Ludwig Blochberger und Stephanie Stumph

Ludwig Blochberger und Stephanie Stumph





Die Neuen beim "Alten"

Neue Gesichter in der ZDF-Kultserie "Der Alte" am Freitagabend. Mit der ersten von vier neuen Folgen, "Tödlicher Verrat" am Freitag, Oktober, 20.15 Uhr, treten im Münchner Kommissariat gleich zwei Neue den Polizeidienst an. Stephanie Stumph (31) alias Anabell Lorenz und Ludwig Blochberger (32) alias Tom Kupfer sind allerdings dem Fernsehzuschauer bereits bestens bekennt. Stumph spielte über 50-mal an der Seite ihres Vaters Wolfgang in "Stubbe - Von Fall zu Fall" die Tochter des Kommissars, Blochberger war schon früh in "Die Manns - ein Jahrhundertroman" zu sehen, spielte den ehemaligen Bundeskanzler im Biopic "Schmidt" und war in nicht weniger als vier ARD-"Tatorten" der Mörder. Die Kollegin tat es ihm in verschiedenen ZDF-"SOKOs" gleich. Nun freuen sich beide diebisch darüber, endlich die Seiten wechseln zu können.

teleschau: Sie sind beide keine Unbekannten mehr, haben als Hauptdarsteller in wichtigen Filmen und sogar Krimiserien mitgewirkt. Die Produktion war da bei der Wachablösung auf der sicheren Seite. Wie kam es zu Ihrem Engagement bei der Kultserie?

Stephanie Stumph (zu Ludwig Blochberger): Fang du an, du hast die spannendere Geschichte. Bei mir ging es ganz schnell: Anruf, Angebot, Zusage!

Ludwig Blochberger: Meine Agentin rief mich ausgerechnet zu meinem Geburtstag an und übermittelte mir die Einladung, zum Casting in die Bavaria-Studios zu kommen.

teleschau: Gab's denn Konkurrenten?

Blochberger: Ich habe erst im Nachhinein erfahren, dass monatelang gecastet wurde. Ich kam also kurz vor knapp dazu, da musste alles recht schnell gehen. Bei uns Schauspielern stehen Castings ja nicht ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Das fühlt sich manchmal an wie eine Klassenarbeit in der Schule. Mit Jan (Jan-Gregor Kremp, d. Red.) hat das aber sofort großen Spaß gemacht, er hat mir ein gutes Gefühl und Sicherheit gegeben.

Stumph: Ich mag Castings gerne. Da man die Rolle mit ziemlich hoher Sicherheit eh nicht bekommt, kann man da eigentlich ganz locker rangehen.

Blochberger: Na gut, jetzt kenne ich eine, die Castings gerne mag.

Stumph: Es ist jedenfalls der Weg, den ich normalerweise gehe. Es ist aber so: Wenn man etwas unbedingt will, dann kriegt man es sowieso nicht. Meistens läuft es leider andersrum.

teleschau: Sie wollten die Rolle beide sehr?

Blochberger: Ich dachte: Lass' das Schicksal entscheiden. Ich stand dem offen gegenüber und habe mich gefreut, dass es geklappt hat.

Stumph: Und ich hab' die Rolle bekommen, weil ich eben nicht beim Casting war.

teleschau: Ihre Vorgänger im Amt standen ja lange Jahre im Geschirr. Ist es nicht ein Horror, sich für die Rolle in einer lang laufenden Krimiserie entscheiden zu müssen?

Stumph: Nein, das ist ja ein großes Privileg. Das ist wie in einer Partnerschaft: Man hofft, dass die Zusammenarbeit so lange wie möglich andauert. Sollte sich eine Partei jedoch anders entscheiden, werden die Würfel neu gemischt. Wer weiß schon, was die Zukunft bringt. Und wenn der Ludwig jetzt plötzlich einen größeren Trailer, also Wohnwagen, verlangt, dann kann es natürlich sein, dass alles schneller vorbei ist, als man denkt.

teleschau: Jeder von Ihnen hat einen eigenen Wohnwagen?

Blochberger: Nein, wir teilen uns einen: Trailer-Sharing. Wir haben allerdings getrennte Eingänge, wir sind sozusagen Wohnwagennachbarn. Ich empfand es nicht als Horror, aber wir sind uns der damit verbundenen Verantwortung durchaus bewusst.

teleschau: Sie haben beide bereits Krimierfahrung in anderen Serien gesammelt.

