Francine Jordi und Alexander Mazza

Francine Jordi und Alexander Mazza





Auf zur "neuen" Volksmusik

Francine Jordi (38) ist eine attraktive Schweizerin, die nicht nur das Jodel- sondern auch ein Operndiplom besitzt. Alexander Mazza (42), baumlanger Süddeutscher mit Modelvergangenheit, moderierte Formate wie "Herzblatt", "Brisant" und immer noch "ML Mona Lisa". Gemeinsam werden Jordi und Mazza am Samstag, 12. September, die neue "Stadlshow" (20.15 Uhr, ARD) live aus Offenburg moderieren. Es ist das Nachfolgeformat des "Musikantenstadls". 1981 war der vom in diesem Frühjahr verstorbenen Karl Moik aus der Taufe gehoben worden. Sein Nachfolger Andy Borg übernahm den Job 2006, schied nun aber im Streit von der Volksmusiksendung, die man senderseitig "verjüngen" will. Nicht nur der Name "Stadlshow" steht für einen Neubeginn, auch die authentisch wirkende Lockerheit der Moderatoren weist beim Gespräch in Hamburg darauf hin, dass sich hier zwei Menschen vorgenommen haben, ein modernes Bild von Volksmusik via Primetime-TV abzugeben. Ob es dann auch wirklich so kommt, muss abgewartet werden.

teleschau: Frau Jordi, Sie sind die erste Moderatorin im "Stadl", die Musik studiert hat!

Francine Jordi: Echt, stimmt das?

teleschau: Nun, auf dem Musikkonservatorium waren weder Karl Moik noch Andy Borg ...

Francine Jordi: Nun, ich habe tatsächlich zehn Jahre klassischen Gesang studiert und darf mich diplomierte Opernsängerin nennen. Musik hat mein Leben immer schon begleitet. Mit Jodeln habe ich angefangen. Danach kam Gospel. Als ich schon meine Aufnahmeprüfung auf dem Konservatorium geschafft hatte, gewann ich den Grand Prix der Volksmusik.

teleschau: Hilft denn das viele Wissen über Musik beim Moderieren der "Stadlshow"?

Francine Jordi: Zunächst mal hilft es mir mit der eigenen Stimme. Ich singe 100 bis 120 Konzerte im Jahr. Gerade wenn der Körper müde ist, kann man Technik gut gebrauchen, um dieses Tempo 18 Jahre lang durchzuhalten.

teleschau: Herr Mazza, Sie sind von Beruf Fernsehmoderator. Haben Sie überhaupt eine Beziehung zu der Art Musik, die man in der "Stadlshow" hören und sehen kann?

Alexander Mazza: Ich habe Volksmusik erst über die so genannte "neue Volksmusik" für mich entdeckt: LaBrassBanda, HMBC, Django 3000 und Andreas Gabalier. Das ist Musik, die ich auch privat gerne höre. Seit ich über die Arbeit mit Francine noch etwas tiefer in diese Szene eingestiegen bin, entdecke ich immer mehr, was mir gefällt. Auch musikalisch ist das also gerade eine spannende Zeit für mich.

teleschau: Im Alpenraum scheint es den Trend zu geben, dass man als junge, coole Band auch wieder Volksmusik machen darf ...

Francine Jordi: Ich glaube, dieser Trend existiert nicht nur in der alpennahen Region. Eine Band wie Santiano kommt aus Norddeutschland, und das ist auch eine Art "neue Volksmusik". Es gibt da eine Riesenwelle - aber sie findet bisher nirgendwo im TV wirklich gebündelt statt. Bei der "Stadlshow" wollen wir genau dieser Art von Musik ein Forum bieten.

teleschau: Mit dem Relaunch vom "Musikantenstadl" zur "Stadlshow" soll also auch eine neue Volksmusik die alte ablösen?

Alexander Mazza: Zunächst mal glaube ich nicht, dass die neue Volksmusik nur von jungen Leuten gehört wird. Santiano oder Andreas Gabalier könnten sonst nicht so große Hallen füllen und so viele CDs verkaufen. Außerdem sieht man auch bei deren Konzerten, dass alle Altersklassen vertreten sind.

Francine Jordi: Es stimmt auch nicht, dass wir mit dem Wechsel vom "Musikantenstadl" zur "Stadlshow" das Publikum krampfhaft verjüngen wollen, wir freuen uns über alle Altersgruppen. Wir wollen das große Interesse an der neuen Volksmusik nur noch etwas stärker in der Show abbilden.

teleschau: Woher kommt eigentlich der Trend, dass sich junge Leute wieder verstärkt dem Volkstümlichen zuwenden?

Alexander Mazza: Eigentlich ist man doch immer irgendwie auf der Suche nach Heimat. Derzeit gibt es viele Bands, die sich trauen, einem Heimatgefühl in sich und vielleicht auch einem dieser Heimat verbundenen Sound nachzuspüren.

Francine Jordi: Hubert von Goisern hat schon Ende der 80-er solche Platten zwischen Songwriter-Rock und Volksmusik gemacht. Er war auf jeden Fall ein Vorreiter dieser Szene.

Alexander Mazza: Stimmt. Mittlerweile ist es eine große Bewegung geworden, sich in volkstümlichen Musiktraditionen neu auszudrücken. Das hat viel mit der Welt zu tun, in der wir leben. Alles ist mittlerweile so wahnsinnig schnelllebig. Da wünschen sich viele, auch junge Leute, einen Anker zu setzen. Dass es diese Musik gibt und dass sie von so vielen Menschen geliebt wird, ist dann eigentlich nur die Erfüllung dieser Sehnsucht.

teleschau: Der Trend, den Sie ansprechen, findet ja auf verschiedenen Ebenen statt. Aus Bayern und Baden-Württemberg kommen Mundartfilme, jede deutsche Region hat mittlerweile ihren Heimatkrimi. Und 2006 gab es mit der Fußball-WM in Deutschland bereits das Sommermärchen ...

