Natalie Portman

Natalie Portman





Das Leben ist kein Film

Obwohl erfolgreich, empfindet der Hollywoodautor Rick (Christian Bale) sein Leben als sinn- und gefühlsentleert, empfindet den Erfolg als notwendiges Übel. In einer Welt des Scheins versucht er in Terrence Malicks "Knight Of Cups" (Kinostart: 10.9.), den wahren Grund des menschlichen Daseins zu ergründen. Wie die titelgebende Tarotkarte, der Ritter der Kelche, probiert er sich als Künstler, Liebhaber, Abenteurer. Auf seiner Suche nach Liebe und einem Lebenssinn begegnet Rick außergewöhnlichen Frauen, wie etwa Della (Imogen Poots) und Nancy (Cate Blanchett). Dennoch wird nur Elizabeth, gespielt von Natalie Portman (34), vorübergehend zum Fixpunkt in seinem Leben. Die vielseitige Schauspielerin selbst ist nicht mehr auf der Suche: Die Oscar-Preisträgerin lebt mit ihrem Mann Benjamin Millepied und Söhnchen Aleph in Paris - und sinniert im Interview über das Leben als Momentaufnahme, falsche Götzenanbetung in Hollywood und die Bedeutung funktionierender Beziehungen.

teleschau: Wie sind Sie zu dieser Rolle gekommen?

Natalie Portman: Ich kenne Terrence Malick seit zehn Jahren persönlich. Wir haben dann telefoniert und über diesen Film gesprochen. Mit ihm zu arbeiten ist ungefähr so wie ich mir das Zusammenspiel einer Jazzband vorstelle. Jeder Mitspieler vertraut den anderen, bringt sich ein und sieht dann was dabei herauskommt. Terrys Filmsets sind anders als andere. Man dreht nie dieselbe Einstellung mehrfach. Man wiederholt nie dieselben Sätze. Terry nimmt alles, was wir ihm anbieten, als Ergänzung an. Es gibt also keine Fehler.

teleschau: Auch dem Zuschauer verlangt Terrence Malick viel Vertrauen in seine Kreativität ab. Finden Sie nicht?

Portman: Terry folgt dem menschlichen Bewusstsein, er erzählt die Geschichte in Momentaufnahmen. Auf diese Weise erinnern wir uns doch auch an unser eigenes Leben. Man erinnert sich doch an Momente, Ausschnitte, Ereignisse. Das Leben besteht doch nicht aus aufgezeichneten Filmen, nicht aus Ereignissen mit exakter Länge, die man aus der Erinnerung beliebig oft abspielen kann. Wie es auch im Film heißt: "Du suchst nicht nach dem Leben, du suchst nach Lebenserfahrung".

teleschau: Auch wenn Malick absichtlich auf stringente Erzählung verzichtet: Wovon handelt "Knight Of Cups" Ihrer Meinung nach?

Portman: Für mich geht es um die Sinnsuche des modernen Menschen, der nicht einmal weiß, was er sucht. Solche Menschen landen oft in L.A. Dort flüstern ihnen dann andere ins Ohr: Du suchst nach Geld, Macht, Twitter-Followern oder sonst etwas. Und dann glauben sie das. Das hat natürlich etwas sehr Hohles. In diesem Film geht es auch um die Anbetung falscher Götzen.

teleschau: Was verbindet Sie selbst mit Los Angeles?

Portman: Eine Liebesbeziehung! Diese Stadt hat so viele Facetten, ist zutiefst lebendig und steckt voller kreativer Energie. Ich mag ja auch Paris sehr, aber Los Angeles ist in meinen Augen einfach einzigartig.

teleschau: Aber sie ist eben auch Heimat der Filmindustrie, deren oberflächlicher Hype um Stars, Produzenten und Geld im Film durchaus kritisiert wird ...

Portman: Ach wissen sie, wenn man so lange dabei ist wie ich, dann blendet man aus was die Leute über einen sagen oder schreiben. Denn sie sagen oft genug schreckliche Dinge. Kurz darauf liest man dann wieder Komplimente, die viel zu nett sind, um wahr zu sein. Wenn man das alles zu dicht an sich heran lässt, dann machen einen die schrecklichen Äußerungen fertig. Und auch die netten Sachen kann man nicht mehr so richtig glauben.

teleschau: Was hilft gegen dieses Wechselbad?

Portman: Man muss Distanz wahren und diese Dinge in Relation setzen. Es ist nett, eine positive Kritik zu bekommen. Es ist genauso nett, den Oscar verliehen zu bekommen - aber am nächsten Morgen wacht man wieder im normalen Leben auf. Ein sündhaft teures, wunderbares Kleid für einen Abend zu tragen, macht großen Spaß. Aber es ist nicht die Erfüllung meines Lebens!

teleschau: Und worin liegt die?

Portman: In funktionierenden, menschlichen Beziehungen. Darin wie man sich selbst und andere in Beziehung zueinander setzt.

teleschau: Hat sich Ihre Einstellung diesbezüglich geändert seit Sie selbst ein Kind haben?

Portman: Nein, das halte ich für einen universellen Zusammenhang. Er trifft nicht nur auf die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern zu.

Quelle: teleschau - der mediendienst