French Women - Was Frauen wirklich wollen

French Women - Was Frauen wirklich wollen





Ganz freche Mädchen

Die Chance auf zwanglosen Sex mit einem attraktiven männlichen Hollywood-Star kommt in Gestalt von James Gordon (Stanley Weber) daher, Superheldendarsteller und Oscarpreisträger. Ganz brav kündigt er sich über die Gegensprechanlage von Lilis (Isabelle Adjani) Modesalon an. Das sorgt beim Mädelsabend drinnen für große Aufregung. Fanny (Julie Ferrier) geht zu ihm hinaus, er kniet sich vor sie hin, sie lässt ihn unter ihren weiten Rock schlüpfen und stößt bald Laute des Behagens aus. James ist da angekommen, wo "French Women - Was Frauen wirklich wollen" hin will. Denn das Regiedebüt der Schauspielerin Audrey Dana heißt im französischen Original "Sous les jupes des filles" - unter den Röcken der Mädchen. Im keuschen deutsche Verleihtitel der Komödie schwingt da eher Fremdschämen über Provokation um jeden Preis zwischen Menstruation, Menopause und Männerstress mit.

Der Film ist als Kaleidoskop von Momentaufnahmen aus dem Leben von elf Frauen angelegt. Im Zentrum - aber das weiß man lange nicht genau - steht Ysis (Géraldine Nakache). Ihr 27. Geburtstag steht bevor, aber nach Feiern ist ihr nicht zumute. Der Alltag mit den Kindern frisst sie auf, die Intimität mit dem Gatten (Guillaume Gouix) gestaltet sich zerstreut und schläfrig. Da verliebt sich Ysis in die lesbische Babysitterin Marie (Alice Taglioni).

Doch jede der Damen hat sein Päckchen zu tragen: Die scheue Sekretärin Inès (Marina Hands) wird von ihrem Mann nach Strich und Faden mit Psychotherapeutin Jo (Audrey Dana) betrogen. Sophie (Audrey Fleurot) verbirgt Frigidität hinter Bissigkeit. Adeline (Alice Belaïdi) trägt schwer an einem heimlichen Kummer. Konzernlenkerin Rose (Vanessa Paradis) hat angeblich zu viel Testosteron. Agathes Magen (Laetitia Casta) rebelliert gegen die vielversprechendsten Dates. Und so weiter, und so weiter.

Ohne dass eine Absprache zwischen den kreativen Damen vorliegen dürfte, ist "French Women - Was Frauen wirklich wollen" so etwas wie die gallische Antwort auf Amy Schumers "Dating Queen" (seit 13. August im Kino). Hier wie dort wird viel dreckig geredet. Die Französinnen gehen symbolisch weiter. Gleich zu Anfang wird der Tampon gezeigt, den sich Jo einführen wird. Modeschöpferin Lili hält ein Höschen mit Stacheldrahtbordierung hoch: "Ideal für die Tage, oder?" Ysis kämpft mit einem sprechenden Dildo, den Marie ihr für die Zeit ihrer Abwesenheit schenkt: "Denk an meine Muschi, denk an meine Muschi ...".

Manches ist notwendig, ohne deshalb gleich gut zu sein. "French Women - was Frauen wirklich wollen" gleicht einem frechen, schrillen Befreiungsschrei. Es geht um die unmittelbar zu befriedigende Lust wie auch der unergründlichen Frustration über Erwartungen an püppchenhaftes weibliches Wohlverhalten. Aber die derbe und anzügliche Farce muss alles ausgleichen, was in Konstruktion, Charakterisierung und Haltung auf der Strecke bleibt.

Seine chaotische Form verdankt der Film eher einem Fleischwolf als einem Schneidetisch. Zudem stolpert die Regisseurin über die Karikatur, die sie gegen falsche Frauendarstellungen in den Krieg ziehen lässt: Am Schluss, mit dem Bild der tanzenden Frauen auf der Place de la Concorde, gefallen ihr die guten Mädchen doch viel besser als die bösen. "Rette sich wer kann!", möchte man da mit dem Emanzipationsbuch von Erica Jong ausrufen, in dem die Reise unter die Gürtellinie auch geistreich sein darf.

Quelle: teleschau - der mediendienst