Susan Sideropoulos

Susan Sideropoulos





Verschenke Freiheit, erhalte Glück

In der neuen täglichen SAT.1-Komödie "Mila" spielt Susan Sideropoulos eine Single-Frau, die sich mit Anfang, Mitte 30 auf die Suche nach Mr. Right begibt. Im wirklichen Leben ist der ehemalige "GZSZ"-Star allerdings schon seit Teenagertagen mit demselben Mann zusammen. Mit ihm hat die 34-Jährige zwei kleine Söhne im Kindergartenalter. Das private Leben der Susan Sideropoulos dürfte nicht allzu viel mit der Berliner Online-Redakteurin Mila auf tragikomischem Männerfang zu tun haben. Doch wozu gibt es Freundinnen, die einem offen und detailreich aus ihrem Leben an der Dating-Front berichten? In einem Konferenzraum des Hamburger Hyatt-Hotels analysiert eine aufgeräumte Susan Sideropulos die aktuelle Dating-Kultur und gibt Tipps, die die ewige Suche nach der großen Liebe irgendwann überflüssig machen könnten.

teleschau: Warum ist Mila so interessant, dass man sie sich fünfmal die Woche anschauen will?

Susan Sideropoulos: Mila ist eine Frau in den Dreißigern. Sie arbeitet viel und ist überzeugter Single. Als ihre kleine Schwester im Gespräch mit der Mutter verrät, dass sie in 287 Tagen heiraten wird, sagt die Mutter, dass Mila wohl nie einen Mann finden würde. Die ist von der Aussage so entsetzt, dass sie sich erstmals in ihrem Leben auf die Suche Mr. Right macht. Wie sie das tut und wem sie dabei begegnet, das finde ich überaus spannend und lustig - aber auch ungeheuer realistisch gezeichnet. Ich kenne viele Milas im Kreis meiner Freundinnen und Bekannten.

teleschau: Seit der Beziehungsmarkt relativ offen und leicht zugänglich im Internet stattfindet, geht man sehr viel spielerischer damit um. Würden Sie dieser Theorie zustimmen?

Sideropoulos: Absolut. Die Suche nach dem richtigen Partner hat auf jeden Fall ein bisschen von ihrer Romantik verloren. Alles ist ziemlich schnelllebig, es wird viel abgecheckt. Viel Charme hat das Ganze nicht. Ich bin ja schon lange liiert, habe Kinder. Durch die Mila-Rolle kam ich erst jetzt dazu, mich mit dem gegenwärtigen Markt der Beziehungssuche befasst. Es ist schon krass, was da alles abgeht.

teleschau: Stößt es Sie ab?

Sideropoulos: Ich bin gleichermaßen fasziniert wie erschrocken davon. Wäre ich Single, würde ich wahrscheinlich auch im Internet nach jemandem suchen. Diese Art der Suche passt irgendwie in unsere Zeit. Jeder ist am Hetzen. Die Zeit rennt, und im Netz hat man scheinbar die Möglichkeit, viele mögliche Partner schnell zu prüfen. Aber natürlich ist das nur eine Illusion. Über die Profile dort entsteht nur ein erster Eindruck. Wie der Mensch dahinter wirklich ist, kann man nur im persönlichen Kontakt und mit der Zeit herausfinden. Wenn mir Freundinnen von ersten Dates erzählen, die sie nicht richtig glücklich gemacht haben, sage ich immer: Mensch, triff dich doch noch mal mit dem. Gib ihm noch ne zweite oder dritte Chance. Wenn es ums Nichtprobieren oder Beenden einer Beziehung geht, treffen wir unsere Entscheidungen heute meistens viel zu schnell.

teleschau: Ist die Partnersuche heute also leichter oder schwerer als vor 20, 30 Jahren?

Sideropoulos: Es gibt viel mehr Auswahl heute und doch ist die Suche schwieriger geworden. Man macht sich viel mehr Gedanken und nimmt alles auseinander. Wir Frauen neigen sowieso zu so etwas. Die Ansprüche an Beziehungen sind ebenfalls höher geworden. Der Gedanke, dass es vielleicht noch was Besseres gäbe, dominiert unser Handeln. Ich bin froh, dass ich all das nicht mehr tun muss.

teleschau: Sie sind schon lange mit ihrem Mann zusammen und haben zwei gemeinsame Söhne. Fiel es Ihnen schwer, sich in Single-Mila hineinzudenken?

