantastisch. So vielschichtig bleibt es in der Folge leider nicht. Denn ab dem Moment, als die Piraten mit ihrem Schiff über dem Waisenhaus Halt machen, die Kinder aus ihren Betten stehlen, wechselt das Schauspiel eher zu einem "Fluch der Karibik"-Abklatsch, perfekt choreografiert zwar und mit immer wieder dezentem Witz versehen. Die ewige Hetzerei ist auf Dauer aber eher anstrengend als unterhaltsam.

Entführt nach Nimmerland - und aberwitzig begrüßt und von einem von tausenden Stimmen gegrölten "Smells Like Teen Spirit" (Nirvana) - sollen die Kinder in einer Mine arbeiten, nach Feenstaub wird gehackt und gehämmert. Blackbeard, der später auch noch "Blitzkrieg Bop" der Ramones anstimmen lässt, benötigt diesen für seine tägliche Verjüngungskur. Doch die Vorräte gehen zur Neige. Dass mit Peter offensichtlich sein Widersacher aus der mythischen Vorhersage auftaucht, bringt den zwischen Gram und Freundlichkeit ständig umschaltenden Fiesling endgültig aus der Fassung. Peter muss es sein, beginnt er doch zu fliegen, als er am zweiten Tag wegen seiner vermeintlichen Aufmüpfigkeit bereits von der Planke gehen muss.

Mit seinem bisherigen Schaffen, sei es "Abbite", "Stolz & Vorurteil" oder "Wer ist Hanna?", hat sich Wright nicht unbedingt einen Namen als Kinderfilm-Experte gemacht. Sein Schreiber Jason Fuchs ("Ice Age 4 - Voll verschoben", 2012) bringt da etwas mehr Erfahrung mit. Und seinem Stil folgt "Pan" dann schließlich auch. Was schade ist, denn gute Kinderfilmadaptionen zum Stoff gibt es bereits - etwa "Hook" (1991) mit Dustin Hoffman und Robin Williams. An eine "erwachsene" Version des Stoffes scheint sich keiner ranzutrauen. So muss man "Pan" nehmen, wie er ist: Als einen knallbunten Kinderfilm, dem vielmehr ein Fahrgeschäft als ein interpretationswürdiger Roman vorliegen könnte.

Quelle: teleschau - der mediendienst