Suzanne von Borsody

Suzanne von Borsody





"Ich glaube an Wunder!"

Nein, sagt Suzanne von Borsody (57), ein Leben im Kloster könne sie sich nicht vorstellen. Dabei spielt die Münchnerin nun schon zum zweiten Mal in ihrer Schauspiel-Karriere eine Nonne: Für den ZDF-Fernsehfilm "Das Kloster bleibt im Dorf" (Donnerstag, 24. September, 20.15 Uhr) zog sie sich das Habit über und schlüpfte in die Rolle der strengen Priorin Johanne, die gegen die Schließung ihres kleinen Frauenklosters kämpft. Im Interview erzählt von Borsody, was Glaube für sie bedeutet, was sie an einem Leben im Kloster vermissen würde - und was für sie ein Wunder ausmacht.

teleschau: Frau von Borsody, was war das für ein Gefühl, als Sie für Ihre Rolle als Priorin Johanne das Nonnenhabit übergezogen haben?

Suzanne von Borsody: Das Habit war eine wunderbares Kostümerfahrung: Man muss sich keine Gedanken darüber machen, in welches Kostüm man schlüpfen soll und auch die Wärmeunterwäsche ist kein figürliches Problem, man trägt schließlich immer das gleiche. Auch die Zeit in der Maske war sehr kurz. Man muss sich allerdings überlegen, wie die Körperlichkeit der Figur ist, die man zum Leben erweckt. Etwa, was man mit seinen Händen macht. "Meine" Johanne hat die Hände oft unter dem Habit versteckt, um nicht unnötig herumzufuchteln. Das Habit bietet Schutz vor nicht erlaubten Eitelkeiten!

teleschau: Haben Sie sich zur Vorbereitung auf Ihre Rolle mit Nonnen getroffen?

von Borsody: Ich habe schon einmal eine Nonne gespielt, das war vor vielen Jahren in "Sanft entschlafen" aus der Donna Leon-Reihe. Ich habe außerdem einmal im Rahmen einer Lesung zwei Nächte im Münsteraner Kapuzinerkloster verbracht und kenne einige Klosterbrüder persönlich. Mit ihnen habe ich viele Gespräche geführt. Für mich sind Ordensgemeinschaften wie eine große Familie, die nach ihren Gelübden und Glaubensbekenntnissen lebt. Dennoch sind auch Mönche und Nonnen Menschen wie wir alle, mit sehr unterschiedlichen Charakteren.

teleschau: Könnten Sie sich ein Leben im Kloster vorstellen?

von Borsody: Nein, das wäre nichts für mich!

teleschau: Was würden Sie an einem Klosterleben vermissen?

von Borsody: Ich glaube, dass es etwas sehr Schönes und Erholsames ist, sich im Kloster uneitel mit sich selbst und mit der Welt auseinanderzusetzen. Aber ich würde viel vermissen. Das beginnt bei Dingen wie schwimmen gehen, außerdem reise ich sehr gerne. Mir ist es auch wichtig, den Tag nach meiner Zeitrechnung zu leben und nicht an Stundengebete gebunden zu sein.

teleschau: Andere Menschen würden Sie nicht vermissen?

von Borsody: Auch im Kloster hat man ja Menschen um sich, noch dazu solche, die so denken wie man selbst. Ich habe einmal einen Klosterbruder gefragt, ob er es denn nicht vermissen würde, durch die Welt zu reisen und dort andere Menschen zu treffen. Er hat mit geantwortet: "Die Welt kommt zu mir!"

teleschau: Ist das eine Philosophie, die Sie teilen?

von Borsody: Nein, dazu bin ich zu ungeduldig und zu neugierig (lacht)!

teleschau: Was kann man als Außenstehender vom Klosterleben lernen?

