Der Marsianer - Rettet Mark Watney

Der Marsianer - Rettet Mark Watney





MacGyver im Weltall

Wirklich abwegig ist die Vorstellung eines auf dem Mars gestrandeten Astronauten nicht. Immerhin plant die NASA, in weniger als zehn Jahren eine bemannte Mission zum Roten Planeten zu schicken. Dass ein Mann wie Mark Watney (Matt Damon) aufgrund widriger Umstände dort zurückbleiben könnte, ist zumindest denkbar. Genau das macht Ridley Scotts neuen Film so interessant: Er zeigt Ereignisse, die sich in der Zukunft durchaus so zutragen können. Natürlich ist die Bestsellerverfilmung "Der Marsianer - Rettet Mark Watney" trotzdem Science-Fiction und Altmeister Scott wieder dort angekommen, wo er sich am wohlsten fühlt. Im Weltall zeigt der mittlerweile 77-jährige Brite, dass er immer noch ein Mann mit gutem Gespür für die Zukunft ist und beweist erstaunlich viel Humor.

Ein Mann, ein Planet: Mark Watney gehört zu den ersten Menschen, die von der NASA auf den Mars geschickt werden. Nach einem schweren Sandsturm glaubt seine Crew, dass Watney tot sei und verlässt den Planeten. Doch der Botaniker und Ingenieur ist quicklebendig und will es auch bleiben. Notgedrungen und mit viel Erfindungsgeist kolonialisiert Watney den Roten Planeten im Alleingang - in steter Hoffnung auf Rettung von der Erde.

Während sich Matt Damon in einer beeindruckenden One-Man-Show als Weltall-MacGyver profiliert und seine Lebenserwartung auf dem Mars mit Kot und Kartoffeln steigert, suchen seine Kollegen im NASA-Kontrollzentrum und auf dem Raumschiff "Ares" nach Möglichkeiten, ihn nach Hause zu holen. Weil Andy Weir für seine gleichnamige Romanvorlage penibel recherchierte, ist "Der Marsianer - Rettet Mark Watney" ein Sci-Fi-Abenteuer geworden, dass nach Expertenmeinung wissenschaftlich größtenteils glaubwürdig ist.

Zuletzt musste Ridley Scott viel Kritik einstecken, die mal berechtigt ("Exodus - Götter und Könige"), mal unberechtigt ("The Counselor") war. Sein neuerlicher Ausflug ins Sci-Fi-Genre ist für den Regisseur von "Blade Runner" und "Alien" eine triumphale Heimkehr - auch wenn "Der Marsianer" mitnichten ein wegweisendes Meisterwerk ist. Zumindest ist er ein äußerst unterhaltsamer Blockbuster, weil es Scott versteht, seine Faszination für unendliche Weiten und unentdeckte Planeten in erhabenen 3D-Bildern mit dem Publikum zu teilen.

Dass Scott neben hochkarätigen Nebendarstellern (Jeff Daniels, Kristen Wiig, Jessica Chastain und Chiwetel Ejiofor) für die Hauptrolle Matt Damon verpflichten konnte, erwies sich als Glücksgriff. Der Schauspieler muss als Mark Watney einen großen Teil des Films quasi im Alleingang bestreiten und zeigt einmal mehr, dass aus dem einst verspotteten Milchbubi ein ernstzunehmender Charakterdarsteller geworden ist. Alles was der findige Astronaut auf dem Mars tut, wird von Überwachungskameras festgehalten: seine erfolgreiche Arbeit als Kartoffelbauer genauso wie seine explosiven Versuche, Wasser zu gewinnen.

Watney hofft und zweifelt, aber er gibt nicht auf - und er führt ein Videotagebuch, in dem er sich mit lockereren Sprüchen weigert, seine Situation als ausweglos einzuschätzen. Der stets passende Humor ist, neben einer äußerst spektakulären Rettungsmission im Finale, der Grund, warum "Der Marsianer" so gut funktioniert. Ridley Scott holt in seinem Film das Beste aus den Menschen heraus: Sie sind am Fortschritt genauso interessiert wie am Schicksal eines Einzelnen und zeigen in etwas mehr als zwei sehr abwechslungsreichen Kinostunden, wozu die Menschheit in der Lage ist, wenn sie sich einfach mal nicht um Egos, Politik und Religion kümmert.

Quelle: teleschau - der mediendienst