Natalia Avelon

Natalia Avelon





"Ich werde wohl oft falsch eingeschätzt"

2007 war ein gutes Jahr für Natalia Avelon: Sie schaffte es nicht nur als Sängerin an der Seite von Ville Valo mit dem Song "Summer Wine" in die Charts, sondern ihr gelang auch als Uschi Obermaier im Kino-Hit "Das wilde Leben" der Durchbruch als Schauspielerin. In den vergangenen Jahren ist es allerdings wieder ziemlich ruhig um die gebürtige Polin geworden, die seit ihrem achten Lebensjahr in Deutschland lebt. Die ganz großen Rollen blieben aus. Im Interview äußert die 35-Jährige, die am Sonntag, 4. Oktober, 20.15 Uhr, im "Rosamunde Pilcher"-Movie "Vollkommen unerwartet" im ZDF zu sehen ist, ihren Missmut darüber, auf diese eine freizügige Rolle reduziert zu werden, und ihren Wunsch, auf Castings ihr Talent beweisen zu dürfen. Auch privat hat die Schauspielerin noch einige Träume: zum Beispiel, Kinder zu bekommen - zur Not auch ohne Mann!

teleschau: Sie spielen in "Vollkommen unerwartet" eine Frau, die zwischen zwei Männern steht. Kennen Sie so eine Situation oder sendet Ihr Herz immer deutliche Signale?

Natalia Avelon: Meine Rolle Hannah steckt in der Bredouille, ob sie auf ihre Vernunft oder ihr Herz hören soll. Das Leben bringt oft Überraschungen mit sich, und man rutscht emotional in Situationen, die nicht vorhersehbar waren, oder trifft Entscheidungen, die vielleicht nicht unbedingt vernünftig sind. Als Schauspielerin versetze ich mich natürlich in die Rolle, aber auch in meinem Leben läuft nicht alles immer Schwarz und Weiß. Die Vernunft spielt einem manchmal Streiche, aber am Ende kennt das Herz die richtige Antwort. Deshalb folge ich meinem Herzen.

teleschau: Sie sagten in einem anderen Interview, dass Sie Bindungsängste haben - sowohl beruflich, als auch privat. Wie äußern sich die?

Avelon: Ich bin gerne vogelfrei! Ich lasse mich ungern einsperren oder zu irgendetwas verpflichten. Aber natürlich würde ich nicht "Nein" sagen, wenn mir eine tolle Rolle in einer guten Serie angeboten werden würde. Dass ich ein freiheitsliebender Mensch bin, bedeutet aber nicht, dass ich viele verschiedene Männer haben will, sondern es hat eher etwas mit Unabhängigkeit zu tun. Wenn mein Partner mir genügend Freiheiten und mich entwickeln lässt als Person ohne mich einzuschränken oder mir etwas zu verbieten, dann ist alles in Ordnung.

teleschau: Hochzeit und Kinder sind also nicht ausgeschlossen?

Avelon: Kinder möchte ich auf jeden Fall! Ich hoffe, dass das irgendwann passieren wird. Hochzeit? Das weiß ich nicht. Wenn der Antrag vom richtigen Mann kommt, dann ja.

teleschau: Spürt man als Frau mit 35 den Druck, bald ein Kind bekommen zu müssen oder sind Sie entspannt?

Avelon: Ich hätte gerne eine Familie, aber das liegt noch in der Zukunft. Ich habe noch ein paar Jahre Zeit, um schwanger zu werden. Ich verspüre keinen Druck, sondern eher den größer werdenden Wunsch. Das ist wohl genetisch vorprogrammiert bei uns Frauen. Das gehört zu der Lebensphase. Ebenso wie man mit 20 feiert und sich mit sich selbst und seiner Sexualität auseinandersetzt und in der Welt zurechtfindet, guckt man sich mit 30 um und fragt sich: Was habe ich überhaupt auf die Beine gestellt in meinem Leben bisher, und was will ich noch erreichen? Und mit 40 kann man dann immer noch ein Kind adoptieren.

teleschau: Könnten Sie sich das vorstellen?

Avelon: Ja! Deswegen bin ich entspannt. Wenn ich irgendwann unbedingt ein Kind will und dann keinen Partner habe, dann kriege ich das auch ohne irgendwie hin.

teleschau: Sie sagten eben, mit Mitte 30 überlegt man sich, was man schon erreicht hat und welche Wünsche noch offen sind. Welche Bilanz haben Sie gezogen?

Avelon: Ich habe noch ganz viele Wünsche beruflich und privat. Aber es sind reale Träume: Ich wünsche mir zum Beispiel nicht, professionelle Geigerin zu werden (lacht).

teleschau: Sondern?

Avelon: Ich möchte viel reisen und die Welt sehen. Das erweitert den eigenen Horizont, und es gibt so viele tolle Länder. Beruflich will ich mich auch immer weiterentwickeln und noch mit vielen Regisseuren drehen, mit denen ich noch nicht gearbeitet habe. Deshalb hoffe ich, dass die Leute auch mich und mehr von mir entdecken. Dass eine Zusammenarbeit zustandekommt, ist ja leider nicht nur von mir abhängig. Da muss man manchmal Überzeugungsarbeit leisten. Denn ich werde wohl oft falsch eingeschätzt.

teleschau: Inwiefern?

Avelon: Dieses ganze "sexy Thema" langweilt mich mittlerweile. Ich kann das nicht nachvollziehen, worum es da immer geht, wenn es heißt, ich sei zu hübsch oder zu sexy für eine Rolle. Uschi Obermaier war ein Charakter, den ich gespielt habe. Wer das acht Jahre danach nicht verstanden hat, mit dem will ich auch gar nicht zusammenarbeiten. Denn das ist eine sehr beschränkte Sichtweise, die nichts mit Kreativität zu tun hat. In jedem Job sind die Persönlichkeit eines Menschen und seine berufliche Qualifikation wichtig. Deshalb würde ich mir auch wünschen, dass man mich erstmal zum Casting einlädt, bevor man sich voreilig eine Meinung bildet, die womöglich lediglich auf aus dem Kontext herausgerissenen Internetinformationen basiert.

teleschau: Sie werden also manchmal gar nicht erst zum Casting eingeladen?

Avelon: Ganz oft. Leider. Gott sei Dank finde ich aber immer wieder Gleichgesinnte, die über den Tellerrand hinausschauen.

teleschau: Gibt es neue Projekte?

Avelon: Ich werde in meiner Heimatstadt Karlsruhe Theater spielen. Außerdem habe ich gerade "Die Bergretter" gedreht und mache Musik. Ich schreibe gerade Songs. Ich bin glücklich und zufrieden, weil es so facettenreich ist und nie langweilig wird.

Quelle: teleschau - der mediendienst