Hitman: Agent 47

Hitman: Agent 47





Steif hingemetzelt

Was sich mit einem Hubschrauber doch alles anstellen lässt! In "Hitman: Agent 47" fräsen die Rotorblätter die hübsche Glasfassade eines Wolkenkratzers in Singapur auf, fressen sich ins Gebäude hinein, zersäbeln Bürocomputer und erwischen auch ein paar Bewaffnete. Das alles nur, damit Katia (Hannah Ware), Brünette mit sinnlichem Mund und blauen Augen, ihre Fesseln löst, aus dem per Autopilot gelenkten Heli springt und bei der Überwältigung einer Kleinarmee von Killern ihren Kämpferinstinkt entdeckt. Man möchte von einer Therapieform der umständlichsten Art sprechen. Wegen des spektakulären Effekts fällt die Absurdität im Missverhältnis von Aufwand und Ertrag bedeutend weniger auf als in vielen anderen Momenten dieses bemühten Actionfilms, der trotz Remmidemmi kaum Schwung gewinnt.

Agent 47 (Rupert Friend) heißt die menschliche Killermaschine, die beauftragt ist, Katia ebenso zu töten wie ihren Vater Dr. Delriego (Rolf Kanies). Den sucht Katia seit Jahren selbst. Kameramann Óttar Guðnason zeigt viel zärtliche Aufmerksamkeit für ihr verzweifeltes, ratloses Gesicht, während sie in der Stasi-Unterlagenbehörden in Berlin Dokumentfetzen zusammenzusetzen versucht. Die junge Frau hat keine Ahnung, dass ihr Erzeuger für den Ostblock Auftragsmörder programmierte. Nur an schreckliche Momente auf der Flucht mit ihm erinnert sie sich.

Ebenso wenig weiß sie, dass ein mächtiger Rüstungskonzern nach ihm fahndet, um das Killerprogamm neu aufzulegen. Mit übernatürlicher Antizipation für Gefahrensituationen und einem ausgeprägten Fluchtinstinkt ausgestattet, spürt sie, dass Agent 47, selbst ein Produkt des Vaters, sie verfolgt. Ein Mann namens John Smith (Zachary Quinto) bietet Katia seine Hilfe an. Auf den U-Bahngleisen unterm Alexanderplatz liefert er sich mit Agent 47 ein Ringen auf Leben und Tod.

Ein Feuerwerk will in "Hitman: Agent 47" abbrennen, und ganz viele Überraschungen soll es geben. Noch während der Vorspann läuft, explodiert in Salzburg eine Superbombe, eine Autokolonne wird attackiert und in Schrott verwandelt. Dann macht ganz Berlin stumm Platz für das Duell zwischen John Smith und Agent 47, bevor es nach Singapur geht. Doch Gut und Böse sind nicht so verteilt, wie es scheint, und Katia lernt, nicht mehr davonzulaufen, sondern zurückzuschießen und ihre Gegner in einer Fabrik von riesigen Turbinen ansaugen und zerfetzen zu lassen.

Schreiend unplausibel, brachial und primitiv werden die Umkehrungen eingestielt. Skip Woods hat seine zweite Kinoadapation der Computerspiel-Reihe "Hitman" - die erste war "Hitman - Jeder stirbt für sich allein" (2007) - arg zusammengeklatscht. Dass derselbe Autor an "X-Men Origins: Wolverine" (2009) und dem vielschichtigen Thriller "Passwort: Swordfish" (2001) mitschrieb, ist kaum zu glauben.

Der eigentliche Knackpunkt liegt aber in der Performance der Darsteller. Hannah Ware erscheint etwas zu reif für ihre Rolle. Rupert Friend weiß nicht so richtig, wie sich eine menschliche Killermaschine bewegt. Regisseur Aleksander Bach ist ihnen keine Stütze. Ausgerechnet in Nahkämpfen erlegt der ehemalige Klavierstudent den beiden ein wie mit dem Metronom getaktetes, eckiges Gebärdenspiel auf. Katia muss ja nur ein bisschen herumballern, aber Agent 47 teilt Schläge und Schüsse wie ein steifer, ruckartig sich drehender Wetterhahn aus. Computerspiele mit lahmer Grafik können so aussehen. Ein Film sollte mehr motorische Dynamik besitzen.

Quelle: teleschau - der mediendienst