Der Chor - Stimmen des Herzens

Der Chor - Stimmen des Herzens





Dustin Hoffman und der Wunderknabe

Das Leben in Chorschulen ist hart. Schön und schrecklich zugleich. Das weiß man aus allerlei TV-Dokumentationen über die Regensburger Domspatzen, die Wiener Sängerknaben oder über den Leipziger Thomanerchor. In strenger Auslese werden die minderjährigen Stimmstars herausgefiltert. Nur die Besten dürfen bleiben, um dann vor großem Publikum in aller Welt zu gastieren. Dieser Stoff ist für Hollywood und den American Dream bestens geschaffen: Begabung, Disziplin und Fleiß führen unausweichlich zum Erfolg. Das strenge Befolgen dieser Dreifaltigkeit macht "Der Chor - Stimme des Herzens" allerdings sehr vorhersehbar.

Durch einen Unfall verliert der elfjährige Stet (Garrett Wareing) seine Mutter. Das Leben hat ihm hart mitgespielt, er ist vorerst in eine andere Familie integriert, sein ihm unbekannter Vater will ihn nicht aufnehmen. Der Vorschlag der Schulleiterin (Debra Winger), den Bub seiner schönen Stimme wegen doch nach Princeton auf das Internat des National Boychoir zu schicken, kommt dem eigentlichen Erziehungsberechtigten da gelegen. Er wird das Internat bezahlen - und legt auch gleich eine Bestechungssumme obendrauf, um Schuldirektorin und Chorleiter zu überzeugen. "So ist das Leben!", lautet sein Kommentar dazu.

Der gestrenge Chorleiter Master Carvelle, von keinem Geringeren als Dustin Hoffman erstaunlich mürrisch gespielt, lehnt das natürlich ab. Zumal sich Stet in seinen Augen als frecher Knilch entpuppt. Wie gut, dass es da noch die gutherzige Direktorin (Kathy Bates) gibt, welche der Junge die Aufnahme in Princeton verdankt. Stet, der späte Quereinsteiger, ist nicht nur begabt, sondern von geradezu überirdischem Fleiß beim Noten- und Gesangsstudium. Überhaupt gibt der Regisseur, der Kanadier Francois Girard, dessen "Rote Violine" 2000 einen Musik-Oscar gewann, der Arbeit der amerikanischen Sängerknaben viel Raum.

Doch das Drehbuch von Ben Ripley ist geradezu heillos - wenn auch bewusst - an Klischees orientiert. Stet werden von den Mitschülern immer wieder Steine und Beleidigungen in den Weg gelegt, Dustin Hoffman muss einen gnadenlos hartherzigen Chorleiter geben, weil ja sonst die Geschichte keine Spannung inne hätte. "Aufgeben ist alles, was du drauf hast!" oder "Deine Uhr tickt, Kleiner!" sind Sprüche, die der zweifache Oscar-Preisträger ablassen muss. Die eremitenhaften Weihnachtsferien, ganz ohne Eltern, tun ein Übriges: Der brave Stet muss sich in die einsame Musiklehre stürzen.

Am Ende, man ahnt es schon, wird er sich durchsetzen gegen alle Widrigkeiten und zum Finale als Solostimme das hohe D in Bachs H-Moll-Messe stemmen. Die Chorauftritte, die Knabenstimmen und -gesichter sind gekonnt choreografiert. Es ist dem Musik- und Showregisseur Girard auf ganz erstaunliche Weise gelungen, den bei Oscar- und Grammy-Auftritten erprobten wahren American Boychoir und die jungen Schauspieler szenisch miteinander zu verbinden. Ansonsten hätte man sich durchaus etwas mehr Internatsleben von der Marke "Fliegendes Klassenzimmer" gewünscht. Und die Familienfilmhandlung ist geradezu zu vernachlässigen. So ist "Der Chor - Stimmen des Herzens" eher etwas Haltbares für die noch scheinbar fernen besinnlichen Tage.

Quelle: teleschau - der mediendienst