Burghart Klaußner

Burghart Klaußner





Ganz nah dran

Die Rolle des Nazi-Verfolgers in Lars Kraumes Spielfilm "Der Staat gegen Fritz Bauer" (Start: 1. Oktober) dürfte Burghart Klaußner endgültig im Bewusstsein eines breiten Kinopublikums verankern. Wie er den Frankfurter Generalstaatsanwalt spielt, der in den 50er-Jahren Adolf Eichmann, den Organisator der so genannten "Endlösung", zu fassen half und der die Auschwitz-Prozesse von 1963 initiierte, ist außergewöhnlich. Es ist geprägt von Menschlichkeit und warmherziger Nähe zur Figur.

Wer kannte schon Fritz Bauer? Den 1903 geborenen jüdischen Stuttgarter, der als ehemaliger Sozialdemokrat und Widerständler 1936 ins dänische Exil gegangen war. Der sich nach seiner Rückkehr in die Bundesrepublik wie selbstverständlich daran machte, im NS-Staat begangene Verbrechen zu sühnen. Es ging ihm nicht um Rache, sondern darum, dass sich die Deutschen zu ihrer Vergangenheit bekannten und darum, ihnen den Weg in eine bessere Zukunft zu weisen.

Klaußner, 1949 in Berlin als Sohn eines Großrestaurantbesitzers und späteren Hoteliers geboren, kannte den politisch engagierten Bauer vor allem als Vorbild der 68er-Bewegung. Der heute 66-Jährige war selbst ein Unbequemer, der die Schauspielschule, das Berliner Max-Reinhardt-Seminar, verfrüht - aber mit Diplom - verließ. Seine Theaterengagements in Berlin (Schaubühne, Schiller-Theater), Frankfurt, Bochum und Zürich verliefen in raschem Wechsel.

Zum Film ging er relativ spät - mit Mitte 40. Sein reduziertes, prägnantes Spiel prädestinierte ihn für wichtige Nebenrollen. Er spielte Richter und Pastoren, zuletzt einen fiesen SS-Gruppenführer und Polizeichef Arthur Nebe in Oliver Hirschbiegels "Elser". Gleich zweimal bekam er den Deutschen Filmpreis: für seinen Unternehmer in der Rebellenkomödie "Die fetten Jahre sind vorbei" (2004) und für jenen üblen Pastor aus Michael Hanekes "Das weiße Band" (2009), der seine Kinder prügelnd zu Untertanen erzieht.

Getrieben wird Klaußner von dem "Versuch, herauszufinden, was in anderen vorgeht". Bei Bauer war das die große Verletzung, als er von Unmenschen ins Exil getrieben wurde und die darauf folgende Suche nach Gerechtigkeit. Dabei geht Klaußner gerne vom Äußeren aus, auch vom Kostüm: "Jede Hose bedeutet einen anderen Charakter." So zeigt er im Fritz-Bauer-Film unter zu kurzen Beinkleidern nackte Haut und kann sich für die ziemlich mutig gemusterten Socken seines jungen Mitarbeiters (Ronald Zehrfeld) begeistern - die er dann plötzlich selber trägt.

Strenge und Jovialität zugleich werden in der dicken Hornbrille und der stets dampfenden Zigarre, aber auch im schwäbischen Dialektanflug signalisiert. Bauer war für ihn "ein typisch deutscher Intellektueller, der immer die Zeitung in seinem Jackett stecken hatte und sich an den Debatten seiner Zeit beteiligte, stets an vorderster Front - dort wo's brennt". Er sei einer gewesen, der sich nichts mehr gefallen ließ. Am Ende des Films sagt er: "Solange ich lebe, hält mich niemand mehr von meiner Arbeit ab!"

Wie hat er die Dialektfärbung des zornigen alten Mannes hinbekommen? Er habe "schon immer ein Faible für Musik, für Sprache, für Dialekte" gehabt, sagt Klaußner. "Sprache ist für mich Musik." So verwundert es nicht, dass er auf seiner Homepage Musik als "das Größte, was es gibt" bezeichnet und gar gesteht: "Musik ist die Hauptsache. Eigentlich möchte ich alles andere lassen und nur noch Musik machen."

In Anspielung auf das väterliche Restaurant "Zum Klaußner" ist er denn auch schon in einer Ein-Mann-Show aufgetreten ("Burghart Klaußner und Band"), mit Chansons und Swing, "ohne Halt und ohne Geländer". Ohne ihm zu nahe zu treten, wünscht sich der Zuschauer nach seiner Glanzleistung im Film über Fritz Bauer allerdings, dass die Musik für ihn nicht wirklich zur Hauptsache wird.

Quelle: teleschau - der mediendienst