Elyas M'Barek

Elyas M'Barek





Der zurückhaltende Star

"In Deutschland gibt es drei Filmstars: Til Schweiger, dann gibt es seit neuestem Matthias Schweighöfer und Elyas M'Barek. Und that's it." Sagte kürzlich Til Schweiger. Dass der sich selbst zuerst nennt, sich gleichzeitig über die beiden anderen stellt, geschenkt. Um den "Honig im Kopf"-Mann soll es nicht gehen, auch wenn dessen Geschichte die von Elyas M'Barek derzeit öfter streift. Zu Beginn des Sommers sogar unsanft: In der Nacht nach der Verleihung des Deutschen Filmpreises verpasste Schweiger dem 33-jährigen "Fack ju Göhte 2"-Star (Start: 10. September) eine "leichte Backpfeife", wie es so schön hieß. Selbst im Moment des lange ersehnten Triumphs - hatte der scheinbar lang ignorierte Platzhirsch im Kampf um den Zuschauerthron doch endlich mal einen der Preise gewonnen - blieb für den unbeherrschten Schweiger nicht die Rolle des strahlenden Siegers.

Kein Wunder, die ist seit einigen Jahren für Elyas M'Barek reserviert. Schon mit "Türkisch für Anfänger", wo er sowohl in der ARD-Serie (2006-2009) als auch später im Kinofilm (2012) als Cem Öztürk begeisterte, kratzte der in München geborene Österreicher am Gipfel. An der Seite Schweighöfers in "What A Man" (2011) kam er ihm ein Stückchen näher, um diesen spätestens mit dem Blockbuster "Fack Ju Göhte" (2013) und der Rolle als Aushilfspauker Zeki Müller zu erklimmen. Über sieben Millionen Zuschauer zahlten fast 60 Millionen Euro Eintritt für ihre Kinotickets und machten die Komödie zu einem der erfolgreichsten deutschen Filme aller Zeiten.

Als der Filmstar gut gelaunt am wahrscheinlich letzten Sommertag des Jahres das klimatisierte Berliner Hotelzimmer betritt, will er über den scheinbar unsichtbar im Raum sitzenden Konkurrenten nicht wirklich reden. Doch mag man doch gerne von ihm wissen, wie sich ein Promi heute in der Öffentlichkeit zu politischen Themen positionieren sollte. Thema Flüchtlinge, Thema Schweiger ...

M'Barek ahnt, dass er aus der Nummer nicht rauskommt und zeigt sich souverän. "Jeder kann etwas tun", sagt er und fügt Sätze hinzu wie: "Ich finde sehr gut, was Til macht. Aber er fing an Leute zu beleidigen - und das bietet viel Angriffsfläche." Er selbst "biete wenig Angriffsfläche", ergänzt er ohne seinen Gegenüber anzusprechen. M'Bareks Augen blicken häufig für Momente ins Leere, während er antwortet. Dabei wirkt er aber nie gelangweilt oder unhöflich, sondern eher wohltuend zurückhaltend und bedacht.

Überhaupt versichert er recht glaubwürdig und authentisch, dass er für vieles, was gerade mit ihm und um ihn herum passiert, gar nichts könne. Kann ein Star wie er denn noch abends weggehen? "In der Disko muss ich sehr viele Fotos machen, sonst hat sich nicht viel verändert", sagt er ruhig und lächelt sein Elyas-M'Barek-Lächeln. Auf sein Äußeres angesprochen, das offensichtlich gut ankommt, erwidert er bescheiden: "Über ein Kompliment freut man sich immer. Ich bin allerdings ein wenig gelangweilt davon, da ich Schauspieler und kein Model bin. Die Leute machen es sich zu einfach, wenn sie nur über das Äußere sprechen. Ich bestehe aus mehr als diesen Oben-Ohne-Fotos."

M'Barek wuchs in München auf, als Sohn einer Österreicherin und eines Tunesiers: "Wir haben eher dumme als wilde Dinge gemacht", erinnert er sich und zupft an seinem Ohr. "Wir klebten Papiertaschentücher mit Uhu zusammen und haben die geraucht." Auf dem Weg zum Abi musste er offensichtlich also "keine traumatischen Erlebnisse in der Schulzeit" verarbeiten. Skandale? Fehlanzeige. War er etwa da schon ein solcher Schwarm? "Till war der Schwarm in meiner Schulzeit. Der war auch in der Theater-AG und hat dort die besseren Rollen bekommen. Der durfte die Hauptrolle spielen, den fanden immer alle richtig cool", sagt M'Barek und genießt eine Gedankenpause lang die Irritation, um dann anzumerken: "Es war nicht Til Schweiger."

Während jedes M'Barek-Portrait auch ohne all die Til(l)s dieser Welt auskäme, darf Filmemacher Bora Dagtekin nicht unerwähnt bleiben. Der Regisseur und Drehbuchautor bezeichnet M'Barek als "Freund" und schreibt dem Absolventen des Gymnasiums eines katholischen, niederbayerischen Internats schon seit zehn Jahren Rollen auf den Leib. Angefangen bei Cem Öztürk in "Türkisch für Anfänger" über "Doctor's Diary" (2009-2011 als Dr. Maurice Knechtlsdorfer) bis hin zu Zeki Müller in "Fack Ju Göhte" - der mehrfache Grimme-Preisträger und Bambi-Gewinner Dagtekin holt das Maximum aus seinem Kumpel heraus. Sein Rezept: "Bei krassen Typen und in politisch unkorrekten Dialogen zeigt sich sein komödiantisches Talent am besten", so Dagtekin über seinen Lieblings-Darsteller, um ein dickes Lob nachzuschieben: "Mit harten, kernigen Männerrollen besetzt er eine Nische, die er momentan in Deutschland konkurrenzlos beherrscht." Hoffentlich hört Til Schweiger das nicht ...

Quelle: teleschau - der mediendienst