Ein Schwarzenegger, den keiner sehen will?

Ein Schwarzenegger, den keiner sehen will?





"Maggie" - der neue Film des Actionstars sollte nicht in die deutschen Kinos

Man wundert sich im ersten Moment: Dass Arnold Schwarzenegger, inzwischen 68 Jahre alt, noch immer einige Leute ins Kino zu locken vermag, hat sich gerade wieder mit "Terminator: Genisys" gezeigt - rund 800.000 Tickets wurden bisher gelöst. Doch sein neuester Film "Maggie" (2015) erscheint hierzulande als DVD, Blu-ray- und Video-on-Demand-Premiere. Es ist der erste Film seit Schwarzeneggers Rückkehr aus der US-Politik, der es hierzulande nicht ins Kino geschafft hat. Wie kann das sein? Nach Ansicht des Zombie-Horrordramas drängt sich eine Antwort auf: Man wollte sich wohl einen kommerziellen Flop ersparen, den die Medien dann womöglich auch noch breitgetreten hätten.

Erst einmal das Wer-Wie-Was. "Maggie" ist das Debüt von Regisseur Henry Hobson, der bisher vor allem als Grafiker tätig war, und erzählt eine vergleichsweise kleine, aber durchaus interessante Geschichte aus der Welt der Postapokalypsen. Das titelgebende Mädchen (Abigail Breslin) lebt mit ihren Eltern auf einer entlegenen Farm. Sie hat sich gerade mit einem seit geraumer Zeit wütenden Zombievirus infiziert, und nun müssen Vater und (Stief)Mutter mitansehen, wie die Kleine langsam aber sicher zum Monster wird. Es werden dramatische, hochemotionale Monate.

Ist das nun so mies geraten, dass man es dem Kinopublikum nicht zumuten konnte? "Maggie" leidet in mehrerlei Hinsicht unter schlimmem Dilettantismus. Joely Richardson etwa liefert als ungeliebte Ersatzmama eine indiskutable Leistung, Kamera- und Regiearbeit wirken bisweilen planlos. Die Frage, wie mit der zunehmend zu einer Gefahr werdenden Maggie zu verfahren ist, erzeugt hingegen genug Spannung für den ganzen Film, und der Realismus der Erzählung gefällt ebenso wie die Tatsache, dass dieser nüchtern-minimalistische Ansatz sich auch in Schwarzeneggers (er gibt den Vater) Spiel widerspiegelt. Was also die reine Qualität von "Maggie" angeht: Es findet sich in den Kinos mitunter deutlich Schlechteres.

Aber eben auch Aufregenderes und Auffälligeres. Das Zombiedrama schreitet sehr, sehr gemächlich voran, auf Spezial- oder sonstige Knalleffekte wird weitestgehend verzichtet. "Maggie" bietet keinen Krawall wie die großen Blockbuster, die Besucherzahlen im sechs- oder gar siebenstelligen Bereich erzielen. Und: "Maggie" ist alles andere als ein typischer Schwarzenegger-Film, bei dem ja von Haus aus immer eine gewisse Erwartungshaltung mitschwingt. Es wäre dennoch spannend gewesen zu sehen, wie ein großes Publikum auf diesen anderen, ruhigeren und ungewohnt menschlichen Schwarzenegger reagiert.

Dem großen Arnold Schwarzenegger muss man aber in jedem Fall Mut dafür attestieren, dass er sich auf einen so kleinen Film überhaupt einließ. Ein Low-Budget-Film, der von einem komplett unerfahrenen Regisseur umgesetzt wird - darauf würden sich nicht viele Stars seiner Kragenweite einlassen. Schwarzenegger selbst erklärt in einem ausführlichen Interview, das sowohl der DVD als auch der Blu-ray Disc beiliegt, was ihn an dem Projekt "Maggie" so sehr faszinierte, und das auf durchaus schlüssige Weise. Auch Regisseur Henry Hobson kommt in einem der sehenswerten Extras zu Wort.

Quelle: teleschau - der mediendienst