Vilja und die Räuber

Vilja und die Räuber





Ich entführe mir eine Freundin

Sommer, Sonne, Urlaubslaune - die Ferien könnten so schön sein. Zumindest wenn man nicht mit seiner langweiligen Familie und der nervigen Schwester zur Oma fahren müsste. Da kommt eine unfreiwillige Entführung gerade recht, und es beginnt ein Abenteuer, das eine Zehnjährige in ein Leben weit entfernt vom Spießertum führt. Mit "Vilja und die Räuber" verfilmte Marjut Komulainen erstmals die gleichnamige finnische Kinderbuchreihe von Siri Kolu.

Wenn es um anarchische Elemente in Kindererzählungen geht, liegt der Vergleich mit Pippi Langstrumpf nahe. Tatsächlich konfrontiert "Vilja und die Räuber" ebenfalls "Normalos" mit Menschen, die zufrieden jenseits der Normen leben. Dabei geht es genauso unbeschwert zu wie bei Astrid Lindgren. Vilja (Sirkku Ullgren) und ihre Familie werden zwar auf der Fahrt in die Ferien überfallen, aber Angstgefühle kommen dabei in keinem Moment bei den Zuschauern auf.

Das liegt zunächst auch daran, dass Spießer und Räuber äußerst stilisiert präsentiert werden. Auf der einen Seite gibt es die Geschniegelten, die in einer geordneten Welt der Pastellfarben leben. Auf der anderen Seite steht die Familie Räuberberg in abgerissener, meist schwarzer Kleidung irgendwo zwischen Punk und Pirat. Mit ihrem vollgestopften schwarzen Kleinbus nehmen sie den Urlaubern in der finnischen Wildnis ihr Gepäck ab. Von der Beute behalten sie nur das Nötigste für sich und geben den Rest an andere weiter. Kapitalismuskritik à la Robin Hood.

Schnell merkt Vilja, dass es eigentlich ein Glück war, dass sie zufällig in dem Sack steckte, den die Räuberbergs mitgenommen haben. Aufregender könnten die Ferien kaum werden. Das liegt auch an den beiden Kindern Hele (Ilona Huhta) und Kalle (Mio Määttä). Ihr Leben erweist sich als beneidenswert frei. Sie campen am See, essen Würstchen am Lagerfeuer und stopfen Süßigkeiten nach Lust und Laune in sich hinein. Und doch lassen sie durchblicken, dass auch sie sich Freunde oder manchmal ein etwas geregelteres Leben mit einem richtigen Zuhause wünschen würden. Aber sie sind nun mal als echte Räuber auf die Welt gekommen und erweisen sich dieser Berufung mit allerlei Talenten wie Messerwerfen als würdig.

Auch Vilja bringt sich bestens ein. Als gelehrige Schülerin entwickelt sie bald ihre eigenen Ideen für die begehrten "außergewöhnlichen Verbrechen". Das ist gut so, denn die aufregende alljährliche Räuberolympiade steht an, bei der der Anführer der Räuber fürs nächste Jahr gewählt werden soll. Da taucht Viljas Vater auf und ihr großes Abenteuer droht schneller zu enden als dem Mädchen lieb ist.

Der Film entwirft eine Parallelwelt, besiedelt mit skurrilen, aber liebenswerten Charakteren. Mit kuriosen Details ausgestattet funktioniert alles nach eigenen Gesetzen, auf die man sich leicht einlassen kann. Auch weil die Räuber im Umgang miteinander das Herz auf dem rechten Fleck haben und ihnen Teilen wichtiger ist als eigener Besitz. Diese Familie möchte man gerne wieder treffen. Gut, dass Teil zwei schon gedreht wird.

Quelle: teleschau - der mediendienst