Sideropoulos: Nein, ich liebe Mila. Abgesehen davon, dass unser Leben bisher sehr unterschiedlich gelaufen ist, sind wir uns in vielen Dingen ähnlich. Ich kann mich total mit ihr identifizieren. Wahrscheinlich wäre ich genau wie sie, wenn ich als Single leben würde: ein bisschen verpeilt und manchmal total durch den Wind. Abgesehen davon sind meine Mädels schon auch meine Inspiration. Also die Milas, die ich kenne. Natürlich lebe ich ein ganz anderes Leben. Ich bin die Freundin, die den Milas immer schlaue Ratschläge gibt. Die zu hören bekommt: "Ach, du lebst doch ein ganz anderes Leben, du hast doch keine Ahnung von der realen Welt." Aber unabhängig davon, ob das stimmt, ist es natürlich ein spannender Job für uns Schauspieler, sich in ein gewissermaßen fremdes Leben einzufühlen.

teleschau: Fünf Folgen pro Woche, das bedeutet einen hohen zeitlichen Aufwand in Sachen Drehen und Vorbereitung der Rolle. Wie bekommen Sie das mit Ihrer Familie hin?

Sideropoulos: Bisher läuft es super. Natürlich stand diese Frage im Raum. Wir drehen in Berlin und wir leben in Berlin, das war schon mal die Voraussetzung. Sonst hätte ich es nicht gemacht. Natürlich habe ich zehn Jahre "GZSZ"-Erfahrung. Insofern weiß ich, wie die Arbeit an einer täglichen Serie läuft. Da ich in Sachen Rollenvorbereitung ein kleiner Streber bin, war diese Erfahrung schon auch wichtig für mich, um die Belastung gemeinsam mit der Familie gewuppt zu bekommen.

teleschau: Wie lange war Ihre Pause zwischen den beiden Serien?

Sideropoulos: Dreieinhalb Jahre. Wobei man "GZSZ" und "Mila" nicht wirklich vergleichen kann. "Mila" ist noch viel intensiver, da ich quasi in jeder Szene bin. Mila redet auch sehr viel, das kommt noch hinzu und bedeutet eine Menge Text zu lernen. Es ist schon ein großes Pensum. Aber ich war schon immer so: Wenn ich etwas mache, tue ich es hundertprozentig und aus vollem Herzen. Dann fühlt es sich auch nicht besonders anstrengend an. "Mila", das sind die besten Bücher, die ich je gelesen habe. Sie haben einen megacoolen Humor. Dazu bringt jede Folge eine Message aufs Tablett, über die man sich am nächsten Tag unterhalten kann. Viele Dinge, die wir tagtäglich tun, werden da in Frage gestellt. Auf eine humorvolle, leichte Weise ...

teleschau: Geben Sie doch mal konkrete Beispiele, die uns verstehen helfen, warum "Mila" anders sein soll als bisherige Serien dieser Art?

Sideropoulos: Ich finde, die Charaktere sind viel realistischer gezeichnet. Das sind keine Serienfiguren, sondern beinahe reale Menschen. Die reden normal, die gehen auf Toilette - und der Zuschauer ist immer ganz nah dran. In der Regel erzählt eine Folge einen Tag, deshalb kommt in "Mila" auch so ein Echtzeit-Gefühl auf. Aber das Beste sind die Bücher, das muss man einfach sagen. Man muss es nur lesen oder sehen, dann versteht man auch sofort die Qualität.

teleschau: Noch mal zurück zu Ihrer eigenen Familie. Ihre Söhne sind knapp vier und fünf Jahre alt. Geht das mit einem derart intensiven Job zusammen?

Sideropoulos: Es geht nur deshalb, weil ich den besten Mann der Welt zu Hause habe. Er hat nichts mit den Medien zu tun, doch er ist selbstständig und deshalb zeitlich flexibel. Wir haben einen mobilen Kaffeewagen. Mein Mann arbeitet, wenn unsere Kinder im Kindergarten sind und am Wochenende manchmal auch. Er ist ohnehin der bessere Hausmann von uns beiden. Das mit den Kids haben wir uns von Anfang an fifty-fifty geteilt. Unsere Kinder sind weder Mama- noch Papa-Kinder. Sie sind mal hier, mal da. Eltern, Schwiegerelter, Freunde - alle helfen mit. Ich glaube total an dieses Modell. Ich komme jeden Abend nach Hause, dann haben wir unsere ein bis zwei Stunden zusammen, und die sind sehr erfüllt und intensiv. Hinzukommen die Wochenenden. Die sind frei und sie sind mir auch heilig.

teleschau: Ist die Qualität der gemeinsam verbrachten Familienzeit wichtiger als dass man sich oft sieht?

