Eva-Maria Grein von Friedl

Eva-Maria Grein von Friedl





"Die Schauspielerei ist nicht komfortabel!"

Ballettschule, Tanz- und Gesangsunterricht und eine Musical-Ausbildung: Zunächst sah alles danach aus, als hätte Eva-Maria Grein von Friedl ihren Platz auf der Bühne gefunden. Doch dann merkte die heute 35-Jährige, dass sie lieber vor der Kamera steht denn als Musical-Darstellerin zu arbeiten. Mit der ZDF-Telenovela "Tessa - Leben für die Liebe" wurde sie 2006 nicht nur einem breiten Fernsehpublikum bekannt, sondern lernte dabei auch die Liebe ihres Lebens, den Schauspieler Christoph von Friedl, kennen. Es folgten Rollen in den RTL-Serien "IK1 - Touristen in Gefahr", "Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei" und "Männer! - Alles auf Anfang". Dass sie damit "nicht reich und berühmt" wurde, findet die gebürtige Miltenbergerin nicht schlimm, wie sie im Interview erklärt. Das sei ihr bei der Berufswahl von Anfang an bewusst gewesen. Welche Vor- und Nachteile die Schauspielerei mit sich bringt, und welche Denkanstöße sie bei den Dreharbeiten in Kapstadt zum ZDF-Zweiteiler "Jana und der Buschpilot" (13. und 20. September, jeweils sonntags, 20.15 Uhr, ZDF) von den südafrikanischen Einwohnern erhielt, verrät die sympathische Blondine in einem ehrlichen Gespräch.

teleschau: Leiterin einer Buschklinik klingt nach einem spannenden Job. Ist es auch eine spannende Rolle?

Eva-Maria Grein von Friedl: Ja. Es gefällt mir, dass meine Figur Jana eine Kämpferin und mutig ist und dass es in den beiden Filmen nicht nur um die romantische Geschichte zwischen ihr und Thomas geht. Es wird auch die Frage behandelt: Wie weit dürfen wir mit unserer westlichen Medizin gehen? Können wir die Menschen in Afrika im Rahmen des Hippokratischen Eides zu ihrem Glück zwingen und ihnen medizinische Hilfe leisten oder müssen wir ihre Wertvorstellungen und Traditionen respektieren und sie gegebenenfalls ihrem Schicksal überlassen? Es ist spannend, das in so ein Format mit hineinzubringen.

teleschau: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und Jana?

Grein von Friedl: Ja! Mit meinem Sturschädel kämpfe ich auch für die Dinge, von denen ich überzeugt bin. Da schieße ich manchmal übers Ziel hinaus.

teleschau: Würden Sie auch wie Jana irgendwo anders auf der Welt einen Neustart wagen?

Grein von Friedl: Der Mut, den sie an den Tag legt, nach ihrer Scheidung alle Zelte abzubrechen und ihr ganzes Leben auf den Kopf zu stellen und nach Afrika zu gehen, ist bewundernswert. Wenn mir mein Lebenskonzept, so wie es ist, nicht gefallen würde, könnte ich mir das für mich auch vorstellen. Ich bin auch eher der Typ, der von vorne anfängt, wenn er merkt, dass es keine echten oder nur sehr unbefriedigende Perspektiven gibt, anstatt zu versuchen, ewig an Altem herumzureparieren. Aber Gott sei Dank bin ich nicht in der Situation (lacht).

teleschau: Haben Sie selbst schon mal vor einer Entscheidung gestanden, die bedeutete, Ihre Komfortzone verlassen zu müssen?

Grein von Friedl: Das fing ja schon bei meiner Berufswahl an. Die Schauspielerei ist nicht komfortabel und man geht gewisse Risiken ein. Man findet sich von Anfang an damit ab, dass man im Normalfall nicht reich und berühmt wird und einen großen Idealismus an den Tag legen muss. Man lebt in ständiger Unsicherheit, ob Engagements kommen, und muss mobil und flexibel sein.

teleschau: Wird man als Schauspieler in Deutschland genügend wertgeschätzt?