Blochberger: Ja, in Form von Mördern und Psychopathen habe ich genug Erfahrung gesammelt, nur die Seite des Kommissars ist noch relativ neu für mich.

Stumph: Ich hab' auch schon ein paar vergiftet und wurde von den SOKOs in Wismar, Leipzig oder Köln ertappt.

teleschau: Von 1995 bis 2014 haben Sie 50-mal die Tochter in "Stubbe - Von Fall zu Fall" gespielt. Sie sind sozusagen in der Reihe gereift. Sind Sie jetzt froh über die Abnabelung, fühlen Sie sich befreit?

Stumph: Ach wo. Ich habe ja in dieser Zeit auch schon einige Filme alleine gedreht - den "Turm", einen Polizeiruf, den Zweiteiler "Das Mädchen mit dem indischen Smaragd", zuletzt die Ken-Follett-Verfilmung "Die Pfeiler der Macht" mit Christian Schwochow in Dublin. Das Problem des Loslösens gab es für mich persönlich nie. Es war ein wichtiger Lebensabschnitt. Aber klar, jetzt selbst Kommissarin zu werden, ist ein Schritt in die Richtung, in der ich mich in Zukunft sehe.

teleschau: Die Zukunft?

Stumph: Man muss sich Ziele stecken. Ich war schon immer jemand, der keine Riesensprünge gemacht hat, sondern der auf sicherem Fundament immer einen Schritt weitergegangen ist. Ich bin sehr froh darüber, meine Laufbahn nicht auf irgendeinem Hype aufbauen zu müssen, sondern eine konstante Entwicklung zu nehmen.

teleschau: Als die Ablösung Ihrer Vorgänger im September des vergangenen Jahres bekannt wurde, war von einem "Verjüngungswahn" des ZDF die Rede. Hat sich der Sturm gelegt?

Stumph: Wir freuen uns sehr über diese Aufgabe. Und als Schauspieler hat man nun mal keinen Vertrag auf Lebenszeit, so geht es allen Kollegen.

Blochberger: Ich kann verstehen, dass manchen der Abschied schmerzt. Veränderungen sind aber notwendig, wenn sich ein Format weiterentwickeln soll. Man kann auch sagen: "Der Alte" ist endlich wieder der Alte! Die Reihe kehrt mit uns zwei deutlich jüngeren Kollegen zu seinen Ursprüngen zurück, schließlich begann Michael Ande vor 38 Jahren auch als junger Kriminalassistent seinen Dienst.

teleschau: Sie sind beide als Kinder in Dresden aufgewachsen, stammen beide aus Schauspielerfamilien. Haben Sie sich denn damals bereits gekannt?

Blochberger: Nein, aber das holen wir jetzt nach. Ich kannte natürlich Stephanies Papa. Wenn man in Dresden lebte, gerade zur Wendezeit, dann kam man an ihm nicht vorbei. Ich bin mit meiner Familie aber auch schon 1992 nach Wien gezogen, weil mein Vater vom Dresdner Staatsschauspiel ans Burgtheater kam.

teleschau: Sie haben beide schon als Kinder auf der Bühne und im Film gespielt. Wächst man sozusagen ausweglos in Schauspiel-Dynastien hinein?

Stumph: Ich habe mich früh für Medizin interessiert, aber Operationen am offenen Herzen können andere besser. Ich habe großen Respekt vor Ärzten und bewundere sie sehr. Was die Dynastien betrifft: Wir sind beide erst Schauspieler in der zweiten Generation. Mal sehen, ob da noch was nachkommen wird.

Blochberger: Ich habe den Beruf nicht ergriffen, weil meine Eltern das so wollten. Das ist alles aus dem Schöpferischen, Kreativen heraus gewachsen. Den frühen Einstieg verdanke ich meiner Zeit bei den Wiener Sängerknaben und dem Zufall, dass ein befreundeter Regisseur meines Vaters einen jungen Sänger für eine Theaterinszenierung suchte. Danach kam eins zum anderen und schlussendlich die Entscheidung für das Schauspielstudium. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar für ihre Unterstützung auf diesem Weg, es gibt aber kein Familienabo auf Erfolg.

Quelle: teleschau - der mediendienst