von Borsody: Die drei Schwestern und die Novizin in "Das Kloster bleibt im Dorf" leben sehr naturverbunden. Sie brauchen nicht viel und ernähren sich selbst: Sie stellen Hostien und Honig her und verkaufen beides. Das Gefühl, wenig besitzen zu müssen, fehlt in unserer Konsumgesellschaft, obwohl es eine wunderbare Leichtigkeit mit sich bringen würde. Wenn man nur wenig hat, wird das weltliche Geschehen nicht mehr so wichtig - auch wenn man die Welt natürlich auch ändern kann, indem man anfängt, vor der eigenen Türe zu kehren.

teleschau: Muss man dazu ins Kloster gehen?

von Borsody: Nein. Aber manchmal ist es hilfreich, auf etwas zurückgreifen zu können, wenn man zu sehr im Strudel des Lebens umhertaumelt, um innerhalb eines festen Gefüges geerdet zu werden.

teleschau: Sind Sie ein gläubiger Mensch?

von Borsody: Ich glaube an Gott, aber nicht unbedingt an die weltlichen Instanzen. Egal, wie man Gott nun nennt - Jahwe, Dieu, Allah, God, Dio - es bedeutet alles Gott, ob es nun ein Er, eine Sie oder ein Es ist. Ich glaube aber auch, dass man zuerst sich selbst helfen soll, bevor man auf Gott vertraut. Es ist nicht Aufgabe des Schicksals oder einer höheren Instanz, unser Leben zu ordnen. Das müssen wir selber machen.

teleschau: In "Das Kloster bleibt im Dorf" spielen Wunder eine zentrale Rolle

von Borsody: Ich glaube an Wunder!

teleschau: Was ist ein Wunder für Sie?

von Borsody: Wenn man beispielsweise verliebt ist und an diesen Menschen denkt, und genau dann klingelt das Telefon und er ruft an. Wunder haben für mich immer mit Liebe zu tun. Auch die Geburt eines Kindes ist für mich eine Art von Wunder.

teleschau: Priorin Johanne ist eine strenge und disziplinierte Frau. Konnten Sie sich mit dieser Rolle identifizieren?

von Borsody: Ich musste mich mit der Figur identifizieren, sie ernst nehmen und sie verstehen, um sie zum Leben zu erwecken. Johanne ist seit ihrem vierten Lebensjahr im Kloster. Sie ist eine fast kindlich naiv glaubende Frau. Was ihr im Film passiert, rüttelt an ihrer Existenz, auch an ihren Moralvorstellungen. Sie stellt die Macht, der sie durch ihren Glauben und durch ihr Glaubensgelübde verpflichtet ist, in Frage und zweifelt so auch an sich selbst.

teleschau: Ist ein Film wie "Das Kloster bleibt im Dorf" überhaupt noch zeitgemäß? Schließlich wenden sich immer mehr Menschen von der Kirche ab.

von Borsody: Mehr denn je, wenn man sich in unserer Welt so umsieht. Aber nur in Bezug auf "anders" Gläubige. Die wirkliche Gretchen- beziehunsweise Glaubensfrage stellt sich heute in unserer westlichen Welt kaum mehr jemand. Viele Menschen feiern Weihnachten, aber beschäftigen sich sonst nicht mit der Religion. Weihnachten ist für sie kaum mehr als ein Feiertag, und Jesus nur ein gequälter Kadaver, der bei den Katholiken am Kreuz hängt, weil er irgendwann einmal für unsere Sünden gestorben sein soll. Johanne aber betet diesen Menschen an. Ich habe mich gefragt, warum sie das tut. Ich glaube, dass für sie Jesus jemand ist, der die Tür für jeden Sünder offen hält, der seine Sünden aus tiefsten Herzen bereut. Das ist eine schöne Sichtweise. "Das Kloster bleibt im Dorf" ist eine Dramödie, eine Komödie, die auch existenzielle Not behandelt. Man kann lachen, aber auch die eine oder andere Träne verdrücken. Ein perfektes Format, um sich mit dem Glauben an sich zu beschäftigen.

Quelle: teleschau - der mediendienst