Alexander Mazza: Genau, das sind alles Zeichen dafür, dass man wieder zu seiner eigenen Herkunft steht. Das ist bei uns Deutschen ja ein ganz schwieriges Thema, hat aber erst mal nichts Politisches oder Ausgrenzendes. Ich finde, das geht eher in Richtung Sinnsuche. Ich finde es toll, dass man zu diesen Gefühlen wieder stehen kann.

teleschau: Frau Jordi, Sie kommen aus der Schweiz, haben aber auch viel in Österreich gearbeitet. Aus der Ferne scheint es, als wäre der Bruch zwischen volkstümlichen Traditionen und junger Generation dort nicht so stark gewesen wie in Deutschland. Täuscht das?

Francine Jordi: Nein, das ist in der Schweiz und in Österreich schon ein bisschen anders. Da war die Scheu vor der Volksmusik nie so groß. Seit ich auf der Bühne stehe, also seit 18 Jahren, bin ich es in Österreich gewohnt, dass da viele Teenies in Lederhosen oder Dirndl im Publikum sind. Es ist normal dort, so auszugehen. In diesem Outfit geht man auch in die Disko, was ich cool finde. In der Schweiz hat man modisch noch etwas länger gefremdelt. Da ist das Dirndl erst seit kurzem wieder ziemlich angesagt. Mit volkstümlicher Musik haben die jungen Leute in der Schweiz hingegen nie ein Problem gehabt. Für das Jodeln und ähnliches haben sich zu jeder Zeit viele junge Leute interessiert, zumindest seit ich das verfolge. Vielleicht sind einige, die als Kinder dabei waren, im Teenie-Alter mal ein paar Jahre ausgestiegen - aber dann kamen sie wieder.

teleschau: Kommen wir zurück zur "Stadlshow". Karl Moik war beim "Musikantenstadl" der große Impresario, auch Andy Borg war fest in der Stimmungsszene verwurzelt. Und was machen Sie jetzt aus diesem Job?

Alexander Mazza: Wir moderieren erst mal. Das hat allein schon deshalb eine andere Dynamik, weil wir da als Doppel auftreten. Wir haben so ganz andere Möglichkeiten, uns auszuleben und uns die Bälle zuzuspielen. Ich denke, wir ergänzen uns gut. Natürlich sind wir beide Gastgeber, aber Francine ist diejenige, die aus der Szene kommt, und ich bin eher klassischer Moderator. Es wird aber keine strikte Aufgabenteilung geben. Wichtig ist, dass wir authentisch sind.

Francine Jordi: Eigentlich muss es unser Ziel sein, auf der Bühne genauso zu sein wie wir hinter der Bühne sind. Wir wollen selbst Spaß haben bei der Show. Natürlich ist das nicht ganz einfach - bei einer großen Livesendung am Samstagabend vor einem Millionenpublikum. Dennoch ist es unser Wunsch, auf der Bühne ganz wir selbst zu sein.

teleschau: Auf welche Musik stehen Sie, die niemals in der "Stadlshow" stattfinden könnte?

Alexander Mazza: Da fallen mir spontan die Foo Fighters ein. Eine Band, die ich sehr gerne mag. Aber selbst, wenn ich Dave Grohl anrufen könnte und ihm sagen würde: "Hey man, "Stadlshow" is a really cool show", würde er sicher antworten, dass das vielleicht doch nicht ganz das Richtige für ihn ist. Ich höre aber auch noch ganz andere Musik, zum Beispiel von Xavier Naidoo und deutschen HipHop. Meine private Playlist ist stilistisch sehr vielfältig.

teleschau: Und wie ist das bei Ihnen, Frau Jordi?

Francine Jordi: Auch ich höre viel, was in der "Stadlshow" eher nicht vertreten sein wird. Ich liebe natürlich die Klassik, habe auch schon selbst Oper auf der Bühne gesungen. Dazu bin ich großer Jazz-, Pop- und Swingfan. Schlager und neue Volksmusik ist aber mein Schwerpunkt.

teleschau: Sie beiden sind aus einem großen Moderatoren-Casting als Sieger hervorgegangen. Wissen Sie, was die Macher der "Stadlshow" in Ihnen sahen, weshalb Sie ausgesucht wurden?

Alexander Mazza: Es stimmt, dass es ein Casting gab. Aber wir wurden getrennt voneinander ausgesucht. Die haben uns also nicht zusammen gesehen. Dennoch glaube ich, dass es sehr gut passt. Wir verstehen uns, haben beide einen guten Humor und können auch über uns selbst lachen. Hinzukommt, dass wir beide sehr emotionale Menschen sind, die auch kein Problem damit haben, ihre Gefühle in verschiedenen Situationen zu zeigen.

Francine Jordi: Wir sind auf einer Wellenlänge, es passt einfach. Wir sind beide spontan und können auch auf unvorhersehbare Ereignisse gut reagieren - was ja bei einer Live-Sendung nicht ganz unwichtig ist. Aber - noch haben wir nicht zusammen moderiert. Bisher ist gemeinsam Interviews zu geben unser Probelauf (lacht).

Quelle: teleschau - der mediendienst