Knight of Cups

Knight of Cups





Auf der Suche

"Ich lebte das Leben eines Mannes, den ich nicht kannte"; Rick (Christian Bale) taumelt. Der Drehbuchautor ist unzufrieden mit seinem Dasein. Erfolg, Geld, Frauen - der schöne Schein Hollywoods ist schmerzhaft grell. Rick muss die Augen zukneifen, damit er wieder etwas sehen kann. Die Suche nach sich selbst wird ein langer Weg: Hollywoods scheuer Altmeister Terrence Malick schickt Rick in seinem neuen Werk "Knight of Cups" auf einen Selbstfindungstrip - stellvertretend für den Filmemacher selbst, der einmal mehr das Wesen der Existenz erkunden will. Mit enigmatischen Bildern von verwackelter Handkamera-Grandezza inszeniert Malick eine esoterische Wundertüte, die so faszinierend wie sperrig ist. "Knight of Cups" ist ein Film, auf den man sich einlassen muss, der zwingend verlangt, mit völlig freiem Kopf ins Kino zu gehen.

Der Weg des Lebens - im Rückblick weiß Rick nicht, wo er falsch abgebogen ist. Er spürt nichts mehr, stolpert hilflos, missgelaunt und stets im dunklen Anzug durch das sonnendurchflutete Jetzt der Traumfabrik. Dialoge gibt es nur wenige, dafür aber Kommentare aus dem Off, die von Rick stammen, aus dem Malick ein philosophisch begabtes Überwesen sprechen lässt. Dass in Hollywood alles ziemlich oberflächlich ist, dass man (nicht nur) dort, den Kontakt zur Welt verloren hat, daran lässt der Regisseur keine Zweifel.

Rick schlafwandelt mit offenen Augen und immer ziemlich gelangweilt durch Partylandschaften mit besoffenen Stars und Sternchen, entdeckt in all den "Happy People" aber nur dieselbe Leere, die ihn verzweifeln lässt. Auch wenn man alles hat, kann das nichts sein: Diese Erkenntnis haben Rick und das Publikum gleichermaßen recht früh - sie ist die Quintessenz von zwei Kinostunden, in denen viel visueller Lärm um recht wenig gemacht wird.

Denn es passiert eigentlich nichts in "Knight of Cups", außer dass Rick älter wird. Konventionelle narrative Strukturen sind eben nichts für Terrence Malick. Immerhin stellt der Regisseur seinem Hauptdarsteller die Elite der Traumfabrik an die Seite. Cate Blanchett, Natalie Portman, Ben Kingsley, Antonio Banderas, Imogen Poots und der fast vergessene Brian Dennehy - sie alle begleiten Rick ein Stück auf seiner anstrengenden Wanderung, auf der er sein Leben Revue passieren lässt. Mit seinem Vater hat er seit dem Selbstmord seines Bruders ein kompliziertes Verhältnis. Eine Ehe ist gescheitert. Eine Affäre mit einer verheirateten Frau endet mit einer Abtreibung.

Und nun ist alles so unwichtig in Ricks Leben. Er hat den Kontakt zur Welt verloren, und Malick will ihn wiederherstellen. Er schickt Rick immer wieder an den Strand, ins Wasser und lässt ihn die bebende Erde umarmen: Die Hauptsache ist, wieder etwas zu spüren. Der Regisseur exerziert in "Knight Of Cups", seinem siebten Film, alle Lieblingsthemen durch: Gott und sein Verhältnis zur Welt, unser Platz im Universum, der Einklang von Mensch und Natur. Im Prinzip genau das, was er zuletzt schon in "Tree of Life" (2011) und "To the Wonder" (2012) machte. Dass er dabei einmal mehr schöne Bilder findet und grandiose Allegorien auf die Leinwand malt, ist nur ein schwacher Trost für die klebrige Selbstfindungssoße, mit der Malick sein visuell bemerkenswertes Experiment überzuckert.

Quelle: teleschau - der mediendienst