Alice Cooper

Alice Cooper





"John Lennon war ein guter Säufer!"

Ist das die coolste Platte des Jahres? Unter dem Namen Hollywood Vampires haben Gruselrocker Alice Cooper (67) und Schauspiel-Pirat Johnny Depp (52) gemeinsam mit Rockgrößen wie Joe Perry, Dave Grohl , Slash und Sir Paul McCartney ein Album aufgenommen, das dem gleichnamigen 70er-Jahre-Promi-Trinkerklub ein äußerst rockiges Denkmal setzt. Beim Interview in London sitzt der dunkel gekleidete und überaus unterhaltsame Cooper dennoch alleine, um Rede und Antwort zu stehen: Depp ist nämlich auf Promotour für seinen neuen Film "Black Mass". Und trotzdem wird man die beiden jetzt wohl öfter zusammen sehen.

Hollywood Vampires nennen Alice Cooper und Johnny Depp ihr neues Werk und Projekt, genauso wie die 1972 von Cooper eröffnete Trinkhölle am Sunset Strip in Los Angeles, in dem die Rockstars ein- und ausgingen. Aufnahmebedingung für den Klub war die Fähigkeit, andere unter den Tisch zu trinken. "Wir lebten wie Vampire, nur tranken wir Alkohol statt Blut", erzählt Cooper. Wer war in den 70-ern besonders gut in der Disziplin? "Harry Nilsson war ziemlich gut. Auch John Lennon war ein guter Säufer. Aber Keith Moon von The Who toppte jeden, denn er machte alles exzessiver als alle anderen. Und bei den wenigen Frauen, die den Weg dorthin fanden, war definitiv Janis Joplin die Champion-Trinkerin." Viele von Coopers Musiker-Freunden kamen nicht lebend aus der Sache raus. Das war die Inspiration für das Album.

Als Cooper vor drei Jahren neben Johnny Depp im Film "Dark Shadows" mitspielte, kam den beiden die Idee für eine Platte als Hommage an verstorbene Rockstars. "All die Typen, mit denen wir tranken, aber die längst nicht mehr unter uns sind: von John Lennon über Jim Morrison bis hin zu Jimi Hendrix." Die Sache hat nur einen Schönheitsfehler: Depp, der nun auf der Platte Gitarre spielt und im Background singt, ist mit 52 zu jung, um damals dabei gewesen zu sein. "Johnny ist ein Ehren-Vampir", lacht Cooper. "Als wir uns am Set des Films trafen, trank Johnny noch jede Menge. Gleich am ersten Abend bewies er mir diesbezüglich seine Nehmerqualitäten. Mittlerweile hat Johnny den Alkohol ganz aufgegeben." Genauso wie Cooper selbst.

Auch deshalb soll das Album keinesfalls Drogen verherrlichen. "Ich habe 1982 mit dem Trinken aufgehört, um wieder die Kontrolle über mich und mein Leben zu bekommen", erzählt er. "Von den Pillen und Drogen, die die anderen nahmen, habe ich nie was angerührt. Ich habe auch nie geraucht. Vielleicht bin ich deshalb noch am Leben." Wenn er zu Hause in Arizona aufwacht, hat er heutzutage eher Golfspielen im Kopf. "Sechs Tage die Woche - jeden Morgen. Ich bin richtig gut darin. Außerdem habe ich drei Kinder und zwei Enkel - und gehe voll in der Aufgabe des Opas auf." Seit 40 Jahren ist er mit seiner Frau, die als "Krankenschwester" Teil seiner Gruselshow ist, verheiratet. "Der Schockrocker ist privat also rundum glücklich. Aber Rock'n'Roll ist er natürlich immer noch", lacht Cooper.

Was auch für die anderen Gaststars auf dem "Hollywood Vampires"-Album gilt: Rock-Erstligisten wie Joe Perry (Aerosmith), Perry Farrell (Jane's Addiction), Dave Grohl (Foo Fighters), Sir Paul McCartney, Slash und Brian Johnson (AC/DC) machen die Hollywood Vampires zur Supergroup. Die Platte enthält dabei neben Coverversionen von Songs von The Who, The Doors, T. Rex und John Lennon auch zwei selbst geschriebene Songs. Einer davon ist der Rausschmeißer "My Dead Drunk Friends". Dass jener wie ein Piratenlied anmutet, ist natürlich kein Zufall. "Als wir den aufnahmen, sagte ich zu Johnny: 'Mach mal den Jack Sparrow.'" Cooper lacht wieder und wirkt unheimlich sympathisch. War es denn leicht, mit Depp zusammenzuarbeiten? "Absolut. Johnny ist niemand, der sich in den Vordergrund drängt. Ihm gefällt es, eher der Brian Jones der Band zu sein und nur im Background Gitarre zu spielen. Und die Art, wie er spielt, ist richtig cool!"

Dennoch ist nicht zu befürchten, dass Depp seine Schauspielkarriere jetzt ganz an den Nagel hängen wird: "Er hat den Gangsterfilm 'Black Mass' in Boston gedreht, während wir für das Album geschrieben und aufgenommen haben. Er war gut drauf und meinte, dass es einer seiner besten Filme sei. Nun wird er sogar als Oscar-Anwärter gehandelt. Ich finde es toll, dass Johnny zwischen dem Rockstar und Hollywood-A-List-Schauspieler hin- und herwechseln kann. Auch wenn ich glaube, dass seine erste Liebe immer noch die Musik ist." Schließlich war Depp vor seiner Schauspielkarriere Gitarrist in einer Band in Kentucky und kam eigentlich nur nach Los Angeles, um als Musiker durchzustarten. "Johnny ist mit der Musik von Leuten wie mir, David Bowie und Kiss aufgewachsen, er hat quasi unsere Generation studiert", erklärt der Horrorrocker weiter.

Das Album enthält - wenn man so will - einen allerletzten Schockmoment: Das Intro der Platte wird sehr passend von keinem Geringeren als dem Anfang Juni verstorbenen Schauspieler und Musiker Christopher Lee gesprochen. "Wir wollten unbedingt, dass er aus Bram Stokers 'Dracula' vorliest. Und nun ist es die letzte Aufnahme von ihm." Lees Vortrag endet mit den Worten: "Listen to them, the children of the night. What music they make!" Erst dann setzt die Musik ein. Für Cooper war die "Dracula"-Ikone immer ein Idol. Die Beiden lernten sich vor 25 Jahren auf dem Golfplatz kennen. "Wenn ich bei meinen Konzerten auf die Bühne gehe, trage ich immer einen langen, schwarzen Umhang, der genauso aussieht wie das Cape aus den 'Dracula'-Filmen. Das ist meine Hommage an ihn!"

Wer den Umhang in Aktion sehen will, sollte im November die Abschiedstour der Glam-Metal-Legenden Mötley Crüe besuchen - denn da ist auch Alice Cooper mit seiner Show dabei. "Ich bin jetzt schon eine ganze Weile mit meinen Freunden von Mötley Crüe in Amerika unterwegs, und das Publikum ist jeden Abend überwältigt, zwei theatralische Hard-Rock-Bands gemeinsam und hintereinander erleben zu können - das merkt man an den Reaktionen", meint Cooper. "Und wer weiß? Vielleicht spielen wir mit den Hollywood Vampires ja ein paar Festival-Dates in Europa. Johnny hat darauf genauso viel Lust wie ich. Die Chancen stehen also nicht schlecht."

Alice Cooper auf Tour mit Mötley Crüe:

08.11., Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle

13.11., München, Zenith

14.11., Düsseldorf, ISS Dome

Quelle: teleschau - der mediendienst