Alles steht Kopf

Alles steht Kopf





Hier ist "Freude" am Drücker

Man sollte sich von den knallbunten Farben und den cartoonhaften, auf den kindlichen Geschmack zugeschnittenen Figuren nicht in die Irre führen lassen: Diesem Animationsfilm gelingt das Kunststück, Erwachsene ebenso wunderbar intelligent zu unterhalten wie junge Zuschauer. "Alles steht Kopf" zeigt auf brillante Weise, wie die Gefühle unseren Verstand und unser Handeln beeinflussen. Er führt in den Kopf einer Elfjährigen, deren Leben und damit ihre Emotionen in Aufruhr geraten. Dabei beweist das Team um Regisseur Pete Docter ("Monster AG", "Oben") einen bewundernswerten Erfindungsreichtum.

Was mag nur in ihrem Kopf vorgehen? Diese Frage stellen sich Eltern und Erwachsene angesichts des sprunghaften Verhaltens von Teenagern. Eben noch süße anhängliche Kinder agieren sie nun zwischen dem sprichwörtlichen "Bäume-Ausreißen-Können" (manchmal auch ganz real) und verstocktem "In-Sich-Gekehrt-Sein". Na klar, einmal ist "Freude" am Drücker, dann wieder "Kummer" - so zumindest erklärt "Alles steht Kopf" das Wechselbad. Pete Docter wählte fünf Hauptemotionen aus, die im Kopf des Mädchens Riley das Sagen haben: Freude, Kummer, Ekel, Wut und Angst gehören zu den Gefühlen, die auf allen Listen der Wissenschaftler stehen, die sich mit menschlichen Emotionen befassen.

Als Riley geboren wird, agiert vor allem Freude in ihrem Kopf. Doch das Leben ist voller Tücken. Da kommt schon der grüne Brei auf dem Löffel, ein Fall für Ekel und schließlich Wut, denn die Eltern wollen, dass das Zeug gegessen wird. Mit Szenen wie diesen erklären die Macher, wie sich die Emotionen im Kopf des Mädchens um ihr Wohlergehen kümmern. Jeder versucht dabei je nach Situation auf einen zentralen Knopf zu drücken, um in Rileys Sinne die Führung zu übernehmen.

Mit elf Jahren verlässt das Mädchen den Ort seiner glücklichen Kindheit in Minnesota und zieht nach San Francisco. Riley muss sich neu orientieren und mit ihr die fünf in ihrem Kopf, die selbst die Kontrolle über das emotionale Durcheinander, das sie produzieren, zu verlieren scheinen. Kummer und Freude beginnen, sich um Erinnerungen zu rangeln. Gemeinsam mit diesen verschwinden sie in einem Röhrensystem, das zum Langzeitgedächtnis führt. In der Kontrollzentrale bleiben Angst, Wut und Ekel zurück. Sie übernehmen das Kommando und Rileys Eltern stehen ratlos vor ihrer völlig veränderten Tochter.

In einem abenteuerlichen Plot müssen sich Freude und Kummer den Weg zurück in die Kommandozentrale kämpfen. Ihr Weg führt sie zur Traumfabrik und durchs abstrakte Denken. Eine faszinierende Welt, in der sie alte Bekannte wie Rileys imaginären Freund Bing Bong treffen. Doch die Zeit drängt, immer mehr von Rileys Persönlichkeitsinseln drohen unterzugehen. Die beiden müssen versuchen, den Gedankenzug zu erwischen, um schnell im Hauptquartier wieder mitmischen zu können.

Nachdem der Film im ersten Teil die Regeln dieser fremden und sogleich jedem so vertrauten Welt etabliert hat, wird jetzt in puncto Spannung und Emotionen visuell so richtig aufgedreht. Dabei produzieren die Macher jede Menge Staunen und Lacher. Ein Meisterwerk des Animationsfilms, das bis zur letzten Minuten begeistert - auch mit sehr witzigen Ausflügen in andere Köpfe.

Quelle: teleschau - der mediendienst