Andreas Bourani

Andreas Bourani





"Es ist wichtig, Flagge zu zeigen"

Als derzeit "besten Sänger Deutschlands" bezeichnete Sido seinen Duett-Partner für den Song "Astronaut" - und zwar noch bevor der Titel Platz Eins in den deutschen Charts belegte. Darauf angesprochen, bleibt Andreas Bourani bescheiden. Auch die Tatsache, dass er 2014 mit "Auf Uns" die Hymne zum Sieg der Deutschen bei der Fußballweltmeisterschaft lieferte, behält der Sänger zwar "als ein unvergessliches Ereignis" in Erinnerung, aber er freue sich ebenso über seine wachsende Fangemeinde, wie er uns im Interview erzählt. Der als Sohn nordafrikanischer Eltern in Augsburg Geborene, der dort von einer deutschen Familie adoptiert wurde, ist auf dem Boden geblieben - obwohl er nicht nur durch den WM-Song, sondern auch durch seine Teilnahme bei der VOX-Sendung "Sing meinen Song" immer bekannter wurde. Und es geht weiter: Jetzt wird Bourani Coach bei "The Voice of Germany". Er tritt ab Donnerstag, 15. Oktober, bei ProSieben und SAT.1 die schwierige Nachfolge von Publikumsliebling Samu Haber an.

teleschau: Sie treten die Nachfolge von Samu Haber als Coach bei "The Voice of Germany". Angst vor den allzu großen Fußstapfen?

Andreas Bourani: Nein. Dass Samu mein Vorgänger war, hat mich nicht eingeschüchtert. Er war ein großer Publikumsliebling als Voice-Juror, und ich kann ihn natürlich nicht ersetzen - und umgekehrt! Jeder Coach ist anders und macht am Ende sein eigenes Ding. Ich liebe das Format und hatte deshalb große Lust auf den Job.

teleschau: Momentan gibt es in den deutschen Charts immer mehr deutschsprachige Künstler. Konnten Sie diesen Trend, auf Deutsch zu singen, bei den "The Voice"-Teilnehmern auch beobachten?

Bourani: Ich hatte auch erwartet, dass viel mehr Kandidaten auf Deutsch singen, aber es hält sich die Waage mit anderen Sprachen. Doch ich würde mich freuen, wenn der "The Voice of Germany"-Gewinner auf Deutsch singt.

teleschau: Ganz Deutschland sang im letzten Jahr Ihren Song "Auf Uns", der zur WM-Hymne wurde. Denkt man sich als Künstler, wenn die Glücksmomente vorüber sind: "Das kann ich nie mehr toppen"?

Bourani: Um das zu toppen, dass Deutschland Weltmeister wird und ich dazu einen Song liefere, müsste man das Ereignis ja wiederholen. Das wird in dieser Form wohl nicht passieren. Aber man muss es ja auch nicht toppen. Es gibt andere Möglichkeiten, als Musiker Erfolg zu haben. Zum Beispiel habe ich gerade das Feature "Astronaut" mit Sido gemacht, das ein Nummer-Eins-Hit wurde. Das ist ein toller Erfolg, hat aber eine andere Qualität als der WM-Song. Das war einfach ein einmaliges und besonderes Erlebnis und das wird es auch bleiben. Aber ich habe viele verschiedene Ziele: Zum Beispiel habe ich mir immer gewünscht, große Konzerte zu spielen, und nun merke ich, wie mein Fanstamm wächst. Mir ist aber auch bewusst, dass jede Karriere Höhen und Tiefen hat. Es geht selten immer bergauf.

teleschau: Was steckt hinter dem Song "Astronaut"?

Bourani: Die Idee dazu ist, dass von oben einiges besser aussieht. Bei uns hier unten auf der Welt laufen einige Dinge falsch. Leider passt das Lied jetzt auch gut in unsere Zeit zum brennenden Thema Flüchtlinge.

teleschau: Wie ist Ihre Haltung in der Flüchtlingsdebatte?

Bourani: Das Schlimme ist der Rassismus, der sich breit macht. Dass es Leute gibt, die Flüchtlinge beschimpfen und Flüchtlingsheime anzünden, das ist für mich nicht nachvollziehbar. Die sollen mal ihr Gehirn einschalten und sich in die Lage der Flüchtlinge hineinversetzen und sich vorstellen, was es bedeutet, seine Heimat zu verlieren. Die Flüchtlinge fliegen ja hier nicht erster Klasse ein und halten die Hand auf fürs Begrüßungsgeld, sondern haben eine Reise hinter sich, die unter widrigsten Bedingungen stattfindet: Sie flüchten in Booten und LKW und zu Fuß unter menschenunwürdigen und lebensgefährlichen Bedingungen. Dann kommen sie hier endlich an und werden empfangen von ein paar Vollidioten, die sagen: "Wir wollen euch hier nicht!" Die Leute brauchen unsere Hilfe - und die sollen sie bekommen. Es ist wichtig, Flagge zu zeigen: Flüchtlinge, herzlich willkommen!

teleschau: Wie kann es sein, dass das Wort "Gutmensch" zum Schimpfwort wird und Prominente, die helfen, wie etwa Til Schweiger, angefeindet werden?

Bourani: Es gibt immer Menschen, die etwas zu meckern haben. Es ist einfacher zu nörgeln, als etwas Nützliches zu tun. Til tut das, was in seiner Macht steht, und setzt sich für eine gute Sache ein. Ich verstehe nicht, was daran falsch sein soll! Jeder, der versucht zu helfen, ist wichtig - und wenn man nachmittags nur eine Kiste Wasser zu den Flüchtlingen bringt und auf diese Weise hilft. Da ist keine Kritik angebracht.

teleschau: Sie wuchsen als Kind mit afrikanischen Wurzeln in Augsburg auf. Mussten Sie selbst Erfahrung mit Fremdenhass machen?

Bourani: Ja, die Leute haben sich schon öfter bezüglich meiner Hautfarbe blöd geäußert. Aber so ist das eben. Man kann es nicht verhindern. Diese Ideologie, die manche Menschen vertreten, halte ich für sehr engstirnig und unüberlegt. Egal, welche Facetten der Rassismus hat - ob es nun darum geht, welche Hautfarbe man hat oder wo man herkommt -, wir müssen uns dagegenstellen. Das sucht man sich ja nicht aus, wo man geboren wird. Ebenso wenig wie die Flüchtlinge es sich aussuchen, nun ihre Heimat zu verlassen. Die haben ihr Zuhause verloren! Sie können da nicht mehr hin, weil sie befürchten müssen, dort zu sterben. Da ist es doch eine Selbstverständlichkeit, dass wir denen Hilfe anbieten.

Quelle: teleschau - der mediendienst