Der Vater meiner besten Freundin

Der Vater meiner besten Freundin





Der ist so süß!

Jean-François Richet wird nächsten Sommer 50 und ist ein cooler Hund. Er hat einen César zu Hause stehen, drehte, aus einfachen Verhältnissen kommend, bereits viel beachtete Filme. Das Dreckige, Brutale und Echte liegt ihm. Straßengangs in Pariser Suburbs waren beispielsweise mal sein Thema oder das zweiteilige, brutale Gangster-Psychogramm "Public Enemy No.1" mit Vincent Cassel. Cassel ist auch "Der Vater meiner besten Freundin" in einer leichten französischen Sommerkomödie, die Richet nach seinem Drehbuch inszeniert.

Man muss sich viele Gedanken verkneifen bei diesem Film. Zum Beispiel, warum die totalen Lolitas für die Rolle der beiden Mädchen ausgesucht wurden und die Frage, warum Vincent Cassel und François Cluzet, so ziemlich das Beste, was Frankreich zu bieten hat, bei dieser Urlaubskomödie mitspielten. Vielleicht sind sie große Korsika-Fans.

Dort wollen die Freundinnen Louna (Lola Le Lann) und Marie (Alice Isaaz) Ferien machen, Jungs aufreißen, Spaß haben. Louna ist 17, und es ist ihr erster Urlaub ohne ihre Mutter. Es scheint größere Probleme zwischen den Eltern zu geben, mehr als Antoine (François Cluzet) zunächst zugibt. Doch die Telefonate mit seiner Frau zeichnen ein anderes Bild. Louna ist nicht nur schön, sie ist vor allem sexy. Kein Wunder, dass ihr Vater auf die Uhr schaut, wenn die Mädchen unterwegs sind.

Marie hingegen ist bereits 18, und ihr Vater Laurent (Vincent Cassel) benutzt die lange Leine. Muss er mit in die Disco, um auf die Schönen aufzupassen, baggert er sich selbst leidenschaftlich durchs weibliche Publikum. Zu diesem Zeitpunkt noch bei Frauen seines Alters. Dann kommt die Strandszene. Wir sehen es nicht, aber es passiert wohl, was laut Drehbuch auf der Hand liegt. Aus Versehen - also, es war wirklich ein Fehler und er bereut - schläft er mit der Tochter seines besten Freundes.

Damit keiner wirklich entsetzt ist, gibt es nur die erotische Weichzeichnerandeutung, die aber älteren Herren im Kino durchaus Freude bereiten dürfte. Louna ist verliebt. Bis über beide Ohren. Er ist so süß. Und cool. Ganz Teenager trägt sie am nächsten Morgen seine Shorts, was ihrer Freundin Marie sauer aufstößt. Die hatte sie dem Papa zum Geburtstag geschenkt.

Und jetzt kommen wir zur Komödie: Antoine, der strenge Papa, findet heraus, dass seine Tochter mit einem älteren Mann geschlafen hat. Er versucht mit allen Mitteln, die der Slapstick zur Verfügung stellt, herauszufinden, wer das war. Oh, Mann, ist das lustig. Und dann - man kommt kaum raus aus dem Lachen - bittet er seinen Freund Laurent um Hilfe ("Sie vertraut dir", "Geh mit ihr aus, sie wird es dir erzählen"). So eine freche Komödie!

Die in der Realität immerhin 19-jährige Lola Le Lann trägt nicht nur einen Namen, der einen, übrigens zum einzigen Mal während des Films, schmunzeln lässt, sie hat auch eine äußerst anspruchsvolle Rolle. Immer wieder wechselt sie zwischen sexy Verführerin und heulendem Teenager, der sich bockig neue Erpressungsmöglichkeiten ausdenkt. Das wäre ermüdend, würde man sich nicht trotz eines fadenscheinigen Drehbuchs so angeregt fühlen von dem was auf der Leinwand geschieht. Manche Männer mögen diesen Film mit dem Bauch betrachten können, bei Frauen dürfte sich ein unangenehmes Gefühl breitmachen.

Zumindest aber sollte man meinen, dass die beiden Männer die längste Zeit "ziemlich beste Freunde" (die Paraderolle von Cluzet) gewesen sind. Ach komm, Schwamm drüber. Wegen des Sommerfeelings und so.

Quelle: teleschau - der mediendienst