Life

Life





Wie wird man zur Ikone?

"Was wollen Sie mit ihrem Talent anfangen?" - Mit dieser Frage stellt sich der Fotograf Dennis Stock (Robert Pattinson) einem aufstrebenden Hollywood-Star Anfang der 50er-Jahre vor. "Ich ignoriere es", antwortet ihm James Dean (Dane DeHaan). Das mag ihm selbst zwar gelingen, aber seinem Umfeld bleibt es nicht verborgen - und jeder will davon profitieren. Auch Stock, der sich im angesagten Magazin "Life" mit einer Fotoserie über den aufstrebenden Star einen Namen als Künstler machen will. Zumindest eines seiner Fotos kennt auch heute noch jeder: James Dean am New Yorker Times Square, die Kippe lässig im Mundwinkel, der Kragen hochgestellt. Anton Corbijn zeigt in seinem kontemplativen, entschleunigten Drama "Life", wie das Foto entstand. Dabei sinniert er über das Wesen der Kunst und ihren Kampf gegen die Vereinnahmung durch den Kunstbetrieb und die Öffentlichkeit.

Dane DeHaan ("Chronicle", "The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro") spielt James Dean als zurückhaltendes Pulverfass. Der 29-jährige Schauspieler, wie Dean aus einer US-Kleinstadt stammend, findet die perfekte Balance zwischen Lässigkeit, Melancholie und Trotz - und tut James Dean mit seiner Darstellung den größtmöglichen Gefallen. Denn DeHaan holt ihn von dem Kult-Sockel, auf den Dean schon zu Lebzeiten ungefragt gestellt wurde: Seine eigene Ikonisierung war ihm zutiefst zuwider.

Ein herkömmliches Biopic ist "Life" nicht. Es geht Corbijn nicht darum, Biograf zu sein. Er will das Wesen der Kunst ergründen. Das macht "Life" zu einem Film über drei Männer: Neben Dean und Stock geht es auch um Corbijn selbst, der die kurze gemeinsame Episode der beiden Männer in wohl durchdachte Einstellungen übersetzt und dafür grandiose Bilder findet. Er inszenierte seinen Film als Hochglanz-Album, durch das man sich als Zuschauer blättert. Man kann sich in der Ästhetik verlieren, Spannungsbögen gibt es nicht.

"Life" ist kein Drama im klassischen Sinn. Dafür fehlt dem Film die Dramatik, auf die Corbijn bewusst verzichtet. Er beobachtet die beiden Männer einfach in ihren täglichen Kämpfen: Dean, wie er sich aufmüpfig gegen seine Instrumentalisierung als Hollywood-Idol zur Wehr setzt - etwa gegen den von Ben Kingsley bemerkenswert despotisch verkörperten Studiochef Jack Warner. Oder Stock, wie er sich aus den Zwängen seiner Unsicherheit und von seiner Angst vor dem Scheitern befreien will. Sie mögen völlig verschiedene Typen sein, wollen aber im Prinzip das Gleiche - wie auch Corbijn: ein Leben für ihre Kunst leben.

"Ich dachte, du machst meine Karriere", sagt James Dean einmal frech zu seinem Fotografen. Stocks Erwiderung ist ernst gemeint: "Ich dachte, du machst meine". Dass sie dabei aufeinander angewiesen sind, ist ihnen zunächst nicht klar. Dean weicht dem beharrlichen Fotografen immer wieder aus, Stock wiederum lässt sich nicht abschütteln.

Die beiden unternehmen, oft getrennt voneinander, eine gemeinsame Reise: Von Los Angeles nach New York und weiter in Deans Heimatkaff. Erst dort finden beide, was sie suchen: sich selbst und zeitlose Motive. So entstehen die Bilder, die aus ihrer hart erkämpften Beiläufigkeit heraus noch heute als Poster in Jugendzimmern, WGs und Studentenclubs Coolness und Rebellion signalisieren. Es sind zufällige Momentaufnahmen zweier Künstler, die sich den Zwängen des Unterhaltungsbetriebs verweigern wollen.

Quelle: teleschau - der mediendienst