Grein von Friedl: Es muss ja kein Hype wie in den USA sein, aber ich merke es zum Beispiel in Österreich, dass Schauspieler da mehr wertgeschätzt werden als in Deutschland. Der Kultur wird ein höherer Stellenwert beigemessen. Hierzulande bist du eher ein Gaukler (lacht). Über die seit der Finanzkrise stagnierenden beziehungsweise sogar fallenden Gagen will ich gar nicht reden. Deutschland tut sich allgemein sehr schwer mit Anerkennung, teilweise auch seinen größeren Stars gegenüber. Es herrscht viel Neid, Respektlosigkeit und Abwertung. Selbst wenn jemand sehr fleißig ist, wird oft unterstellt, er wolle sich nur wichtig machen. Dabei ist es ein anspruchsvollerer und entbehrungsreicherer Beruf, als sich die meisten vorstellen.

teleschau: Haben Sie jemals mit der Berufswahl gehadert?

Grein von Friedl: Nein, nicht wirklich. Aber es läuft ja auch gut bei mir. Ich erlebe bei der Arbeit oft regelrechte Glücksflashs, bei denen ich denke: Toll, ich stehe hier am Meer oder bin in Kapstadt und darf meinen Traumberuf ausüben. Dabei kann ich privat auch noch ein ganz normales Leben leben. Natürlich gibt es aber auch negative Begleiterscheinungen. Neben der ständigen Unsicherheit und den Durststrecken, die man immer wieder überbrücken muss, nervt auch der immer stärker werdende Druck, kurzfristig verfügbar und mobil sein zu müssen. Das alles macht langfristige, private Planung unmöglich. Dazu kommt die fehlende soziale Absicherung von Schauspielern.

teleschau: Sie schlagen Alarm?

Grein von Friedl: Gerade in den letzten Jahren ist durch den Ökonomisierungswahn, der absurderweise ja auch vor den kreativen Bereichen nicht halt macht, der Wind sehr viel rauer geworden. Viele Standards wie zum Beispiel bestimmte Reisekosten oder Wiederholungsgagen, das heißt, eine zusätzliche Entlohnung, wenn eine Sendung, in der man mitgewirkt hat, nochmals ausgestrahlt wird, sind einfach ersatzlos gestrichen worden. Das hinterlässt Löcher im Schauspielergeldbeutel, und man fühlt sich insgesamt weniger anerkannt. Aber Nachteile gibt es in jedem Beruf. Insgesamt bin ich froh, diesen Weg gewählt zu haben.

teleschau: Privat sind Sie ja bereits seit Jahren angekommen: War Ihnen schneller klar als ihrer Figur Jana, dass Sie den Mann ihres Lebens gefunden haben?

Grein von Friedl: Als ich eine Weile mit meinem Mann zusammen gewesen bin und er mir den Antrag machte, dachte ich: Wenn's mit dem nicht klappt, dann mit keinem! Man kriegt keinen zu 100 Prozent passenden Mann gebacken, denn unter dem Strich sind wir ja alle Menschen mit Stärken und Schwächen. Aber bei uns ist so vieles harmonisch und passt gut. Außerdem können wir hervorragend kommunizieren. Es ist ein sehr großes Geschenk, wenn man einem Menschen begegnet, der wie ein Puzzleteil ins eigene Leben und ins eigene Sein passt. Dinge, die mich manchmal am Partner stören, haben auch oft mit mir selbst zu tun - und ich kann aus ihnen lernen, indem ich mich frage: Was ist eigentlich mein Problem, dass mich diese Kleinigkeit so dermaßen aus der Balance bringt? Wir wollen alle so genommen werden, wie wir sind, obwohl wir unsere Macken haben. Mein Mann gibt mir immer das Gefühl, dass ich so wie ich bin, genau richtig für ihn bin.

teleschau: Sie haben sogar schon mehrmals zusammen gedreht. Ist das nicht schwierig als Ehepaar?

