Schmidts Katze

Schmidts Katze





Mutlose Fehlzündung

Es sind die Kniffe, die "Schmidts Katze" nicht völlig misslungen machen. Denn witzig ist die Komödie nicht wirklich. Nein, nicht die ulkigen Charaktere verleihen dem Schwabenlustspiel seine Daseinsberechtigung, sondern die stillen. Heißt: Wie sich Hauptdarsteller Michael Lott als verlorenes Muttersöhnchen durch die eineinhalb Stunden quält, hat Kinoformat. Sidekick Michael Kessler als prolliger Einfallspinsel ist dagegen besser für das leichtverdauliche ProSieben-Abendprogramm geeignet. Regisseur Marc Schlegel und seine Ideengeberin, Co-Autorin Stephanie Töwe, sind Debütanten in Sachen große Leinwand. Am Ende vertrauten sie ihrer durchaus ausgefuchsten Geschichte nicht genug. Denn die hätte auch ohne Schenkelklopfer funktioniert.

Für den einen oder anderen Schmunzler ist Lott verantwortlich, dessen Gesicht weniger bekannt ist als seine Ansager- und Synchronsprecher-Stimme. In "Schmidts Katze" findet sich der 51-Jährige als Werner Schmidt eingeengt im 60er-Jahre-Mief einer Vorstadt-Wohnung wieder. Seit die alte Mutter verstorben ist, lebt der Junggeselle allein, von seinem Job im Baumarkt ist er alles andere als gefordert. Es ist ein trauriges Leben.

Für die bunteren Momente sorgt Werners Nachbar, Arbeitskollege und aus diesen Gründen wohl gezwungenermaßen auch Freund Uwe (Kessler). Mit grobem Humor und aus der Zeit gefallenen Augenzwinkersprüchen ("Ich geh' mal die Wasserschlange würgen") gibt dieser aber auch nur eine leidige Begleitung durch den tristen Alltag. Ohne den Proll würde sich Werner sicher auch nicht durch Ü-Partys und Speed-Dating-Treffs plagen.

Zum Glück hält die Nacht aber noch mehr bereit für den scheinbaren Spießer: Von Zeit zu Zeit wirft er sich in seinen langen beigen Mantel, zieht den Hut tief ins Gesicht, stülpt die Lederhandschuhe über und sucht sich ein Opfer. Nein, Werner Schmidt ist kein fieser Triebtäter, sondern Pyromane. Seine selbstgebauten Bomben platziert er mit ferngesteuerten Autos unter fremden Fahrzeugen. Gehen die VW, BMW und Mercedes in Flammen auf, leuchtet auch in Werners Augen ein bis dahin unbekanntes Feuer. Ja, stille Wasser sind gewiss tief und der Schuldige oft der, mit dem man am wenigsten rechnet.

Einer seiner Ausflüge geht schief: Nach dem großen Knall regt sich etwas in dem roten Kombi. Jemand klopft von innen hektisch ans Fenster. Werner rettet eine bewusstlose Frau (Christiane Seidel) und verfrachtet sie in seinen Kofferraum - direkt neben seine titelgebende Katze, die er zu Beginn in seiner Auffahrt ziemlich emotionslos überrollt hat. Als die Frau, Sibylle ihr Name, in Werners Wohnung aufwacht, macht sie trotz der geschmacklosen Einrichtung und des wenig empathischen Gastgebers keine Anstalten zu gehen.

Sybille hat, wie sich herausstellt, nämlich guten Grund, unterzutauchen. Der recht eindimensional bleibende Gangster-Handlanger Frehse (Alexander E. Fennon) fordert etwas von ihr zurück. Lange bleibt unklar, worum es sich dabei handelt. Natürlich gerät Werner mitten in diese Auseinandersetzung - muss aber gleichzeitig auch der von Freund Uwe einberufenen Bürgerwehr entkommen, die den nächtlichen Zündler ausfindig machen will. Schließlich steht das Wichtigste im Leben eines schwäbischen Vorstadt-Mannes auf dem Spiel: sein Auto.

Zu bemängeln gibt es an der Story nichts, auch weiß Regisseur Schlegl sie mit der geeigneten Dosis Tempo und ohne Hektik zu erzählen. Dass er seinem Publikum dennoch keine wirklich intelligente Gangster-Komödie vorsetzen kann, liegt am mangelhaften Cast. Michael Kessler, Tom Gerhardt als zwielichtiger Immobilienhai, Volker "Zack" Michalowski als Polizist und Désiree Nick als Baumarktchefin setzen zwar nicht ihren gewohnten Brechstangen-Humor ein - ernstnehmen kann man sie aber leider dennoch nicht. Gemeinsam mit Helmut Krauss als wiederkehrendem dicken Toiletten-Innovator sollen sie mit ihrer Präsenz für den schnellen Lacher und mit ihren Namen natürlich für volle Kinos sorgen. Dabei führen sie nicht nur die Story von "Schmidts Katze" in die Irre, sondern auch die Zuschauer. Frische Gesichter hätten den frischen Filmemachern besser zu Gesicht gestanden.

Quelle: teleschau - der mediendienst