Sinister 2

Sinister 2





Die Filme der toten Kinder

Kein anderes Genre scheint sich für Fortsetzungen so sehr anzubieten wie das des Horror-Films. Mit "Sinister" bereicherte Regisseur Scott Derrickson 2012 ("Der Exorzismus der Emily Rose") den sogenannten "Found Footage"-Horror um einen neuen Kniff: Statt den Film vollständig in Homevideo-Optik zu drehen, nahm er lediglich kleine Videos, die er in eine offensichtlich fiktionale und mit gewohnten filmischen Mitteln erzählte Geschichte einwob. Es gelang: Sein Versuch verband den nostalgischen Charme von Genre-Klassikern mit dem Hype der neuen Horror-Erfolge. Der bislang noch relativ unbekannte Ciaran Foy, der nun beim Sequel Regie führt, übernahm diese erfrischende Herangehensweise ebenso wie den zugrunde liegenden Mythos des Dämons Bughuul. Doch auch Foy ändert in "Sinister 2" den Blickwinkel auf die Geschichte abermals - und versieht das Ganze noch mit einer Extra-Portion Horror-Nostalgie.

Kinder, die ihre Eltern umbringen. Ein verlassenes Haus inmitten von Kornfeldern. Und reichlich melancholisch schaurige Gruselstimmung auf dem Land. Das Setting erinnert an die Stephen-King-Geschichte "Kinder des Korns" und deren Verfilmung von 1984. "Sinister 2" ist eine sehr offensichtliche Hommage an diesen Genre-Klassiker.

Nachdem Courtney Collins (Shannyn Sossamon) und ihre Zwillinge, die neunjährigen Jungen Dylan und Zach (Robert und Dartanian Sloan), von Ehemann und Vater Clint (Lea Coco) aufs Übelste drangsaliert wurden, fliehen sie in ein abgeschiedenes Haus auf dem Land. Auf der neuen Bleibe liegt allerdings der Fluch des Bughuuls. Ex-Deputy Soundso (erneut seine Rolle aus Teil eins übernehmend: James Ransone) ist zwar sofort zur Stelle, um die Familie zu warnen. Bevor er jedoch das Haus niederbrennen kann, bemerkt er, dass Spross Dylan bereits unter dem Einfluss des Bughuuls steht. "Sinister 2" wird anders als sein Vorgänger aus der Sicht eines Kindes erzählt. Dieser Griff bringt einen ganz neuen Blickwinkel auf die Geschichte, die man nach dem ersten Teil für abgeschlossen wähnte.

Anfangs betrachtet man noch albtraumartige Sequenzen, in denen verstorbene Kinder Dylan auf einem Projektor im Keller selbstgedrehte Filmchen zeigen. Darin zu sehen ist, wie die lieben Kleinen ihre Familien aufs Brutalste ermordeten. Doch die vermeintlichen bösen Träume sind realer, als es Dylan lieb ist. Die Kinder, die ihr Leben nach dem Tod im Dienste des grausamen und stillen Dämons Bughuul verbringen, suchen den Jungen tatsächlich jede Nacht für ein spezielles "Filmprogramm" heim. Gezeigt werden Werke wie "Weihnachten mit der Familie", in dem ein Mädchen ihre Eltern und Geschwister in Eiseskälte im Garten bis zum Kopf vergräbt und erfrieren lässt, oder "Fishing Trip", in dem ein Junge seine Familie so drapiert, dass sie von einem hungrigen Alligator verschlungen wird.

Diese kurzen Filmchen kennt man schon aus dem Originalteil, sie nehmen im Sequel jedoch vielmehr Raum ein. Statt der Super-8-Filmoptik aus dem ersten Teil bedient man sich in der Fortsetzung der noch viel älteren 16-mm-Kameras. Statt Tonbandaufnahmen kommen Schallplatten und Uralt-Radios zum Einsatz. Die Mordvarianten erscheinen noch brutaler und perfider als im Vorgänger.

Darüber hinaus webt Regisseur Ciaran Foy ein Familiendrama im Stile eines Independent Movies in die Geschichte ein. Der eindimensional dargestellte Streit zwischen den beiden Zwillingen, der nicht nachvollziehbar brutale und herzlose Vater sowie die unglaublich hilflose Mutter wirken jedoch nicht gerade glaubwürdig. Zudem greift "Sinister 2" einmal zu oft in die alte Horrorfilm-Trickkiste, die dem Zuschauer immer noch glauben machen will, dass ein Schocker erst dann ein echter Schocker ist, wenn er mit einem lauten Knall daherkommt.

Doch auch wenn an ein einigen Stellen etwas zu dick aufgetragen wird: Was wäre ein Horrorfilm ohne eine gehörige Portion Selbstironie und ein wenig Trash? "Sinister 2" ist ein solider Horrorfilm, der alles bietet, was sich Genre-Freunde wünschen: Inklusive überraschendem Plot-Twist und einem Cliffhanger, der Raum für einen möglichen dritten Teil lässt.

Quelle: teleschau - der mediendienst