A Royal Night - Ein königliches Vergnügen

A Royal Night - Ein königliches Vergnügen





Königlicher Mädelsabend

Das englische Königshaus erfreut sich offenbar großer Beliebtheit - und das auch im Kino. Nach diversen Biopics wie "Elizabeth" (1998), "Die Queen" (2006) und "Young Victoria" (2009) erfährt nun eine weitere monarchische Episode ihre cineastische Aufarbeitung. Mit "A Royal Night - Ein königliches Vergnügen" erzählt Regisseur Julian Jarrold ("Wiedersehen mit Brideshead", 2008) von einer ereignisreichen Nacht, in der die jungen Prinzessinnen Elizabeth und Margaret kurz ins echte Leben eintauchen dürfen. Eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte.

London, 8. Mai 1945: Der Krieg gegen Nazi-Deutschland ist beendet, die britische Metropole ist außer sich vor Freude. Überall wird gefeiert - nur im Buckingham Palace herrscht Contenance. Die junge Prinzessin Margaret (Bel Powley) will jedoch hinein ins pralle Leben und mit ihrem Volk das freudige Ereignis feiern. Tatsächlich gelingt es ihr und ihrer Schwester Elizabeth, gespielt vom kanadischen Shootingstar Sarah Gadon ("Enemy"), das gestrenge Königspaar (Rupert Everett und Emily Watson) zu überreden.

Dass ein solcher Abend ausarten wird, dürfte keinen überraschen: Nachdem Margaret dem Alkohol zu sehr frönt und ihre beiden militärischen Aufpasser im Bordell verschwunden sind, macht sich Elizabeth auf die Suche nach ihrer kleinen Schwester. Dabei hilft ihr der Soldat Jack (Jack Reynor), der sie zunächst eher widerwillig durch die turbulente Nacht begleitet.

Der Plot basiert auf einer wahren Begebenheit: Tatsächlich durften sich die jungen Prinzessinnen am VE-Day - dem Tag des "Victory in Europe" - unters Volk mischen. Was in dieser Nacht wirklich geschah und was eher in der Fantasie der Filmemacher, ist eine andere Geschichte. Tatsächlich ist Regisseur Jarrold, der mit Eifer historische Stoffe bearbeitet, um Authentizität bemüht: Zunächst konzentriert er sich auf die Königsfamilie und das Leben bei Hofe.

Emily Watson spielt die traditionsbewusste Mutter mit expliziter Strenge. Der umtriebige, herrlich selbstironische Rupert Everett (dem auf dem diesjährigen Münchner Filmfest, wo der Film Premiere feierte, eine Retrospektive gewidmet war) mimt in leider nur sehr wenigen Szenen König George VI. Jene Figur also, die als Stotter-König in die Geschichte einging und der Colin Firth mit "The King's Speech" (2010) ein filmisches Denkmal setzte.

Als eine Quelle der Inspiration für diese neueste Monarchie-Verfilmung mag vielleicht auch "Ein Herz und eine Krone" (1953) gedient haben. Darin entflieht Audrey Hepburn als Prinzessin auf der Vespa eines Journalisten (Gregory Peck) dem strengen Protokoll des Königshauses und lernt endlich das süße Leben kennen. An den Charme dieses 50er-Jahre-Klassikers reicht das ambitionierte "A Royal Night Out" allerdings nicht heran - auch wenn Ausstattung und Kostüme mit größter Sorgfalt arrangiert wurden und sehr authentisch wirken.

Alles ist schön und mit großem Aufwand gedreht, die rauchigen Kneipen ebenso wie die jubelnden Menschenmassen. Aber "A Royal Night Out" ist keine Coming-of-Age-Geschichte, die sonderlich berührt. Auf das aufgekratzte Spiel der beiden Prinzessinnen muss man sich erst einlassen, auch wenn vor allem Bel Powley hier und da für gelungenen Slapstick sorgt.

Quelle: teleschau - der mediendienst