Sideropoulos: Ganz klar, ja. Auch ich bin so aufgewachsen und fand es gut so. Meine Eltern arbeiteten immer viel, ich kenne die gar nicht anders. Dennoch hatten wir die schönsten Urlaube und eine wundervolle Zeit zusammen. Ich habe früh vermittelt bekommen, dass man arbeiten muss, damit sich schöne Dinge leisten kann. Das gebe ich auch meinen Kindern mit. Die wissen jetzt schon, dass man auf seine Spielsachen gut aufpassen muss. Weil wenn man sie verliert oder sie kaputt gehen, müssen Mama und Papa noch mehr arbeiten, damit man sie sich wieder leisten kann.

teleschau: Kommen wir noch mal zurück zu "Mila". Sendet die Serie auch eine Botschaft an unser Leben?

Sideropoulos: "Mila" hat viele Botschaften! Eine davon ist: Wer sich zu viel mit dem Suchen beschäftigt, kann nichts finden. Eine andere ist: Stehe zu dir selber, so wie du bist. Man muss nicht perfekt sein, um toll zu sein. Das ist sicher nicht neu, aber gerade heute müssen wir uns immer wieder daran erinnern. Es geht aber auch um ganz andere Themen neben der Suche nach Mr. Right. Zum Beispiel um die Frage, ob man sein ganzes Leben als Freelancer verbringen möchte oder ob eine feste Anstellung nötig ist, um glücklich zu werden. Oder auch: Was ist der Sinn von Schönheits-OPs? Geht es uns danach wirklich besser oder kann man auch so durchs Leben laufen. Auch die Frage, ob Online-Dating wirklich gut ist oder ob man nicht lieber versuchen sollte, Mr. Right auf der Straße, im echten Leben zu finden, wird thematisiert.

teleschau: Leben wir in einer Zeit der großen Suche?

Sideropoulos: Ja, ich finde schon. Andererseits ist das natürlich auch eine Frage des Alters. In den Dreißigern gibt es schon eine Menge Druck auf uns. Da soll der richtige Partner gefunden werden, und man muss sich mit der Kinderfrage auseinandersetzen. Gleichzeitig müssen wir Karriere machen oder beruflich zumindest unseren Weg finden. Das ist schon eine Menge Holz.

teleschau: Haben Sie eine Empfehlung, wie es klappen kann, den richtigen Partner fürs Leben zu finden?

Sideropoulos: Nein. Ich empfehle nur, dem anderen Menschen und auch sich selbst ein bisschen mehr Zeit zu geben. Man sollte die Dinge einfach mal laufen lassen. Erst dann kann man dabei zusehen, wie sie entstehen.

teleschau: Und wenn man dann den Richtigen gefunden hat - wie hält man ihn fest?

Sideropoulos: Wenn ich die Antwort darauf hätte, wäre ich vielfacher Millionär. Weil ich dann den Mega-Ratgeber mit zehn goldenen Beziehungsregeln geschrieben hätte. Aber die gibt es ja nicht wirklich. Für jeden gelten andere Regeln. Ich glaube daran, dass man seine Liebe immer wieder neu strukturieren muss. Ich kann nicht davon ausgehen, dass meine Beziehung heute noch so läuft, wie es mit 20 war. Das wird auf keinen Fall funktionieren. Man muss sich gemeinsam verändern und sich auch gegenseitig Dinge gönnen, das ist ganz wichtig. Eine Beziehung darf kein Rechenexempel werden.

teleschau: Sie meinen den so genannten Geiz in Beziehungen, dass man sich gegenseitig Dinge vorrechnet?

Sideropoulos: Ja genau, furchtbar. Mein Mann und ich zum Beispiel, wir treffen uns ganz oft mit eigenen Freunden, ohne dass der Partner dabei wäre. Finde ich auch gut so! Mein Mann soll sich mit seinen Jungs treffen, genauso wie ich viel Zeit mit meinen Mädeln brauche. Manchmal geht jeder von uns dreimal die Woche aus - und wir fühlen uns super dabei, auch gemeinsam. Natürlich kommen dann so Fragen wie: "Was sagt denn dein Mann dazu, wenn du schon wieder weg bist?" Aber darum geht es bei uns nicht. Wer ausgehen darf, ohne dass es Stress gibt, der kommt auch gern wieder nach Hause. Wer nach Hause muss, wird dagegen eine Abneigung gegen das Nachhausekommen entwickeln. Ich glaube, wer Freiheit verschenkt, hat gute Karten, Glück zurückzubekommen.

Quelle: teleschau - der mediendienst