Vacation - Wir sind die Griswolds

Vacation - Wir sind die Griswolds





Comeback auf holpriger Humor-Achterbahn

Wartet nicht ein herrliches Vergnügen auf die Griswolds? Die Loopings der Achterbahn im Freizeitpark Valley World sind eng wie Korkenzieher-Gewinde gezwirbelt. Es geht erhaben steil nach oben und jäh hinab. Die Fahrt damit ist so begehrt, dass sich Familie Griswold die letzten Plätze im Fahrgeschäft im Faustkampf sichern muss. Nun ja, Papa Rusty (Ed Helms) mimt den Ringkämpfer, sein jüngster Sohn, der verschmitzte Kevin (Steele Stebbins) zieht seinen Gegnern Plastiktüten über den Kopf. James (Skyler Gisondo), der ältere, eigentlich verschüchtert-verträumt, boxt Mädchen, und Mutter Debbie (Christina Applegate) teilt auch tüchtig aus. Satire und Farce, herrlicher Unsinn und ironische "Treffer"-Zeitlupen sind in dieser Szene so vereint wie sonst selten in der Klamotte "Vacation - Wir sind die Griswolds".

Rusty Griswold verdient seine Brötchen recht mühselig als Pilot einer Billigfluglinie. Er kommt gar nicht auf die Idee, sich oder den Seinen mal eine Abwechslung vom Alltag zu gönnen. Während befreundete Familien nach Paris jetten, bleiben die Griswolds zuhause. Bis Rusty beim Anschauen der Familienfotos bewusst wird, wie unglücklich seine Frau wirkt. Da kommt ihm der Einfall, mit Debbie und den Jungs schlappe 2.500 Meilen in den Freizeitpark Valley World zu fahren, in dem er schon mit seinen Eltern war.

Wie oft bei tollen Ideen hinkt die Ausführung hinterher. Die albanische (!) SUV-Variante, die Rusty besorgt hat, setzt sich bei falschem Knopfdruck selbsttätig in Bewegung, zerstört die eigenen Fenster oder sprengt sich gar in die Luft. Unterwegs spinnt das Navi-Gerät auf Japanisch herum. Darüber hinaus werden sie beklaut, baden nichtsahnend im Gülleteich und fahren bei der Stippvisite auf Schwager Stones (Chris Hemsworth) Ranch schon mal eine Kuh zu blutigem Brei.

Unter dem programmatischen Titel "Vacation - Wir sind die Griswolds" feiert besagte Familie in der Nachfolgergeneration ihr Blödelcomeback. Chevy Chase und Beverly D´Angelo starteten als Griswold-Eltern erstmals 1983 als "Die schrillen Vier auf Achse" in den katastrophalen Urlaub, machten zwei Jahre später mit "Hilfe, die Amerikaner kommen!" Europa, mit "Schöne Bescherung" (1989) Weihnachten und schließlich 1997 auch Las Vegas unsicher. Ed Helms mimt im neuen Film, in dem Chase und D'Angelo Gastauftritte haben, den erwachsenen männlichen Sprössling, der auf ihren Spuren wandelt.

Das lädt zwangsläufig zu einer Niveaubestimmung ein, wo sich die US-amerikanische Familienkomödie momentan befindet. Im Rückblick erweist sich der erste Chevy-Chase-Film mit seinem Sinn für verhängnisvoll-verrückte Steigerungen - auch auf der Ebene der Figuren - als geradezu sorgfältiger Schwank. Nimmt man die Freizeitattraktion, nach der sich die Griswolds sehnen, als Illustration, dann gleicht die nun anlaufende Fortsetzung einer äußerst holprigen Humor-Achterbahn mit wenigen Höhen und vielen tiefen Ausschwingungen unter die Gürtellinie. Frohsinn mit Fäkalbezug, Pädophilen-Witze und Penis-Exhibitionismus sind Trumpf.

Hier knallen keine Pointen, hier rauscht die Klospülung. Und bevorzugt tut Kindermund die dreckigen Wörter kund. Am besten schneidet noch die Darbietung von Ed Helms als Dad Rusty ab. Mit einem unerschöpflichen Repertoire peinlicher Ticks und Platituden sowie einer Physiognomie, die auf Fred MacMurray in der klassischen TV-Serie "Meine drei Söhne" verweist, parodiert er unermüdlich zwanghaften Optimismus und die hohle Vater-weiß-es-besser-Attitüde heiler Fernsehwelten.

Quelle: teleschau - der mediendienst