Alexa Maria Surholt

Alexa Maria Surholt





"Fast schon schizophren"

Es ist der deutsche Serien-Hit schlechthin: Seit 17 Jahren locken die Ärzte der Sachsenklinik jeden Dienstagabend Millionen Menschen vor den Fernseher. Oft überschreitet "In aller Freundschaft" nach wie vor die Fünf-Millionen-Zuschauer-Marke und erreicht Marktanteile von bis zu 19 Prozent beim Gesamtpublikum. Ein Zuschauermagnet ist dabei die aus Franken stammende Schauspielerin Alexa Maria Surholt, die seit der ersten Folge als intrigante Verwaltungsdirektorin Sarah Marquardt penibel auf die Finanzen der Sachsenklinik achtet und es mittlerweile sogar zur Klinikleiterin geschafft hat. Ob die Schauspielerin aus Erlangen befürchtet, irgendwann den Serientod zu sterben, verrät die 47-Jährige im Interview anlässlich der 700. Folge, die am Dienstag, 15. September, wie gehabt zur besten Sendezeit im Ersten läuft.

teleschau: "In aller Freundschaft" läuft seit 1998 mit tollen Quoten. Was ist das Geheimnis?

Alexa Maria Surholt: Ich glaube, dass das an der Erzählweise unserer Geschichten liegt. Wir haben starke Figuren und zeigen die Beziehungen zwischen ihnen. Wir gehen mit der Zeit, versuchen aber nicht, auf Biegen und Brechen, modern zu sein. Zudem sind wir ein großes Ensemble, das die Leute seit vielen Jahren begleitet. Das bindet die Zuschauer. Außerdem kommen oft tolle Gast-Kollegen zu uns, die bei uns mitspielen.

teleschau: Haben Sie Angst, Ihre Rolle zu verlieren, so wie es beispielsweise Ihrer Kollegin Maren Gilzer 2014 passiert ist?

Surholt: Das kann einem als Schauspieler natürlich immer blühen. Ich bin in erster Linie erst mal dankbar dafür, dass ich so lange dabei sein und diese Rolle spielen darf. Ich stehe nach all der Zeit natürlich auch in der Gunst der Zuschauer und der Leute, die die Serie produzieren. Deshalb hab ich momentan keine Sorge. Aber das Risiko besteht immer. Auch deshalb war und ist es für mich immer wichtig, neben "In aller Freundschaft" auch andere Sachen zu machen. Ich habe zum Beispiel gerade mit Wolke Hegenbarth neue Folgen von "Alles Klara" abgedreht. Da spiele ich die Leiterin der Mordkommission. Aber es ist ein Segen, solch eine Langzeitrolle zu haben - und das mit Menschen, mit denen es Spaß macht, zusammenzuarbeiten.

teleschau: Sie verstehen sich also auch privat gut mit den anderen Darstellern, oder geht man sich nach all den Jahren nach Drehschluss lieber auch mal aus dem Weg?

Surholt: Ich glaube, das Drehen würde gar nicht so gut funktionieren und die Sendung nicht so lange erfolgreich laufen, wenn die Chemie am Set nicht stimmen würde. Einige Kollegen sind wirklich gute Freunde von mir. Hendrikje Fitz und Thomas Rühmann sind Leute, mit denen ich schon so viel Zeit in meinem Leben verbracht habe und dir mir auch privat wichtig sind.

teleschau: Immer mehr namenhafte Darsteller übernehmen Hauptrollen in TV-Serien. Spüren Sie auch, dass das Ansehen von Serien in letzter Zeit gestiegen ist?

Surholt: Absolut! Auch das Ansehen der Seriendarsteller steigt. Ich merke es zum Beispiel daran, dass immer mehr Kollegen bei uns mitspielen möchten und mich fragen: "Hey, könntest du da vermitteln?" Für Darsteller sind Serien schauspielerisch sehr interessant, weil man die Figur über eine lange Zeit erzählen und entwickeln kann. Das ist wie ein Parallel-Leben: Ich spiele die Figur Sarah Marquardt, die schon alles erlebt hat, seit über 18 Jahren fast in Realzeit - das ist fast schon schizophren. (lacht)

teleschau: Als Sarah können Sie intrigant und böse sein, was im wahren Leben nicht möglich ist, wenn man sich keine Feinde machen will ...

Surholt: Genau! Ich kann mich austoben in der Rolle. Das Tolle bei einer so langen Serie mit bekannten Figuren ist auch, dass man mal Risiken eingehen und Sachen ausprobieren kann. Die Figur macht dann eventuell etwas, womit die Zuschauer nicht immer einverstanden sind, aber sie schalten trotzdem nicht gleich ab. Ich stehe in sehr engem Kontakt mit der Dramaturgie, den Autoren und Produzenten, und wir sprechen gemeinsam über die Entwicklung meiner Rolle.

teleschau: Hatten Sie auch Ihre Finger im Spiel, als es um Sarahs Affäre mit Niklas Ahrendt, der von Roy Peter Link gespielt wird, ging? Frei nach dem Motto: Wenn schon ein Liebhaber, dann aber bitte auch ein heißer, junger Hüpfer?

Surholt: Sagen wir mal so: Ich habe das Casting mitgemacht damals, und da haben Roy und ich uns sehr gut verstanden. Er ist ein hochbegabter Junge, der wirklich viel mitbringt. Damals war schon angedacht, dass ich in weiterem Verlauf eine Affäre mit ihm haben werde. Es hat Spaß gemacht, das mit ihm zu spielen.

teleschau: Bekommt Sarah Marquardt bald wieder einen Mann?

Surholt: Ich würde mich freuen, aber momentan ist noch keiner in Sicht. Eine lange Beziehung soll Sarah gar nicht haben. Das fände ich auf die Dauer langweilig, aber eine kleine Geschichte fände ich mal wieder ganz nett. Denn mir ist wichtig, dass sie neben der Karriere im Krankenhaus immer noch eine Frau bleibt, die ein Privatleben hat.

teleschau: Sarah Marquardt hat die Klinikleitung errungen: Was kann da jetzt jetzt noch kommen?

Surholt: Da wird es eine Veränderung geben! Mehr kann ich nicht verraten. Es bleibt spannend!

teleschau: Sind Sie privat auch ein Serien-Fan?

Surholt: Oh ja, ich bin mittlerweile eine Binge-Guckerin! Ich sehe mit in einer Woche eine ganze Serie an. (lacht)

teleschau: Haben Sie eine Lieblingsserie?

Surholt: Die Frage ist eher, welche Serie ich noch nicht gesehen habe! (lacht) Gerade habe ich "Shameless" mit William H. Macy in der Hauptrolle verschlungen. Eine großartige Familienserie. Ich schaue prinzipiell sehr gerne Familienserien - da habe ich vier Staffeln in sechs Wochen geguckt. Serien und Filme sind für mich eine Möglichkeit, abzuschalten, in andere Welten abzutauschen und zu entspannen.

Quelle: teleschau - der mediendienst