Grein von Friedl: Dafür, dass wir ein Paar sind, haben wir das wirklich schon oft gemacht. Normalerweise werden Paare ja nicht so gern gebucht, weil sie sich entweder anzicken oder zu stark zusammenglucken. Wir lassen allerdings unseren Privatkram zu Hause und kommen als Kollegen ans Set. Dort hängen wir nicht aufeinander und mischen uns auch nicht in die Angelegenheiten des anderen. Jeder verhandelt seine eigenen Themen mit dem Regisseur. Es ist sogar schon vorgekommen, dass Kollegen gar nicht mitgekriegt haben, dass wir ein Paar sind.

teleschau: Sie leben mit Ihrem Mann in der Nähe von München. Was gefällt Ihnen am besten dort?

Grein von Friedl: Ich bin in Nordbayern aufgewachsen und mag, dass Bayern so fruchtbar ist. Ich bin auch oft und gerne in Berlin, aber da ist es doch eher sandig. Wenn ich dann nach Bayern zurückkomme, denke ich: "Alles ist saftig und grün und riecht nach Erde und Gras." Ich bin sehr naturverbunden und habe einen Hund, mit dem ich viel draußen bin. In München ist man zwar in einer Großstadt, aber kann dort dennoch die Bodenständigkeit und Naturverbundenheit spüren.

teleschau: Sind Sie beim Dreh in Afrika mit den Stämmen in freier Wildbahn in Berührung gekommen?

Grein von Friedl: Wir haben im Umkreis von Kapstadt gedreht, wo ja alles ziemlich westlich und zivilisiert ist, daher kamen wir dort nicht mit ursprünglichen Stämmen in Kontakt. Aber ich habe Menschen, die in Townships leben, getroffen und zudem bei einem anderen Dreh in Sambia Völker gesehen, die tatsächlich mitten in der Natur leben und nur eine Hütte mit Palmenblättern und eine Feuerstelle haben. Das hat mir so einige Denkanstöße gegeben.

teleschau: Zum Beispiel?

Grein von Friedl: Man denkt ja immer, dass die Leute, die sehr ursprünglich oder in Townships leben, arm sind und nichts haben. Es gibt dort aber auch Normalverdiener, die eine medizinische Versorgung nutzen und ganz normale Kleidung tragen. Doch sie sagen: "Wir wollen dort leben, weil es seit Generationen so ist und wir uns wohlfühlen in dem sozialen Umfeld." Sie finden die Konsumausrichtung unserer modernen Welt falsch und denken, dass diese uns ins Verderben führt. Sie erklären: "In meiner kleinen Hütte habe ich alles, was ich brauche. Jeder kennt jeden, und wenn man Hilfe braucht, dann ist immer jemand da." Das wirkt auf mich wie ein Reichtum jenseits des Materialismus, der viel beglückender sein kann.

teleschau: Die Menschen setzen auf Zusammenhalt,sie brauchen keinen großen Flatscreen, um glücklich zu sein?

Grein von Friedl: Genau! Die wollen das nicht. Und das hat mich zum Nachdenken gebracht, ob deren Lebensweise nicht erstrebenswert ist: Sie wirken so frei und sehr zufrieden - ohne den ganzen Kram, den wir anhäufen. Wir sitzen dann vor unserem Riesenfernseher und wissen oft nicht, wie unser Nachbar heißt. Bei denen ist das anders: Die kennen sich und reden miteinander. Fragen einander um Rat. Entwickeln gemeinsam kreative Lösungen für fehlenden Hausrat. Teilen sich ihre Werkzeuge. Sie tanzen und singen zusammen, anstatt vor der Glotze zu hängen. Sie zelebrieren das Beisammensein. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl und die Wertschätzung füreinander. Hier ist jeder Haushalt perfekt ausgestattet. Wenn wir etwas nicht wissen oder können, gehen wir ins Internet und sehen es noch als Tugend an, nicht aufeinander angewiesen zu sein.

teleschau: Wir werden also immer mehr zu Einzelgängern?

Grein von Friedl: Ja. Ich fände es schön, wenn sich bei uns auch wieder ein ausgeprägteres Sozialleben entwickeln würde und sich die Menschen gegenseitig mehr helfen. Besonders in ihrem direkten Umfeld und im persönlichen Miteinander.

Quelle: teleschau - der mediendienst